Home
http://www.faz.net/-gv6-sjwy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fondsmarkt Privatanleger mögen neue Fonds

23.06.2006 ·  Investmentsparen ist in Deutschland wieder gefragt. Beliebt sind vor allem neue Fonds. Doch bei aller Begeisterungsfähigkeit für Neuheiten ist dieser Trend durchaus problematisch.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Deutsche Privatanleger lassen sich vor allem mit neu aufgelegten Fonds für das Investmentsparen begeistern. Das legt eine Statistik des Bundesverbandes Investment (BVI) nahe. Danach entfiel 2005 mit 25,5 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Neugeschäfts mit Publikumsfonds auf Produkte, die im gleichen Jahr erst auf den Markt kamen. Noch beeindruckender ist ein Blick speziell auf die Aktienfonds. Hier legten Fondssparer 8,8 Milliarden Euro in Neuheiten an - bei einem Gesamtnettoabsatz von 2,7 Milliarden Euro. Das heißt, ohne ihre neu aufgelegten Aktienfonds hätten die deutschen Fondsgesellschaften in diesem profitablen Geschäftszweig 2005 höchstwahrscheinlich Nettomittelabflüsse hinnehmen müssen. In den ersten Monaten dieses Jahres hat sich der Trend fortgesetzt (siehe Grafik).

Bei aller Begeisterungsfähigkeit für Neuheiten ist dieser Hang aus Anlegersicht durchaus problematisch. Durch die fehlende Historie ist zunächst nicht die Leistungsfähigkeit des Fondsmanagements ersichtlich. Angaben zur Wertentwicklung in der Vergangenheit, die entsprechende Rückschlüsse zulassen, gibt es nicht. Fraglich ist zunächst auch, ob sich der Investmentansatz des neuen Fonds in der Praxis tatsächlich bewährt. Somit kaufen Anleger erst einmal ein Versprechen der Fondsgesellschaft auf eine erfreuliche Wertentwicklung in der Zukunft. Ein Engagement in neuen Fonds beruht also vor allem auf Vertrauen und nicht auf praktischer Erfahrung.

Rating-Modell von Feri will das Dilemma lösen

Mit einem neuen Bewertungsansatz will das Bad Homburger Fondsanalysehaus Feri dem Dilemma jetzt zu Leibe rücken. Die Rating-Tochtergesellschaft hat einen Kriterienkatalog erarbeitet, der sich für Fonds mit einer Historie von sechs Monaten und weniger ausschließlich an qualitativen Indikatoren orientiert. Die Analysten gehen dabei auf zwei Wegen vor. Zum einen schätzen sie das Wertentwicklungspotential ein, zum anderen das zu erwartende Risiko. Für das Wertentwicklungspotential wird beispielsweise die Organisationsstruktur der jeweiligen Fondsgesellschaft untersucht und die Gestaltung des Investmentprozesses hinterfragt. Bei der Risikomessung spielen unter anderem die geplante Portfoliokonstruktion und die möglichen Schwankungen, die sich aus dem Investmentprozeß ergeben, eine Rolle.

Das Bewertungsverfahren ist durchaus aufwendig, wie die erste konkrete Umsetzung am Global Property Fund der amerikanischen Fondsgesellschaft Fidelity zeigt. „Bei uns waren zwei Mitarbeiter zwei Monate mit dem Fragenkatalog beschäftigt“, blickt Andreas Kuschmann, Leiter Investmentberatung bei der deutschen Fidelity-Vertriebsgesellschaft, auf die ersten Erfahrungen zurück. Ihm sei noch kein Fragebogen vorgekommen, der so detailliert gewesen sei. Intern sei beispielsweise erklärungsbedürftig gewesen, daß Angaben zur Computer-Ausstattung abgefragt wurden. Feri begründete dies jedoch mit der Feststellung, daß zur Risikomessung auch das Risiko eines Stillstands des Fonds bei einem Zusammenbruch der Informationstechnologie gehört.

Ansatz von Feri stößt auch auf Skepsis

Immerhin hat sich für Fidelity der Aufwand gelohnt. Feri vergab an den neuen Immobilienaktienfonds die Bestnote „A“. Insgesamt umfaßt das Spektrum fünf Noten und reicht von „A“ (sehr gut) bis „E“ (schwach). Das Veröffentlichungsrecht für die Ergebnisse liegt bei den Fondsgesellschaften, die Feri mit der Bewertung beauftragen. Insofern dürften sich die schlechten Noten in der Öffentlichkeit in Grenzen halten.

Bei anderen Ratingagenturen stößt der Ansatz von Feri auf Skepsis. „Eine Einschätzung allein auf theoretischer Grundlage birgt ein hohes Risiko“, sagt Heiko Nitzsche, Fondsanalyst bei der Ratingagentur Standard & Poor's. Es müsse ein Nachweis vorhanden sein, daß sich ein Investmentansatz tatsächlich praktisch umsetzen läßt. Ähnlich äußert sich Frank Wehlmann von der Ratingagentur RCP: „Ohne einen Leistungsnachweis von mindestens einem Jahr geht eigentlich gar nichts.“ Erst dann könne man feststellen, wie das Fondsmanagement am Markt agiert und ob die Ausrichtung stimmig ist.

Bei den Fondsgesellschaften scheint der Feri-Ansatz zumindest auf grundsätzliches Interesse zu stoßen. „Es kann zu einem transparenteren Entscheidungsprozeß beitragen“, sagt Jan Goetz aus dem Produktmanagement des größten deutschen Publikumsfondsanbieters DWS. Tobias Schmidt von Feri Rating & Research spricht davon, daß man momentan mit 40 Anbietern im Gespräch sei. Immerhin wird in drei bis fünf Jahren nachprüfbar sein, ob der Bewertungsansatz von Feri für neu aufgelegte Fonds tatsächlich funktioniert. Die dortigen Analysten sind sich aber durchaus der Herausforderung bewußt, daß die Bewertung auf der dann zur Verfügung stehenden Datenbasis von der qualitativen Auswertung nicht allzu weit entfernt sein sollte.

Quelle: sfu., F.A.Z., 23.06.2006, Nr. 143 / Seite 23
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%