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Zukunftmärkte So ein MIST

 ·  Mexiko, Indonesien, Südkorea und Türkei heißen die Märkte der Zukunft. Das behauptet zumindest die Investmentbank Goldman Sachs. Schwellenländerexperten sind deutlich misstrauischer.

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© AFP Die Bevölkerung ist jung, die Staatsschulden niedrig, und die Wirtschaft boomt: Indonesien lockt Anleger aus aller Welt an

Die Sache hat schon einmal funktioniert, elf Jahre ist das jetzt her. Ausgedacht hat sie sich Jim O’Neill, damals Chefvolkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, heute in der Finanzbranche eine Berühmtheit. Bekannt gemacht hat ihn eine Abkürzung mit vier Buchstaben: BRIC. Brasilien, Russland, Indien und China seien die wichtigsten Wachstumsmärkte der Zukunft, verkündete O’Neill damals, und alle sprangen sie darauf an. Die Investmenthäuser legten einen BRIC-Fonds nach dem anderen auf, die Anleger griffen gerne zu.

Eine Erfolgsgeschichte, die viele Anlagegesellschaften gerne wiederholen würden: Seit der Erfindung von BRIC entwickeln sie stets neue griffige Kürzel, um ihre Produkte besser zu vermarkten. Die jüngste Neuschöpfung allerdings klingt im Deutschen nicht gerade vorteilhaft: MIST. Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei sind nun die Länder, denen eine goldene Zukunft vorhergesagt wird.

Ist Südkorea wirklich noch ein Schwellenland?

Zwar bestreitet Goldman Sachs, das Kürzel entwickelt zu haben. Aber O’Neill hat schon mehrfach betont, dass er den Ländern eine ähnliche Entwicklung zutraut wie den BRIC-Nationen. Erstmals unter dem Kürzel MIST hat die Nachrichtenagentur Bloomberg die vier Staaten zusammengefasst.

Viele Schwellenländerexperten sind dieses Mal jedoch deutlich misstrauischer. Sie sehen weniger Chancen und größere Risiken. Um im Bild zu bleiben: MIST ist zwar kein Mist. Aber dass die Entwicklung ebenso rasant verlaufen wird wie beim großen Vorbild, sehen viele Experten als unwahrscheinlich an. „Die BRIC-Staaten verbindet, dass sie alle über enormes Wachstumspotential verfügen“, sagt Thomas Gerhardt, Leiter Schwellenländer bei der Fondsgesellschaft Edmond de Rothschild Asset Management. „Dies gilt aber längst nicht für alle MIST-Nationen.“ Darum halte er die neue Zusammenstellung schlicht für Unsinn. Südkorea zum Beispiel sei längst kein Schwellenland mehr, sondern eigentlich ein Industriestaat.

Tatsächlich weist das asiatische Land vor allem Merkmale auf, die typisch für westliche Staaten sind: Die Bevölkerung altert, die Wachstumsraten schrumpfen - für dieses Jahr rechnen Experten mit 3,5 Prozent. Damit ist Südkorea alles andere als ein Zukunftsmarkt. Zu den Schwellenländern zählt das Land vor allem noch, weil seine Firmen eng miteinander verflochten sind und nur wenig Transparenz zulassen - ein weiteres Handicap.

Gefahr für Rückschläge ist hoch

Zweifel bestehen auch an der Türkei. Zwar wächst die Wirtschaft stark, zwar boomt die Börse, aber der Aufschwung steht auf einem brüchigen Fundament. Denn die Wirtschaft des Landes ist zu großen Teilen von ausländischen Investitionen abhängig. Die bleiben aus, sobald die Weltkonjunktur schwächelt - kein kleines Risiko.

Das heißt aber nicht, dass Investoren nun einen Bogen um alle Aktienmärkte der MIST-Länder machen müssten. Vor allem Indonesien kann es aus Sicht vieler Experten gelingen, zu den BRIC-Staaten aufzuschließen. Die Bevölkerung ist jung, die Staatsschulden niedrig, und die Wirtschaft boomt: Vor allem Investitionen in die Infrastruktur wie Straßen und Flughäfen stehen an, nach Schätzungen wird das Wachstum in diesem Jahr bei mehr als sechs Prozent liegen. Auch wegen seiner Bevölkerungsgröße kann sich Indonesien durchaus mit den BRIC-Nationen messen: Der Staat hat die vierthöchste Einwohnerzahl der Erde. Es bleiben aber Risiken. Vor allem das politische System des Landes ist fragil.

Positiv sticht derzeit auch Mexiko hervor. Das Land befindet sich nach schwierigen Jahren wieder im Aufwind, wegen der niedrigen Löhne eröffneten dort zuletzt viele internationale Firmen neue Produktionsstätten. Doch auch wenn die Börse des Landes derzeit von der guten Stimmung profitiert, ist die Gefahr für Rückschläge hoch: Mexikos Wirtschaft hängt stark von der Entwicklung in den Vereinigten Staaten ab, dort droht eine Abkühlung. Alles in allem lässt sich aber sagen: Mexiko und Indonesien zählen zu Recht zu den aussichtsreichsten Schwellenländern.

An Einzelaktien kommen Anleger meist nur schwer heran

Ob MIST oder BRIC, die Aktienmärkte nahezu aller Schwellenländer eint ein Problem: Sie muten Anlegern viel zu, weil die Kurse in der Regel deutlicher schwanken als an den großen Weltbörsen. Das kann für Investoren angenehm sein, wenn die Kurse stark ins Plus drehen wie beispielsweise im Jahr 2009. Das kann aber auch Angst machen wie nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008, als die Börsen der Schwellenländer heftiger einbrachen als die Kursbarometer in Frankfurt oder New York.

Der Grund für diese Ausschläge: Die Aktien, die an den Börsen der aufstrebenden Länder notieren, besitzen in der Regel nur eine geringe Marktkapitalisierung. Das heißt: Die Papiere lassen sich schwieriger kaufen und verkaufen. Gerade in Krisenzeiten ziehen Anleger ihr Geld aus den Schwellenländern ab, in der Folge fallen die Börsenkurse.

Anleger, die sich davon nicht abschrecken lassen, sollten wissen: An Einzelaktien aus den Schwellenländern kommen sie meist nur schwer heran. Auch das Investment in Fonds, die allein auf die neuen Hoffnungsträger setzen, lohnt oft nicht. Experten bemängeln hier, dass die Konzentration auf wenige Staaten zu riskant sei. Am besten eignen sich darum Fonds wie beispielsweise der Vontobel Emerging Markets oder der Magellan Fonds der französischen Investmentboutique Comgest, die ihr Kapital über viele Schwellenländer streuen.

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Jahrgang 1979. Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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