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Zocker-Report Zocker mögen Biotechs

07.11.2005 ·  Flaute an der Börse macht sich überall bemerkbar. Nicht nur die Indizes konsolidieren - auch bei spekulativen Werten üben sich die Anleger in Zurückhaltung.

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Im vergangenen Monat war an den deutschen Börsen recht wenig zu gewinnen. Dax, MDax, TecDax, alles konsolidierte munter. Im TecDax konnten überhaupt nur zwei Aktien Kursgewinne verzeichnen. Mit einem Plus von 1,5 Prozent waren Web.de der absolute Highflyer.

Selbst wer nicht sehr wählerisch war und im breiten Markt alles kaufte, was nicht bei Drei auf den Bäumen war, hatte nicht viel Sonne. Hatte es im September noch mehrere Papiere mit Kursgewinne von 100 Prozent und mehr gegeben, so gelang es nur drei Anteilsscheinen im Oktober über 80 Prozent Wertzuwachs hinauszukommen.

Auf ein Neues: Kimon Life Ventures

Ein Blick auf die Top-Plätze der Kursgewinner des Oktober führt indes zu einem Wiedersehen mit alten Bekannten. Auch diesmal wieder dabei ist der Top-Performer des September Kimon Life Ventures (Turn-Arounds ziehen Kurse nach oben ) - diesmal allerdings mit gegenüber 530 Prozent wie im Vormonat mit einem vergleichsweise bescheidenen Kursgewinn von 70 Prozent.

Vielleicht liegt es ja daran, daß im vergangenen Monat außer dem Kursanstieg nichts passiert ist. Also vermutet so mancher, daß etwas passieren muß. Schließlich bewegt sich ja der Kurs - und weil ja was passieren muß, muß man kaufen - das bewegt den Kurs - also muß ja was passieren - und so weiter.

Für zusätzliche Verwirrung sorgt, daß manche Programme bei Eingabe der Wertpapierkennummer die Aktie der amerikanischen Waccamaw Bank ausspucken. Manteldeal heißt die Spekulation. Doch was eine kleine amerikanische Regionalbank aus North Carolina mit einem Nasdaq-Listing und einer seit Jahren bestehenden Deutschlandnotiz mit einem insolventen, schuldenbelasteten Börsenmantel soll, darauf gibt es eigentlich keine plausible Antwort.

Wieder dabei: Mauser-Waldeck

Platz Zwei mit 208 Prozent Kursgewinn geht ebenfalls an einen bekannten, den ehemaligen Waffen- und späteren Büromöbel-Hersteller Mauser-Waldeck, die schon im August mit einem Plus von 100 Prozent auf zwei Euro aufgefallen war (Konkurs-Aktien hoch im Kurs) und jetzt schon bei neun Euro notiert. Grund: „Ist mir der Spaß wert. Macht eben mehr Spaß 'ne Aktie steigen zu sehen, wenn man welche hat, oder? Und falls da irgendwann mal was Größeres passiert ...wer weiß.“ Auch das ist eine Art zu investieren. Noch besser der Einwurf eines weiteren Diskussionsteilnehmers: „Mauser Biotech Technologies AG“. Das reichte für ein Kursplus von 50 Prozent am Montag.

Alte und neue Biotechs locken

Denn Biotech zieht wieder - auch für den absoluten Hauptgewinner, die Aktie der Trace Biotech, die es auf einen Kursgewinn von 275 Prozent brachte. Trace war im April 1999 für 18,50 Euro in den Freiverkehr gekommen. Eine Zeitlang ging alles ganz gut. Noch im April 2003 vermeldete man einen um 14 Prozent höheren Umsatz von 708.000 Euro bei einem um 34 Prozent verringerten Verlust von 955.000 Euro. Allerdings reichten die liquiden Mittel von 470.000 Euro nicht mehr lange, einen Monat später folgte der Insolvenzantrag.

Damit verschwand allerdings nur die Börsennotierung. Die „gut im Markt eingeführten Produkte“ wurden von der neu gegründeten Trace Analytics GmbH erworben, deren Geschäftsführer Wolfgang Künnecke schon Vorstand bei Trace Biotech war.

Der Kurssprung war die Reaktion auf eine Ankündigung der auf den Handel mit Börsenmänteln spezialisierten Carthago Capital, daß sie nunmehr 13,52 Prozent der Stimmrechte halte und beabsichtige, die Gesellschaft nach Durchführung eines Insolvenzplanverfahrens neu auszurichten. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 29. Dezember soll jetzt der Beschluß zur Fortführung der Gesellschaft mit einer Kapitalherabsetzung und anschließender Kapitalerhöhung sowie zur Umbenennung gefaßt werden. Wenn mal eine Mantelspekulation Hand und Fuß hatte, dann diese - immerhin mal. Und bei einem Kurs von aktuell 52 Cents hat eine kleine Beteiligung bei überschaubarem Risiko durchaus Potential. Aber nicht traurig sein, wenn es schief geht...

Nicht immer funktioniert alles

Das zeichnet sich bei der Nummer Drei schon ab. Xerius Bioscience wurde von Carthago im Juni an die Börse gebracht und wollte eigentlich in Biotech-Unternehmen investieren. Daraus wurde aber nicht viel. Nun hat die Beteiligungsgesellschaft Arques 80 Prozent der Xerius-Aktien übernommen und will damit die ihr gehörende SKW-Gruppe an die Börse bringen, die im übrigen Produkte zur Stahlveredelung vertreibt.

Da nun der Wert von SKW auf 50 bis 90 Millionen Euro geschätzt wird und die Marktkapitalisierung von Xerius bei rund fünf Millionen Euro liegt, klingt das nach einer sicheren Anlage. Nur leider steht eine Kapitalerhöhung bevor und nach dieser betrüge der Börsenwert dann über 700 Millionen Euro ergeben würde. Insofern erscheinen Kursverluste von 80 bis 90 Prozent wahrscheinlicher als weitere Gewinne. Die Aktie hat auch schon leicht konsolidiert.

Nicht alles, was sich großer Kursgewinne erfreut, muß auch gleich eine Mantelspekulation sein. Unter den Gewinnern trifft das zwar noch auf ein paar zu, so zum Beispiel auf Linodiagnostic, die nach Einberufung einer Hauptversammlung zulegen.

Ähnlich laufen die Spekulationen bei der zwar nicht insolventen, aber angeschlagenen i:fao. Das chronisch defizitäre operative Geschäft wurde in eine GmbH eingebracht und damit ist die AG nur noch eine Holding. Spekuliert wird auf einen Verkauf des Mantels. Allerdings ist das Mißtrauen bei Spekulanten gegenüber Vorstand Louis Arnitz und der Evergreen Beteiligungs GmbH groß, die derzeit insgesamt 3,6 Millionen Euro der rund elf Millionen Euro Eigenkapital ausgeliehen haben.

Der Faux-Pas der Jenoptik

Auch sehr schön ist die Spekulation um die Deutsche Effekten- und Beteiligungsgesellschaft DEWB. Diese wurde 1997 durch die Jenoptik zu 99 Prozent übernommen. Diese gab ein Pflichtübernahmeangebot von 26,51 Euro für die übrigen Aktien ab. Einigen Aktionären war das Angebot aber zu niedrig, so daß sie ein Spruchstellenverfahren anstrengten, das noch läuft.

Nun führte Jenoptik aber eine Kapitalerhöhung durch, vergaß aber dafür eine zweite Wertpapierkennnummer einzuführen. Dadurch, so argumentieren die Neuaktionäre, seien die neuen von den alten Aktien nicht mehr unterscheidbar und alle Aktien anspruchsberechtigt. Ende 2005/Anfang 2006 soll darüber der Bundesgerichtshof entscheiden. Sollte Jenoptik verlieren, müßte sich Jenoptik mit den Aktionären einigen. Dabei dürften die 26,51 Euro zumindest zur Orientierung dienen. Derzeit notiert die DEWB-Aktie bei 8,08 Euro. Zur Klärung sei gesagt, daß nach Aussagen von einigen Börsenbriefen der Aktienbesitz allein nicht ausreicht, sondern ein sogenanntes Andienungsschrieben an Jenoptik gesandt werden müsse.

Ein fast ganz normales Übernahmeangebot

Die Aktien der hessischen Möbel Walther-Gruppe trieb indes ein ganz normales Übernahmeangebot des Aufsichtsratsvorsitzenden Kurt Krieger in die Höhe. Die Krieger gehörende, vor allem im Osten Deutschlands vertretene Einrichtungshaus-Kette Möbel Höffner will die restlichen Anteile von Möbel Walther übernehmen. Krieger hält seit drei Jahren mehr als 50 Prozent an der in Gründau-Lieblos ansässigen Möbel Walther AG. Das trieb die Vorzüge auf 9,70 und die Stämme auf 15,15 Euro - übrigens weit über die gebotenen 13,80 Euro beziehungsweise 8,30 Euro hinaus. Offenbar wird darauf spekuliert, daß sich Krieger die Übernahme auch noch mehr kosten lassen wird. Optimismus war schon immer ein Charakteristikum von Börsianern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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