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Zinszertifikate Alternative zu Tages- und Festgeld

01.12.2009 ·  Zinszertifikate versprechen im Gegensatz zu Tages- und Festgeld noch ganz passable Renditen. Doch ihre Laufzeiten sind lang und das Risiko einer Insolvenz des Emittenten trägt der Anleger ganz allein.

Von Daniel Mohr
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Wer sein Geld ohne Kursrisiko anlegen möchte, muss derzeit kleine Brötchen backen. Vor einem Jahr überboten sich die Anbieter von Tagesgeldkonten noch mit immer neuen Zinssätzen und zahlten dem Anleger nach Daten der FMH Finanzberatung im Durchschnitt 3,5 Prozent Zinsen bei einem Anlagebetrag von 5000 Euro.

Heute sind es nur noch 1,3 Prozent, ein neues Jahrestief. Kein Anbieter schreibt mehr eine 3 vor das Komma, selbst nicht bei Lockangeboten für Neukunden. Lediglich die Advanzia bietet Neukunden für einen Monat einen Zinssatz von 4 Prozent, danach jedoch 1,75 Prozent.

Zertifikate haben von sinkenden Zinsen profitiert

Wenn Anleger auf die tägliche Verfügbarkeit ihres Geldes verzichten, ist die Verzinsung zudem kaum höher. Knapp 1,5 Prozent beträgt die Verzinsung nach FMH Angaben im Durchschnitt, wenn Anleger 5000 Euro für ein Jahr fest anlegen. 4,4 Prozent gab es hier noch vor einem Jahr. Seit die Zentralbanken angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise ihre Leitzinsen drastisch reduziert haben - in Europa von 4,25 auf 1 Prozent -, sind in gleichem Maße auch die Zinsangebote der Banken gesunken.

Von den Niedrigzinsen haben Zinszertifikate profitiert - relativ zumindest. Zwar sind auch deren Renditen gesunken, liegen aber deutlich über den Angeboten für Tages- und Festgeld. Dem Anleger wird die volle Rückzahlung seines angelegten Geldes zum Laufzeitende zugesichert, und er erhält eine feste Verzinsung.

Ohne Sicherheitsnetz

Während jedoch bei Tages- und Festgeldangeboten deutscher Banken eine staatliche Einlagensicherung zumindest bis zu einer Anlagesumme von 50.000 Euro greift und darüber hinaus noch Sicherungseinrichtungen von Banken und Sparkassen bestehen, ist der Anleger bei Zertifikaten im Insolvenzfall der Bank auf sich alleine gestellt.

Ihm droht in diesem Szenario der komplette Verlust seines angelegten Geldes, da Zertifikate Schuldverschreibungen sind und der Anleger damit sozusagen als Kreditgeber für den Zertifikate-Emittenten fungiert. Mittlerweile wird das Kreditausfallrisiko aller in Deutschland tätigen Häuser an den Märkten zwar noch höher als vor der Insolvenz von Lehman Brothers eingestuft, jedoch deutlich niedriger als in den Monaten nach der Lehman-Insolvenz.

Lange Laufzeiten

Das Ausfallrisiko wird dem Anleger gleichwohl mit einer höheren Verzinsung vergütet. So bietet Morgan Stanley derzeit eine Stufenzinsanleihe mit sieben Jahren Laufzeit zur Zeichnung an (Isin DE000MS0J303). Der Anleger erhält eine jährliche Verzinsung von zunächst 4 Prozent, die sich sukzessive erhöht und im siebten Jahr bis zu 4,75 Prozent betragen kann. Wie bei allen Stufenzinsanleihen gilt die Kapitalgarantie nur zum Laufzeitende. Zwischenzeitlich kann das Zertifikat, das vom 15. Dezember an täglich handelbar ist, auch weniger als die anfänglichen 100 Prozent wert sein.

Dies ist zum Beispiel bei einer Stufenzinsanleihe der Deutschen Bank der Fall, die im August begeben wurde (Isin DE000DB0WM13). Sie kostet aktuell knapp 100 Euro. Der Anleger erhält in den ersten beiden Jahren eine Verzinsung von zunächst 3,5 Prozent, die bis zum Ende der sechsjährigen Laufzeit auf 3,7 Prozent steigt. Eine Zuwachsanleihe mit sechs Jahren Laufzeit hat am Montag die West LB emittiert (Isin DE000WLB6L61). Hier erhält der Anleger zunächst eine Verzinsung von 2,8 Prozent, die bis auf 3,5 Prozent steigt. Es ist die 83. Anleihe dieser Art, die die West LB in diesem Jahr begibt.

Emittentenrisiko gering, Kursrisiko hoch geschätzt

Da die Zinsen für Tages- und Festgeld derzeit sehr niedrig sind und die Zinszertifikate eine signifikant höhere Rendite bieten als Tages- oder Festgeldkonten, erfreuen sich die Produkte großen Zulaufs. Noch vor einem Jahr betrug der Anteil der Zertifikate, die Aktien als Basiswert haben, fast 80 Prozent, Zinsprodukte nur 15 Prozent. Mittlerweile ist das Verhältnis nur noch 56 zu 40. Der Anteil kapitalgarantierter Produkte am Zertifikatemarkt ist binnen Jahresfrist von 40 auf 66 Prozent gestiegen.

Dass auch den Kapitalerhalt garantierende Produkte ein Ausfallrisiko besitzen, sei den Anlegern mittlerweile zwar bewusst, geht aus Umfragen unter Anlageberatern hervor, gleichwohl schätzten die Kunden das Risiko einer weiteren Insolvenz als gering ein. Viel wichtiger sei ihnen, dass es kein Aktienkursrisiko gebe. Selbst Zertifikate, bei denen der Anleger die Rückzahlung seines eingesetzten Kapitals garantiert bekommt, die Höhe seiner Rendite allerdings von der Entwicklung von Aktienkursen abhänge, seien nur schwer verkäuflich.

So bietet eine an diesem Dienstag emittierte Garant Cap Anleihe der Hypo Vereinsbank (Isin DE000HV5AX69) im ersten Jahr einen fixen Kupon in Höhe von 5 Prozent. Der Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit von sechs Jahren hängt dann von der Entwicklung des europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 in dieser Zeit ab. Die Rückzahlung kann zwischen 100 und 136 Prozent des Anfangsbetrages liegen.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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