02.06.2008 · Dem deutschen Zertifikatemarkt droht ein Rückschlag, falls ein Emittent ausfallen sollte. Dann erwarten vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragte Finanzmarktexperten eine massenweise Rückgabe von Zertifikaten.
Dem deutschen Zertifikatemarkt droht ein herber Rückschlag, falls ein deutscher oder ein großer ausländischer Emittent ausfallen sollte. Für diesen Fall erwarten mehr als zwei Drittel von 205 Finanzmarktexperten, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim in einer aktuellen Umfrage befragt hat, eine massenweise Rückgabe von Zertifikaten.
Kurzfristig werde die Finanzkrise selbst bei keinem Ausfall eines Emittenten einen negativen Effekt auf das ausstehende Volumen des deutschen Zertifikatemarkts haben, heißt es weiter. Nur auf Sicht von drei bis fünf Jahren werde keine Änderung des gesamten ausstehenden Volumens erwartet.
Ausfall eines Emittenten könnte zu einem herben Rückschlag führen
In den vergangenen Jahren ist der deutsche Zertifikatemarkt, in den vorwiegend Privatanleger ihr Kapital investiert haben, sehr stark gewachsen. Er hat gegenwärtig ein Volumen von etwa 130 Milliarden Euro erreicht. Diese positive Entwicklung scheint nach Ansicht der vom ZEW befragten Experten nun aber vorerst zu Ende sein. Insbesondere der Ausfall eines Emittenten könnte zu einem herben Rückschlag führen.
Denn bei einem solchen Ausfall sei es durchaus möglich, dass die Inhaber der betroffenen Zertifikate einen Totalverlust erlitten, auch wenn sie bis dahin im Plus waren. Denn Zertifikate seien rechtlich reine Schuldverschreibungen. Kann der Emittent, also der Schulner nicht mehr zahlen, erhält der Gläubiger, also der Käufer eines Zertifikates, möglicherweise weder versprochene Kupons noch das investierte Geld zurück.
Vor diesem Hintergrund gehen rund 71 Prozent der befragten Finanzmarktexperten davon aus, dass es in Deutschland zu einer massenweisen Rückgabe von Zertifikaten, einem sogenannten „Zertifikate-Run“ kommen würde, wenn ein deutscher oder ein großer ausländischer Emittent ausfiele. Die Beinahe-Pleite des sehr kleinen Zertifikateemittenten Bear Stearns habe zwar zu keiner nachhaltigen Störung des deutschen Zertifikatemarktes geführt. Trotzdem gehen mehr als zwei Drittel der befragten Finanzmarktexperten davon aus, dass die Pleite eines bedeutenden Emittenten den deutschen Zertifikatemarkt nachhaltig in Mitleidenschaft ziehen würde.
Kurzfristig dürfte sich die Kreditkrise bremsend bemerkbar machen
Auch kurzfristig und selbst bei keinem Ausfall eines bedeutenden Emittenten erwartet eine klare Mehrheit der befragten Experten einen negativen Einfluss der Subprimekrise auf das ausstehende Volumen des Zertifikatemarkts. 43 Prozent von ihnen sagen, dass die Finanzkrise keinen Einfluss auf den Zertifikatemarkt haben werde. Ledigleich ein Prozent der Analysten vertritt die Auffassung, dass der Zertifikatenmarkt von der Finanzkrise profitieren könne. „Aufgrund dieser Ergebnisse dürfte sich die Hoffnung vieler Banken zerschlagen, mit neuen Zertifikaten, die genau auf die aktuelle Finanzkrise zugeschnitten sind, bei den Privatanlegern zu punkten. Zudem müssen Banken kurzfristig mit einer verstärkten Rückgabe von bereits ausgegeben Zertifikaten rechnen“, erklärte ZEW-Finanzmarktexperte Waldemar Rotfuß.
Auf Sicht von drei bis fünf Jahren und bei keinem schweren Rückschlag auf dem Zertifikatemarkt etwa durch Ausfall eines großen Emittenten gehen die befragten Experten von keiner Änderung des gesamten ausstehenden Volumens aus. Dies bedeutee allerdings nicht, dass Teilsegmente des Zertifikatemarkts nicht wachsen oder schrumpfen könnten. So sagen die befragten Finanzmarktexperten voraus, das ausstehende Volumen von Bonus-, Discount- Index-, Outperformance-, und Garantiezertifikaten sowie Themen-/Strategie- beziehungsweise Basketzertifikaten werde leicht zunehmen. Bei klassischen Optionsscheinen, Knock-Outs und Expresszertifikaten dagegen sei ein leichter Rückgang erwartet.
Das ZEW fragte nicht danach, für wie wahrscheinlich die Befragten den Ausfall eines Emittenten halten. Möglich sei der Ausfall jedoch grundsätzlich schon, erklärte Rotfuß im Gespräch mit FAZ.NET. Er geht davon aus, dass bei der Preisfidung künftig die Bonität der Emittenten eine größere Rolle spielen wird als in der Vergangenheit. Bisher scheinen sich Anleger über deren Kreditwürdigkeit nur wenige Gedanken gemacht zu haben.
Hände weg von Zertifikaten
Stephan Rawolle (StephanRawolle)
- 02.06.2008, 15:40 Uhr
Nachdem die Subprime-Krise erst die Großen erwischt hat,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 02.06.2008, 17:43 Uhr
Jawoll Herr Rawoll(e) !
Rüdiger Noll (krn)
- 02.06.2008, 21:43 Uhr
Zertifikate sind GUT
Peter horrex (Eysel)
- 03.06.2008, 17:57 Uhr
Aber nein, Herr Eysel,
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 04.06.2008, 19:44 Uhr
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