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Zertifikatemarkt Mehr Schutzbedürfnis bei Anlegern

28.07.2009 ·  Der Kursanstieg an den Aktienmärkten wird vielen Investoren unheimlich. Die Emittenten von Derivaten stellen sich darauf ein. Vor allem Discount- und Bonus-Zertifikate sind gefragt.

Von Christian von Hiller
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Die Kursgewinne an den Aktienmärkten werden vielen Anlegern unheimlich. Um 44 Prozent liegt der Dax über seinem diesjährigen Jahrestief. Der Leitindex für Standardwerte aus dem Euro-Raum, Euro Stoxx 50, hat sich um 49 Prozent von seinem tiefsten Stand in diesem Jahr entfernt.

Auf die Sorge vieler Anleger, dieser Kursanstieg könnte überzogen sein, hat die Zertifikatebranche reagiert und stellt mittlerweile verstärkt sicherheitsorientierte Produkte in den Vordergrund. Im Juni machten Discount-Zertifikate 35 Prozent der Börsenumsätze von derivativen Wertpapieren aus, teilte der Deutsche Derivate-Verband (DDV) am Montag mit.

Bonus-Zertifikate kamen auf einen Anteil von 22 Prozent der ausgeführten Kundenorders. Kapitalschutz-Zertifikate machen knapp 9 Prozent des Volumens aus, so dass sicherheitsorientierte Zertifikate rund zwei Drittel des gesamten Handels ausmachen.

Spekulation mit Rabatt

Vielen Anlegern ist es jetzt offenbar wichtig, sich den Risiken an den Aktienmärkten nur mit einem Sicherheitsnetz auszusetzen. Wer sich gegen Kursverluste in einer bestimmten Aktie absichern will, wählt am besten ein Zertifikat auf diesen Titel. Gegen einen allgemeinen Kursverfall am deutschen Aktienmarkt schützen Zertifikate auf den Dax.

Unabhängig von der Börsenlage haben sich Discount-Zertifikate als fester Bestandteil vieler Depots etabliert. Diese „Discounter“ ermöglichen mit Rabatt eine Spekulation auf eine Aktie, einen Aktienkorb oder über einen Index auf einen Aktienmarkt. Den Discount erhalten Anleger als Ausgleich dafür, dass die Wertsteigerung, die sie im besten Fall erreichen könnten, gedeckelt ist. „Cap“ heißt diese Obergrenze im Fachjargon.

So bietet beispielsweise das Dax-Discount-Zertifikat 2000 2013 von HSBC Trinkaus (Isin: DE000TB24KM7) eine maximale Rendite von jährlich 3,94 Prozent bis zur Fälligkeit am 20. Dezember 2013. Der „Cap“ beträgt 2000 Dax-Punkte. Der maximale Ertrag beträgt insgesamt 18,48 Prozent, gleichgültig, wie stark der Dax bis kurz vor Weihnachten 2013 steigen sollte. Zur Fälligkeit erhält der Anleger den Gegenwert des Dax zurück.

Ein Discount-Zertifikat eignet sich somit in erster Linie für Anleger, die erwarten, dass der Dax in nächster Zeit nicht stark steigen, aber auch nicht spürbar fallen wird. Denn schon eine Seitwärtsbewegung des Dax genügt, um in die Gewinnzone zu kommen.

Kapitalschutz mit Tücken

Bonus-Zertifikate sind ebenfalls für Seitwärtsbewegungen und moderat fallende Märkte geeignet. Hier nimmt der Anleger - in der klassischen Form - aber auch unbegrenzt an Kursgewinnen des Basiswertes teil.

Für ängstliche Anleger sind Kapitalschutz-Zertifikate - auch Garantie-Zertifikate genannt - besser geeignet. Gleichgültig, auf welchen Stand der Dax bis zum Ende der Laufzeit fallen sollte, erhält der Anleger das eingesetzte Kapital zurück. Der Verlust beschränkt sich dann auf die Gebühren, die der Anleger beim Kauf bezahlt hat - das sind häufig rund 2 Prozent und mehr. Gleichzeitig kann er davon profitieren, wenn der Dax während der Laufzeit steigen sollte. Auch hier ist der höchstmögliche Gewinn gedeckelt.

Allerdings ist die Welt der Kapitalschutz-Zertifikate so vielfältig, dass Anleger vor einer Order das Papier eingehend studieren sollten. So gibt es Lock-in-, Safe- oder Safe-Cap-Produkte, bei denen die Kapitalgarantie unter Umständen nicht voll greift. Allein in der klassischen Variante gibt es mehr als 2000 Garantie-Zertifikate. Dazu zählt das Dax-Garantie 100% 2010/12 der Société Générale, das am 17. Dezember 2010 fällig wird. Natürlich kann der Anleger das Papier vor Ablauf der Frist verkaufen. Doch Garantie-Zertifikate sind darauf ausgerichtet, dass sie bis zur Fälligkeit gehalten werden.

Kein Schutz vor der Gegenpartei

Für optimistische, doch vorsichtige Anleger bieten sich Airbag-Zertifikate an. Diese schalten das Verlustrisiko zwar nicht völlig aus. Doch dank eines großzügigen Risikopuffers lässt es sich senken. Im Gegensatz zu anderen Teilschutzpapieren wie Bonus-Zertifikaten bietet die in die Airbag-Papiere eingebaute Sicherung auch wirklich einen nachhaltigen Schutz. Reißt das Zertifikat bis zum Laufzeitende nicht eine bestimmte Barriere, erhält der Anleger den Emissionsbetrag von in der Regel 100 Euro zurück. Fällt der Kurseinbruch stärker aus, federt der Airbag die Verluste ab. Dadurch fällt das Minus immer geringer aus als im Basiswert selbst.

Vor einem Risiko jedoch kann der Anleger bisher keinen Schutz kaufen: dass es nämlich am Laufzeitende den Emittenten des Zertifikats noch gibt. Dieses Risiko ist nicht nur theoretisch, wie die Insolvenz von Lehman Brothers gezeigt hat.

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