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Zertifikatemarkt Discount-Zertifikate: Reizvoll aber nicht ohne Risiko

01.12.2008 ·  Die Zertifikatebranche versucht nach Rückschlägen ihr Geschäft neu zu beleben. Die Werbetrommelm für Discount-Zertifikate werden gerührt. Diese Produkte mögen aufgrund der hohen Volaitlität reizvoll sein. Risikofrei sind sie jedoch nicht.

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Die Zertifikatebranche versucht ihr Geschäft neu zu beleben. In den vergangenen Wochen war es nach deutlichem Wachstum in den Jahren zuvor in Folge der Kreditkrise deutlich zurückgegangen. Nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes sank das Marktvolumen alleine im Oktober um rund zwölf Prozent.

Das sei einerseits auf die sinkenden Kurse zurückzuführen, andererseits zögen Anleger jedoch auch Gelder aus dieser Art von Produkten zurück. Vielen Investoren sei vor der Insolvenz von Lehman Brothers nicht klar gewesen, dass Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen waren, die in solchen Extremfällen wertlos werden könnten, heißt es. Dazu kommen Untersuchungen die zeigen, dass sich in den vergangenen Monaten beispielsweise Dax-Zertifikate schlechter entwickelt haben als der Index selbst.

Die Werbetrommelm für Discount-Zertifikate werden gerührt

Das hindert die Branche jedoch nicht daran, wieder kräftig die Werbetrommel zu rühren. Discountzertifikate oder Aktienanleihen eigneten sich im aktuellen Umfeld ideal zur Erzielung überdurchschnittlicher Renditen, heißt es nun beispielsweise. Sie seien defensive Anlageinstrumente, die aufgrund des hohen Volatilitätsniveaus im Moment günstig zu haben seien.

Manche Anbieter haben sich nach den bitteren Erfahrungen der Käufer von Lehmanpapieren in den vergangenen Monaten sogar Möglichkeiten einfallen lassen, mit welchen sich das Emittenten- beziehungsweise das Bonitätsrisiko des Emittenten ausschalten lasse. Solche Argumente und Maßnahmen sollen helfen, das Vertrauen der Anleger in die Instrumente wieder herzustellen.

Allerdings lenken sie nach Einschätzung kritischer Anleger von einigen grundlegenden Tatsachen ab. So sei die Absicherung gegen den Ausfall eines Emittenten nicht umsonst zu haben, sondern sie erhöhe die in den Produkten enthaltenden Gebühren, welche ohnehin nicht transparent wären. Zudem seien viele dieser Produkte in Krisenzeiten aufgrund mangelnder Liquidität schlecht zu handeln.

Andere fühlen sich von den Verkaufsargumenten hinters Licht geführt. Entgegen der von der Branche verbreiteten Ansicht seien die nun stark beworbenen Discount-Zertifikate nicht defensiv, sondern allenfalls etwas defensiver als die Basiswerte. Das zeige sich alleine schon an der Tatsache, dass Investoren in den vergangenen Monaten mit Instrumenten dieser Art massive Verluste eingefahren hätten (siehe auch: Turbulenzen legen Risiken der Zertifikate offen). Und Verluste seien eben Verluste - und nicht defensiv. Schon gar nicht in einem Marktumfeld, in welchen weitere Turbulenzen nicht ausgeschlossen seien.

Discount-Zertifikate: Reizvoll aber nicht ohne Risiko

Tatsächlich tragen Discount-Zertifikate nicht nur Kursrisiken nach unten, sondern sie beschneiden gleichzeitig auch die Ertragsmöglichkeiten: Nach oben hin ist ihre Kursentwicklung gedeckelt. Sollte es in den kommenden Monaten zu deutlichen Aufwärtsbewegungen an den Börsen kommen, so werden die Inhaber von Discount-Zertifikaten nur unterdurchschnittlich daran beteiligt.

Das mindert den Reiz dieser Produkte, auch wenn sie aufgrund der hohen Volatilität günstig aussehen mögen. Schon seit Monaten hält sich die VDax New über der Marke von 50 Prozent. Optionen bringen in diesem Umfeld hohe Prämien ein, wenn man sie verkauft. Tatsächlich ist ein Discount-Zertifikat nicht viel anderes, als der synthetische Verkauf einer Verkaufsoption. Die dafür eingenommene Prämie kann zwar zu interessanten Renditen führen. Allerdings nur, wenn man als Anleger die damit verbundenen Risiken in Kauf nimmt.

Zertifikate sind grundsätzlich nur als taktische Anlagen geeignet - und zwar nur für den Anleger, der die Entwicklung an den Finanzmärkte mit einer gewissen Verlässlichkeit abschätzen kann. So lautete der Tenor einer Studie, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zusammen mit dem Institut für Vermögensaufbau vor einiger Zeit veröffentlichte (siehe auch: Kauf von Zertifikaten setzt „seherische Qualitäten“ voraus). Stellt sich nur die Frage, ob der gemeine Privatanleger dazu in der Lage ist, nachdem selbst die Mehrheit der professionellen Marktteilnehmer nicht einmal die laufende Baisse voraussah.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder

Quelle: @cri
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