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Freitag, 10. Februar 2012
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Zertifikatemarkt Die Spreu vom Weizen trennen

03.02.2009 ·  Die Zertifikatebranche versucht nach Rückschlägen ihr Geschäft neu zu beleben. Tatsächlich sehen viele der Produkte optisch reizvoll aus. Angesichts der schlechten Erfahrungen der vergangenen Monate dürften Anleger wählerisch geworden sein.

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Das Jahr 2008 war kein gutes Jahr für die Zertifikatebranche. Viele Anleger kehrten den Produkten den Rücken. Aus guten Gründen: Die Pleite von Lehman Brothers (siehe auch: und ) brachte die zuvor weitgehend ignorierten Emittentenrisiken ins Bewusstsein, schwache Börsen ließen bei exotischen Produkten reihenweise entscheidende Kursschwellen purzeln, bei Aktienanleihen und Discount-Zertifikaten kam es in Serie zur Lieferung schwacher Aktien.

Zusammen genommen mussten viele Zertifikateanleger herbe Verluste hinnehmen, statt sich die werblich vielfach versprochenen Überrenditen gutschreiben lassen zu können (siehe auch: ). Kein Wunder, dass ihr Vertrauen stark gelitten hat. Nun soll es jedoch wieder besser werden. Zertifikateverbände, Anbieter und werbende Medien trauen sich aus der Deckung, rühren zunehmend die Trommeln und kommen mit neuen Produkten auf den Markt.

Zertifikate sehen optisch wieder attraktiv aus ...

Wer nicht noch einmal mit einer Halbierung der Aktienkurse rechne, dürfte mit der Teilabsicherung vieler neu aufgelegter Bonuszertifikate mit impliziten Wetten auf leicht fallende, gleich bleibende oder gar steigende Aktienkurse gut fahren. Werde die eingebaute Schwelle nicht gerissen, führten Bonuszahlungen am Ende der Laufzeiten zu ansehnlichen Renditen, heißt es beispielhaft. Auch Aktienanleihen seien interessant: Hohe Volatilitäten im Markt führten zu hohen Risikopuffern und gleichzeitig zu attraktiven Renditen bei Verfall, sollten sich die Märkte in etwa auf dem aktuellen Niveau halten oder leicht nach oben laufen.

Solche Argumente klingen eingängig. Immerhin gehen viele Analysten und Strategen davon aus, die Weltwirtschaft werde sich aufgrund lockerer Geldpolitiken und fiskalischer Stimulierungsprogramme in der zweiten Jahreshälfte erholen und die Börsen unter der üblichen Vorwegnahme positiver Nachrichten schon früher nach oben laufen lassen. Das Problem: Solche Prognosen kommen oft von denselben Personen, die noch vor wenigen Monaten Rezession und Baisse nicht hatten wahrhaben wollen.

Tatsächlich ist die richtige Einschätzung der Märkte und die taktische Wahl des richtigen Instruments entscheidend für den Anlageerfolg - vor allem auch beim Kauf von Zertifikaten. Das zeigt eine Studie, die die Deutsche Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger (SdK) zusammen mit dem Institut für Vermögensaufbau vor einiger Zeit veröffentlichte (siehe: ).

Die Wertentwicklung von Zertifikateindizes in den vergangenen Monaten bestätigt sie: Bonus- und Outperformancezertifikate entwickelten sich in der Baisse deutlich schlechter als der Dax-Index. Besser hielten sich dagegen Discount- und Garantiezertifikate. Allerdings lagen genau diese in der Haussephase bewegungslos wie Blei in den Depots der Anleger.

... allerdings dürften Anleger wählerisch geworden sein

Es mag vereinzelt Produkte mit guten Chance-Risiko-Kosten-Verhältnissen geben. Allerdings ist es nicht einfach, sie zu finden. Bisher werden Zertifikate oft von provisionsgetriebenen Beratern oder durch großen Marketingaufwand von Emittentenseite verkauft „Nur Anleger mir viel Erfahrung, Knowhow und noch mehr Zeit sind in der Lage, sinnvolle Produkte in dem von Banken bewusst unübersichtlich gestalteten Markt zu finden,“ erklärt zum Beispiel Petko Kostoff von der Derixx GmbH in Berlin.

Derixx bietet eine spezialisierte Suchmaschine an, die Zertifikate klassiert nach finanzmathematisch fairen Werten, nach Risiken, nach den von Emittenten verwendeten Volatilitäten, nach der wahrscheinlichste Rendite und nicht zuletzt auch nach „griechischen“ Sensitivitäten wie Delta, Gamma, Theta und Vega. Auf diese Weise lässt sich schon einmal die Spreu von Weizen trennen.

Ferner werden die Anleger künftig aufgrund der Lehmanpleite umfangreiche Informationen über die Bonität der Emittenten einholen. Da Zertifikate nichts anderes als Schuldverschreibungen sind, steht und fällt das Produkt mit dessen Zahlungsfähigkeit - unabhängig vom Erfolg im Markt.

Auch die Berichterstattung kritischer Medien kann als Orientierung dienen. Wenn bestimmte Zertifikate in kritischen Marktphasen nicht mehr handelbar sind oder nur noch zu extrem schlechten Preisen, so ist das ein Grund, sie künftig links liegen zu lassen.

Selbstveständlich spielen auch die Kosten eine Rolle. „Die meisten verkauften Produkte haben so hohe Kosten, dass ihr Chance-Risiko-Verhältnis vollkommen gestört ist. Bei jährlichen Kosten ab 3 Prozent bestehen langfristig wohl keine Chancen, das Vermögen nach Inflation zu mehren,“ erklärt die SdK in ihrem Schwarzbuch Börse 2008.

Im Gegensatz zu den Anlegern hätten die Banken mit ihren Zertifikatesparten noch bis vor kurzem glänzende Gewinne erwirtschaftet. Aufgrund laxer gesetzlicher Vorschriften konnten die Investmentbanker der Zertifikateabteilungen uninformierte Privatanleger im großen Stil mit exorbitanten Kosten in undurchschaubaren Produkten übervorteilen, heißt es weiter. Aufgrund eines einseitigen, für viele Privatanleger nicht nachvollziehbaren „Preisdiktats“ wanderte das Geld langsam aber sicher von den Anlegern in die Taschen der Emittenten, erklärt die SdK weiter.

Tatsächlich zeigen Analyseinstrumente wie Derixx, dass viele der im Markt öffentlich gehandelten, verbrieften Zertifikate zum Teil stark von den „fairen Werten“ abweichen, wie sich aus einer Montecarlo-Simulation ergeben. Geht ein risikobereiter Anleger bis Ende des Jahres von einer Seitwärtsbewegung des Marktes aus, so identifiziert Derixx eine Reihe von Discount-Zertifikaten mit breit streuendem Risiko-Ertragsspektrum als geeignete Anlagen. Die „guten“ liegen auf einer Linie, die von links unten nach rechts oben zeigt. Alle die darunter liegen sind uninteressant beziehungsweise zu teuer und sollten von Anlegern gemieden werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder

Quelle: @cri
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