09.02.2009 · Nach einem schwachen Jahr 2008 versucht die Zertifikatebranche Anleger mit einer „Transparenz-Initiative“ wieder zum Kauf ihrer Produkte zu verlocken. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger bleibt jedoch skeptisch.
Nach einem schwachen Jahr 2008 wittert die Zertifikatebranche wieder Morgenluft. Die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, fallende Notierungen an den Aktienmärkten und „die schlechte Presse“ hätten Anlegern in den vergangenen Monat zwar den Appetit auf Zertifikate vorübergehend gründlich verdorben, „aber nun kommen sie zurück“ erklärte der Deutsche Derivate Verband (DDV).
Tatsächlich kamen in den vergangenen Wochen die Emittenten vermehrt mit frischen Produkten auf den Markt. Neu aufgelegter Bonuszertifikate versprechen in Verbindung mit dem optimistischen Erwartungen ansehnliche Renditen, Aktienanleihen seien wegen der hohen Volatilitäten interessant, heißt es.
„Transparenz-Initiative“ des Deutsche Derivate Verbandes ...
„Mit der Einführung der Abgeltungsteuer können die Zertifikate ihre Stärken wieder voll ausspielen, Zertifikate sind für Anleger jetzt auch steuerlich wieder attraktiv“, erklärte Hartmut Knüppel, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Derivate Verbands. Die gleiche Besteuerung von wirtschaftlich vergleichbaren Anlageformen verhindere, dass steuerliche Überlegungen künftig bei den Investitionsentscheidungen der Anleger dominierten. Dabei waren in den vergangenen Jahren gerade die Zertifikate auf steuerliche Vorteile ausgerichtet und entsprechend beworben worden.
Grundsätzlichen Bedenken versucht man mit der so genannten „Transparenz-Initiative“ zu begegnen. Anleger sollten vor dem Kauf eines Zertifikats eine 18 Punkte umfassende Checkliste durcharbeiten, schlägt der DDV vor. Dafür hat die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) nicht viele Sympathien. Mit diesem Vorschlag werde der schwarze Peter alleine den Anlegern in die Schuhe geschoben. Sie hätten sich gefälligst in die hochkomplexen Produktgestaltungen einzuarbeiten und müssten sich mühsam über sämtliche Chancen, Risiken und Kosten der angebotenen Produkte informieren, erklärt sie enttäuscht. Zudem weigere man sich seitens der Emittenten hartnäckig, die Kostenstrukturen ihrer Produkte offenzulegen.
Ironischerweise rät die SdK Anlegern ebenfalls, beim Kauf von Zertifikaten einer Art von Checkliste zu folgen. Allerdings zu einer deutlich weiter gespannten. „Lassen Sie sich keinesfalls von einem Zertifikat zu einer Anlagestrategie verleiten,“ empfiehlt die Schutzgemeinschaft. Der Kauf von Zertifikaten sei nur dann ratsam, wenn sie zu den Anlagepräferenzen der Investoren passten und sofern sie sich nicht mit anderen, für sie günstigeren Finanzinstrumenten umsetzen ließen. Börsengehandelte Indexfonds seien bei ähnlichen Auszahlungsprofilen oft deutlich günstiger und sicherer als Zertifikate. Immerhin seien Fonds geschützte Sondervermögen, während die Rückzahlung von Zertifikaten in der Regel von der Bonität des Emittenten abhänge.
... gegen die Kritik der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger
Grundsätzlich raten die SdK-Experten, vor dem Kauf eines Zertifikats die wesentlichen Teile des Verkaufsprospekts zu lesen. Sei das Prospekt auf Anhieb nicht verständlich oder lasse es sich nicht eingängig erklären, solle man auf den Erwerb des Zertifikats verzichten, statt unbekannte Risiken einzugehen.
Entschließe sich ein Anleger tatsächlich, ein Zertifikat zu erwerben, so auf keinen Fall im Rahmen einer Zeichnung, rät die SdK weiter. Denn das Chance-Risiko-Verhältnis sei zum Zeitpunkt der Emission aufgrund hoher Kosten regelmäßig mangelhaft. Die Belastung nehme in der Regel mit zunehmender Laufzeit ab. Kostengünstige Zertifikate fänden sich daher eher unter Produkten, die schon seit mindestens einigen Monaten am Markt gehandelt würden (siehe Grafik). Frei zugängliche Bewertungsmodelle können bei der Selektion der Produkte hilfreich sein.
Allgemein sollten nur Zertifikate erworben werden, deren Wertentwicklung sich kritisch nachvollziehen lasse. Tatsächlich gebe es während der Restlaufzeit keinen Anspruch auf faire Rückkaufswerte. So müssten Anleger gegebenenfalls bis zum Laufzeitende oder einem Ausübungstermin warten, um den wirtschaftlichen Gegenwert eines Zertifikates zu erhalten. Dies könne insbesondere bei zwischenzeitlichen Schwankungen des Basiswerts oder der Volatilitäten zu hohen Verlusten führen, sollte der Anleger aus Liquiditätsgründen während der Laufzeit zum Verkauf gezwungen sein.
Gefragt seien insgesamt einfache, verständliche Produkte mit voller Kostentransparenz und fairer Preisgestaltung, erklärt die SdK zusammenfassend.
braucht kein Mensch
Alexis Schweitzer (alexisschweitzer)
- 17.02.2009, 10:20 Uhr
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