08.12.2009 · Seit Zertifikatefonds mit dem Inkrafttreten der Abgeltungsteuer ihren Steuervorteil verloren, gilt die Produktidee als überholt. Doch jetzt überlegt die Branche, ihr neues Leben einzuhauchen.
Von Christian Hiller von GärtringenAnbieter von Zertifikaten erwägen, ihre Produkte abermals in den Mantel eines Investmentfonds zu verpacken und an Anleger zu verkaufen. Die Citigroup arbeitet offenbar wieder an dieser Idee. „Ich will nicht ausschließen, dass wir in Kürze wieder etwas in der Richtung bringen“, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters am Montag den deutschen Vertriebsleiter der Citigroup, Matthias Riechert. Auch die Hypo-Vereinsbank, die zur italienischen Bankengruppe Unicredit gehört, will im Januar ein neues Zertifikat im Fondsmantel anbieten.
Die Konstruktion lehnen beide Emittenten an Garantiezertifikate an, bei denen der Anleger am Laufzeitende mindestens seinen Kapitaleinsatz zurückerhält. Die Citigroup könnte laut Riechert in Aktien aus Schwellenländern investieren, aber auch auf den Rohstoffmärkten aktiv werden. Auch Mischungen aus Edelmetallen, Aktien und Anleihen hält Riechert für attraktive Varianten.
Das Leid mit dem Steuernsparen
Zertifikatefonds hatten ihre beste Zeit in den Jahren 2007 und 2008, weil diese Konstruktion von einem Schlupfloch profitierte, das bei der Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge offen geblieben war. Mit Inkrafttreten der neuen Steuer Anfang 2009 verloren Zertifikatefonds ihren Steuervorteil. Als größter Anbieter tat sich damals Allianz Global Investors hervor. Ihr damaliger Geschäftsführer Horst Eich warb für die Produkte mit dem Argument, dass Zertifikatefonds „gerade bei wechselhaftem Börsenwetter eine ideale Ergänzung zu den klassischen Fondsprodukten darstellen“. Tatsächlich hielten nur wenige Zertifikatefonds dieses Versprechen. Seitdem galt die Produktidee als überholt. So kam dieses Jahr noch kein neuer Zertifikatefonds auf den Markt, zumal es klassische Aktienfonds gibt, die Zertifikate beimischen.
„Aber es gibt weiterhin viele eingeschworene Fondsanleger, die regelbasierte Strukturen wie bei Zertifikaten wünschen“, sagte Produktmanager Dominik Auricht von der Hypo-Vereinsbank laut Reuters. Zudem seien Finanzdienstleister eine interessante Zielgruppe, die nach dem Kreditwesengesetz (Paragraph 34c) keine Zertifikate, aber Fonds vertreiben dürfen. Doch nicht alle Emittenten ziehen mit. Merrill Lynch, 2007 nach der Hypo-Vereinsbank der zweite Anbieter strukturierter Fonds, plant keine weiteren Produkte dieser Art. „Sowohl die höheren Fixkosten als auch die längere Vorbereitungszeit für einen Fondsmantel führen momentan dazu, dass die Anleger wieder vermehrt in Richtung Zertifikate und strukturierte Anleihen tendieren“, sagte Felix Pachernegg, Leiter für strukturierte Produkte.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |