01.11.2005 · Die Volatilität an den Börsen bewegte sich in den vergangenen Jahren vom extremen Hoch zum extremen Tief und wieder zurück. Zertifikate sind allerdings nur bedingt dazu geeignet, um darauf zu spekulieren. Das zeigt ein Beispiel.
Mit massiven Sprüngen und zum Teil mit Rekordwerten reagierten die Volatilitäten an den Börsen auf die zum Teil dramatischen Kursverluste und Kurssprünge in der Baisse. Im Oktober des Jahres 2002 erreichte der VDax als Maß für die von Händlern bei der Optionsbewertung verwendeten Volatilitäten und damit als Maß für die Nervosität des Marktes ein Rekordhoch von knapp 60 Prozent.
Das heißt, Dax-Optionen waren zu diesem Zeitpunkt in ihrer Gesamtheit rund 140 Prozent teurer als in einer „normalen Marktverfassung“. Denn der VDax liegt im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre bei 24,7 Prozent. Die hohen Optionspreise an der Eurex bauten sich allerdings in den folgenden Monaten mit steigenden Kursen an den Weltbörsen nach und nach wieder ab.
Volatilität vom extremen Hoch zum extremen Tief ...
Da die Nervosität der Marktteilnehmer mit der zunehmenden Verfestigung des schließlich etablierten Aufwärtstrends immer weiter zurückging, ging der VDax in einen Abwärtstrend über und fiel bis auf ein Tief von gerade noch 10,77 Prozent im Juli des laufenden Jahres. In diesem Augenblick schienen Optionen unglaublich günstig zu und der Optimismus der Börsianer schien allgegenwärtig zu sein. Selbst die Bombenanschläge in London sorgten nur vorübergehend für eine kurze Verunsicherung.
Trotz allem mußte jedoch allen klar sein, daß auch das nur eine Ausnahmesituation sein konnte. Immerhin kehren die Volatilitäten mittel- und langfristig immer zu einem gewissen Mittelwert zurück. Die Lage schien förmlich zu einer Spekulation auf steigende Volatilitäten einzuladen. Aufgrund der Konsolidierung der vergangenen Wochen und der ausgelösten Verunsicherung hat sie denn auch ausgehend von ihrem Rekordtief im Juli tatsächlich zugelegt und liegt inzwischen knapp 60 Prozent über dem Tief.
Wer die Möglichkeit hatte, direkt auf diese Entwicklung zu setzen, dürfte davon profitiert haben. Der im September eingeführte Volatilitäts-Future an der Eurex hat zwischenzeitlich immerhin bis zu knapp 23 Prozent zugelegt. Allerdings bei extrem dünnem Umsatz.
... und wieder zurück - Vol-Zerzifikat läuft nicht mit
Wer sich dagegen auf das eine oder andere angebotene Volatilitätszertifikat verließ, dürfte unter Umständen eine herbe Enttäuschung erlebt haben. So ist beispielsweise das von Goldman Sachs im Juni emittierte Endloszertifikat auf den VDax New im Trend gefallen, obwohl der VDax inzwischen deutlich zugelegt hat - siehe Charts. Damit zeigt sich wieder einmal das Kernproblem solcher Produkte: Sie sind für den „gemeinen Anleger“ nicht einzuschätzen, da sie der Volatilitätsentwicklung nicht eins zu eins folgen.
Denn der Kurs solcher Instrumente orientiert sich aufgrund der unbegrenzten Laufzeit nicht an der aktuellen Volatilitätsentwicklung, sondern an einem komplizierten Konstrukt namens Volatilitäts-Forwardkurve. Ihre Ableitung ist noch komplexer als jene im Zinsbereich. Der Knackpunkt liegt dabei darin, daß der Markt bei unterdurchschnittlichen Volatilitäten implizit immer von einer steigenden Volatilität ausgeht. Diese Erwartung fließt natürlich in die Preisbildung solcher Produkte ein. Aus diesem Grund muß der Markt schon überdurchschnittlich nervös werden, um zu einer deutlichen Kursreaktion bei solchen Zertifikaten zu führen.
Bei hohen Vols wäre genau das Gegenteil der Fall. Aus diesem Grund sollte der Anleger beim „Spiel“ mit solchen Produkten immer auch die im Markt bestehenden Erwartungen berücksichtigen. Interessant wird es nur dann, wenn seine Meinung von der des Marktes deutlich abweicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |