16.09.2010 · Seit der Insolvenz von Lehman Brothers sind Garantie-Zertifikate stärker gefragt und dieser Trend hält tendenziell bis heute an. Wieso sich die aktuellen Marktbedingungen negativ auf die Konditionen dieser Produkte auswirken, zeigt das Analysehaus Scope in einer Studie.
Viele Anleger fühlen sich derzeit wie in einer Zwickmühle. Denn Fest- und Tagesgeld bringen kaum Renditen und der Aktienmarkt ist vielen Investoren nach den volatil und schwierig verlaufenen vergangenen Jahre zu riskant. Auf der Suche nach Schutz bei gleichzeitig besseren Renditechancen wurden deshalb in den vergangenen Jahren Garantie-Zertifikate als Alternative entdeckt. Geschätzt werden diese, weil sich damit einerseits zwar von steigenden Kursen profitiert werden lässt, andererseits Verlustrisiken aber ausgeschaltet werden können.
Doch inzwischen schlägt das Niedrigzins-Umfeld auf diese Papiere besonders durch. Eine Konsequenz daraus sind längere Laufzeiten, wie der Zertifikatespezialist Scope Analysis bei einer Analyse von neuen Zeichnungsprodukten aus diesem Bereich festgestellt hat. Beim Blick auf Garantie Capped-Zertifikaten fällt zudem auf, dass die Caps, also die Obergrenze, bis zu der ein Anleger vom Emittenten am Gewinn des Basiswerts beteiligt wird, oft relativ tief liegen. Doch wer genauer hinsieht, der sieht auch, dass die Partizipation an steigenden Kursen als Ausgleich für die gebotene Kapitalgarantie in der Regel zwischen 120 und 160 Prozent begrenzt ist. Außerdem werden auch die Laufzeiten tendenziell länger.
Niedrigzinsniveau zwingt zu Anpassungen
Nach Einschätzung von Scope dürften die Emittenten nur durch Ausweitung der Laufzeiten überhaupt noch in der Lage sein, akzeptable Renditechancen darzustellen. Und als Grund dafür wird in erster Linie das niedrige Zinsniveau genannt. Denn dies verteuert die Nullkupon-Anleihe, die Teil der Konstruktion von Garantie-Zertifikaten ist und dafür sorgt, dass der Anleger am Laufzeitende in jedem Fall seinen Kapitaleinsatz zurück erhält. Somit bleibt weniger Geld übrig, das die Konstrukteure in die enthaltenen Optionskomponenten investieren können, die eine Partizipation an steigenden Basiswert-Kursen bis zur Obergrenze ermöglichen.
Wie sehr sich die Konditionen inzwischen verschlechtert haben, zeigen die Scope-Analysten an Vergleichen von aktuellen Garantie Capped-Zertifikaten und Produkten, die vor rund einem Jahr aufgelegt wurden. Um die Vergleichbarkeit zu sichern, wurden aus schließlich Zertifikate mit dem Euro Stoxx 50 als Basiswert betrachtet. Ein Beispiel ist ein entsprechendes Produkt, das die Credit Suisse noch bis 15. Oktober zur Zeichnung anbietet (Isin DE000CS8AC76). Der Cap wird voraussichtlich bei 152 Prozent des Startniveaus fixiert. Die Laufzeit beträgt sieben Jahre und einen Monat. Vor rund einem Jahr waren derart lange Laufzeiten kaum zu finden. Sie lagen meist zwischen vier und sechs Jahren. Inzwischen sind fünf Jahre in der Regel Minimum.
Das Vergleichsprodukt vom selben Anbieter, das bereits im September 2009 emittiert wurde (Isin DE000CS8AAL5), bietet eine Partizipation bis zu einem Anstieg auf 160 Prozent des Startkurses. Noch dazu müssen Anleger vom Auflagetag gerechnet nur rund sechs Jahre warten, bis sie mindestens den Kapitaleinsatz und höchstens eine Rendite von 60 Prozent zurückbekommen. Ähnlich sieht der Vergleich zweier Produkte der Landesbank Berlin aus. Im Juli 2009 brachte sie ein Garantie Capped-Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 mit einer Laufzeit von fünf Jahren auf den Markt (Isin DE000LBB22S4). Der Cap wurde bei 144 Prozent des Startwertes festgesetzt. Am 30. September emittiert die Bank ein ähnliches Produkt (Isin DE000LBB5JP9). Die Laufzeit ist allerdings ein halbes Jahr länger, der Cap wird bereits bei 115 bis 120 Prozent fixiert.
Zwei Garantie Capped-Zertifikate bieten noch einen etwas höheren Cap
Noch deutlicher wird der Vergleich anhand zweier Produkte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auf den Euro Stoxx 50 mit einem Cap bei 130 und 131 Prozent. Das Zertifikat vom September 2009 (Isin DE000LBW4B73) wies eine Laufzeit von fünf Jahren auf. Beim Pendant (Isin DE000LB0CLD0), das am 30. August 2010 emittiert wurde, sind es sechs Jahre.
Unter den zur Zeichnung angebotenen Garantie Capped-Zertifikaten auf den Euro Stoxx 50 sind laut Scope aktuell zwei Produkte hervorzuheben, die bei einer Laufzeit von sechs Jahren noch einen Cap bei 150 und 151 Prozent vorweisen können. Diese stammen von der DZ Bank (Isin DE000AK0FFR7) und vom neuen Anbieter Macquarie Oppenheim (Isin DE000MQ22QQ2). Im Scope Rating sind diese mit je drei Sternen bewertet.
Ein besseres Rating in diesem Bereich erreicht aktuell lediglich ein Produkt auf dem Sekundärmarkt. Das Garantie Capped-Zertifikat der LBBW (Isin DE000LBW0DE2), das im August 2008 an den Markt kam, ist mit fünf Sternen im Scope Rating bewertet. Es läuft noch bis Dezember 2012, der Briefkurs beträgt aktuell 108,24 Prozent. Der Cap wurde zum Startzeitpunkt bei 160 Prozent des Euro Stoxx 50-Kurses fixiert. Damit ist eine Partizipation bis 3.888,50 Indexpunkten möglich. Bis das Renditepotenzial für den Anleger ausgeschöpft ist, darf der Index also noch knapp 40 Prozent zulegen. Auf der Risikoseite ist bei diesem Produkt zu beachten: Der Kapitalschutz bezieht sich hier nur auf 90 Prozent des Nominalbetrags.
Risikoangst kostet Geld.
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 16.09.2010, 21:20 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |