27.03.2008 · In Kuba hat sich ein historischer Machtwechsel vollzogen. Ob damit ein wirtschaftlicher Öffnungsprozess einhergeht, ist zwar nach wie vor offen. Die Société Générale bietet Interessenten mit einem Zertifikat aber schon einmal einen ersten Zugang.
Nachdem sich Fidel Castro nach fast 50 Jahren Herrschaft auf Kuba praktisch selbst abgesetzt hat und sein Bruder Raúl die Nachfolge Staatschef angetreten hat, fragen sich Anlagepioniere, wann sich der Inselstaat wirtschaftlich öffnen wird und wie sich davon dann eventuell profitieren lässt.
Da es sich bei Kuba um eine der letzten kommunistischen Bastionen weltweit handelt, sind die Zugangsmöglichkeiten für hiesige Anleger bisher sehr begrenzt. Doch da die Zertifikate-Emittenten heutzutage schnell auf alle erdenklichen potentiellen Investmentideen anspringen, ist inzwischen auch ein erster Schritt gemacht um das Anlagevakuum im Hinblick auf Kuba zu beheben. Denn die Société Générale hat als erstes Derivatehaus ein Zertifikat mit Fokus auf den karibischen Inselstaat aufgelegt.
Enormer wirtschaftlicher Nachholbedarf
Konkret wurden sogar zwei Zertifikate emittiert, wobei der Unterschied darin besteht, dass das Produkt mit der Isin DE000SG5D600 keinen Währungsschutz hat, während die Quanto-Variante mit der Isin DE000SG5D618 gegen Wechselkurseinflüsse abgesichert ist. Gemeinsam ist dagegen beiden Zertifikaten, dass der Investor nicht nur an der reinen Wertentwicklung der Aktien, sondern auch von Gewinnausschüttungen der Unternehmen profitiert. Denn 80 Prozent der Bruttodividenden werden reinvestiert. Die Verwaltungsgebühr beläuft sich jeweils auf 0,5 Prozent jährlich und der Spread zwischen An- und Verkaufskurs beträgt ein Prozent.
Der halbjährlich auf seine Zusammensetzung hin überprüfte Basiswert (SG Cuba Basket) besteht auf einem Korb mit Aktien von derzeit 16 Unternehmen, die in besonderen Wirtschafts- oder Handelsbeziehungen mit Kuba stehen und besonders vom theoretisch vorhandenen Wachstumspotenzial profitieren dürften. So partizipiert der Ölkonzern Petroleo Brasileiro durch eine Partnerschaft mit der staatlichen kubanischen Ölgesellschaft an der steigenden Erdölförderung in Kuba, der Luxushotelkette Starwood Hotels & Resorts kommt die wachsende Nachfrage nach Reisen auf die Karibikinsel zugute und der Baustoffproduzent Cemex nutzt die zunehmenden Investitionen in die kubanische Infrastruktur.
Warum Kuba als eine der letzten verbliebenen großen Investmentchancen gilt, lässt sich leicht erkennen. Schließlich hinkt der Inselstaat, auch wenn die Wirtschaft im Vorjahr um rund zehn Prozent gewachsen sein dürfte, nach fast fünf Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft wirtschaftlich gesehen arg hinterher. Deutlich wird dies an folgenden Zahlen: Der Durchschnittsverdient der Kubaner beläuft sich auf gerade einmal zehn bis 20 Dollar im Monat, lediglich zwölf unter 1.000 Kubanern haben ein Mobiltelefon und auf 1.000 Einwohner kommen nur 17 Internetnutzer.
Interessante Anlageidee mit vielen unbekannten Komponenten
Ablesen lässt sich das vorhandene Aufholpotential auch am Ergebnis des Economic Freedom of the World Report, der den Grad an wirtschaftlicher Freiheit untersucht. Im Bericht für 2008 belegt Kuba demnach den vorletzten Platz und nur in Nordkorea sind die Bedingungen noch schlechter. Sollte sich das Land öffnen, müsste massiv in die Infrastruktur investiert werden. Dank einer gut ausgebildeten Bevölkerung, vorhandenen Rohstoffen und dem touristischen Potential bringt das Land viele Pluspunkte mit, die Investoren anlocken dürften. Hinzu kommen die nicht selten schwerreichen Exil-Kubaner, die im Falle einer Wende mit ihren üppigen Finanzmitteln bereits parat stehen, um den Aufschwung anzuschieben.
Bleibt als eigentliches Problem die Frage, ob und wann es überhaupt zu einer Liberalisierung in Kuba kommen wird. Raúl Castro hat zum Amtsantritt zwar die Aufhebung einiger Wirtschaftsbeschränkungen angekündigt und kürzlich wurde auch bereits der Vertrieb von Elektroartikeln und der bisher streng staatlich kontrollierte Verkauf von kleinen Geräten für die Landwirtschaft liberalisiert. Davon unabhängig hat Raúl aber auch deutlich gemacht, dass es keine wirtschaftliche Revolution geben wird. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch, dass Fidel Castro als Generalsekretär der Kommunistischen Partei nach wie vor im Hintergrund die Strippen in der Hand hält. Solange sich in Kuba selbst nichts ändert, bleibt auch abzuwarten, ob und wann das 1962 von den Amerikanern verhängte umfassende Wirtschaftsembargo aufgehoben wird.
Wegen dieser Unsicherheiten hat sich die erste Euphorie nach dem im Februar erfolgten Machtwechsel inzwischen auch wieder gelegt. So ist die Notiz des an der Nasdaq gelisteten Herzfeld Caribbean Basin Fund, dem ersten und bislang einzigen Kuba-Fonds, der zunächst mit deutlichen Kursgewinnen reagiert hatte, mittlerweile wieder auf sein Ausgangsniveau zurückgefallen. Daran wird deutlich, dass in Sachen Geldanlagen in Kuba alles mit der Frage nach einer Öffnung des Inselstaats steht und fällt. Sollte es zu einem nachhaltigen Wandel kommen, könnten sich die neuen Zertifikate als interessant entpuppen. Bleibt dagegen eine Öffnung aus, verliert auch die Anlageidee deutlich von ihrem Charme. Zu bedenken ist außerdem, dass bei den meisten der im SG Cuba Basket enthaltenen Unternehmen der in Kuba erzielte Umsatzanteil eher gering ist. Dazu kommt auch die in beiden Fällen bis zum 18. März 2011 begrenzte Laufzeit. Wegen der offenen zeitlichen Komponenten könnte sich die Zeitbegrenzung zum eindeutiger Nachteil entwickeln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |