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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Zertifikate Mehr als 1,7 Millionen neue Produkte

 ·  Die Zertifikatebranche stellte im vergangenen Jahr abermals einen Rekord auf. Die Produktflut trifft jedoch nur auf eine verhaltene Nachfrage.

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Die Zertifikatebranche hat im Jahr 2011 mehr als 1,7 Millionen neue Zertifikate und Hebelpapiere auf den Markt gebracht. Nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) hat die Branche das Emissionstempo im vergangenen Jahr damit nochmals drastisch erhöht: Im Jahr 2010 waren knapp 800.000 neue Produkte auf den Markt gekommen, 2009 waren es 515.000 gewesen.

Die Produktflut wird begünstigt durch wenig Regulierung. In der Regel reicht ein genehmigter Rahmenprospekt, innerhalb dessen die emittierenden Banken ohne großen Aufwand auch im Tagesverlauf stets neue Zertifikate in den Handel bringen können. Kosten fallen dafür anders als zum Beispiel bei Fonds so gut wie keine an. Der Emissionsprozess ist bei vielen Banken zudem mittlerweile derart standardisiert, dass die Emission vieler tausend Produkte ohne großen Personalaufwand bewältigt werden kann.

Möglichst breite Produktpalette

Die schiere Zahl der Produkte ergibt sich durch das Bestreben etlicher Emittenten, ihren Kunden eine möglichst breite Produktpalette anbieten zu können. Diese muss alle Standardstrukturen von Zertifikaten enthalten, zum Beispiel 10, auf zumindest zwei Indizes und zum Beispiel 48 Einzelaktien. Dann soll jeweils ein möglichst breiter Fächer von Risikoabstufungen je Basiswert erfolgen, wieder seien 10 angenommen. Alleine aus diesem Beispiel ergeben sich 5000 unterschiedliche Produkte. Wird das Ganze auch spiegelbildlich für fallende Kurse angeboten, sind es schon 10.000.

Da die Kapitalmärkte jedoch nicht statisch sind, sondern sich Kurse ständig bewegen, muss die Produktpalette durch regelmäßige neue Emissionen auf einem aktuellen Stand gehalten werden. Auch hier hat sich die Frequenz deutlich erhöht. So bieten einige Banken Emissionen innerhalb eines Tages an. Hierbei handelt es sich oft um hochspekulative Produkte, die schon nach einer Bewegung des entsprechenden Aktienindex um nur wenige Promille wertlos verfallen, so dass die Bank wieder neue Produkte emittiert.

Neue Zertifikate und Hebelpapiere © F.A.Z. Neue Zertifikate und Hebelpapiere

Der Großteil der Emissionen erfolgt mittlerweile in diesem hochspekulativen Segment der Hebelpapiere. Mit 880.000 neu emittierten Knock-out-Produkten entstammen mehr als die Hälfte aller Emissionen einer Produktkategorie, bei der die Laufzeit sofort endet, wenn der Kurs des Basiswerts eine bestimmte Kursschwelle unter- oder überschritten hat. Weitere 420.000 Emissionen waren Optionsscheine, die ebenfalls hochspekulativ sind.

Auf das aus Knock-out-Papieren und Optionsscheinen bestehende Segment der Hebelpapiere entfällt zwar nur gut ein Prozent des Zertifikatemarktes und damit ein Anlagevolumen von etwas mehr als einer Milliarde Euro, jedoch rund die Hälfte der Handelsumsätze von knapp 62 Milliarden Euro im Jahr 2011. Aber auch die Emissionstätigkeit im Bereich der klassischen Anlagezertifikate hat sich im Jahr 2011 noch weiter beschleunigt. So wurden jeweils knapp 200.000 Discount- und Bonuszertifikate emittiert sowie gut 60.000 Aktienanleihen.

Schwache Entwicklung, kräftige Verluste

Einer belebten Nachfrage der Anleger nach Zertifikaten und Hebelpapieren entsprach die Emissionsflut jedoch nicht. Das Marktvolumen stagnierte im Jahresverlauf bei knapp mehr als 100 Milliarden Euro und ist damit weit von den Rekordwerten von rund 140 Milliarden Euro aus dem Jahr 2007 entfernt. Zum Nachteil gereichte der Branche die schwache Aktienmarktentwicklung vor allem im August und September, als insbesondere viele Bonuszertifikate kräftige Verluste verzeichneten.

Überdies zweifeln einige Anleger wieder verstärkt die Bonität der Zertifikate emittierenden Banken an. Die entsprechenden Risikokennziffern sind 2011 wieder deutlich gestiegen. Zertifikate werden als Schuldverschreibungen im Fall der Zahlungsunfähigkeit des Emittenten wertlos. Nach einer Umfrage des DDV ist den Anlegern bei der Auswahl des Emittenten derzeit die Bonität am wichtigsten.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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