13.10.2009 · Seit Einführung der Abgeltungsteuer ist die Frist von einem Jahr Laufzeit wenig entscheidungsrelevant. Unterjährige Laufzeiten, für die eine bessere Einschätzung der Marktlage möglich ist, sind so interessanter geworden.
Von Kerstin PaponKurz ist in. Und das gilt nicht nur in der Mode für die aktuelle Länge der Röcke, sondern auch für Zertifikate und ihre Laufzeiten. Der Hauptgrund: Marktentwicklungen lassen sich auf kurze Sicht einfach besser abschätzen. Dies gilt umso mehr in solch unsicheren Zeiten wie diesen. Im besten Fall sind auch die Renditen, die Investoren mit kurzfristigen Anlagen erzielen können, höher als die länger laufender Zertifikate.
Zu beobachten ist dieser Trend hin zu kürzeren Laufzeiten seit dem Jahreswechsel. Mit der Einführung der für alle Kapitalerträge und Kursgewinne einheitlichen Abgeltungsteuer von 25 Prozent hat sich das Anlageverhalten der Zertifikatekäufer schlagartig verändert. Denn der steuerliche Nachteil der Kurzläufer entfiel. Zuvor konnten Kursgewinne mit Zertifikaten nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr steuerfrei vereinnahmt werden. Anleger wählten daher vor allem Papiere mit längeren Laufzeiten.
Discounter fast alle unterjährig
Im Laufe des Jahres hat sich der Trend zu Kurzläufern noch verstärkt. „Inzwischen laufen 90 bis 95 Prozent der verkauften Discountzertifikate unseres Hauses kürzer als ein Jahr“, sagt Marcel Langer, Derivatespezialist der Schweizer Bank UBS. Gefragt seien in erster Linie Laufzeiten von drei bis sechs Monaten: „Durch den Wegfall der bisherigen Steuerregelung ist es nun egal, ob ein Zertifikat eine Woche oder zehn Jahre läuft. Und Anleger haben über die nächsten zwei oder drei Monate eher eine Marktmeinung als über mehrere Jahre.“
Der Trend zu Kurzläufern ist in der gesamten Branche und bei verschiedenen Zertifikatearten zu beobachten. „Besonders bei Discount- und Bonuszertifikaten sind sie gefragt“, sagt Ralph Stemper, Derivatefachmann der Commerzbank. Entscheidend sei freilich der Anlagehorizont. Und so sehe es mit Indexpapieren, die meist unbegrenzt laufen, und kapitalgarantierten Zertifikaten anders aus. Bei den spekulativen Hebelpapieren spielen Laufzeiten unter steuerlichen Gesichtspunkten von jeher keine Rolle. Überdies setzen ihre Käufer vor allem auf kurzfristige Marktbewegungen.
Vorteile der Optionsmathematik
Kurzlaufende Discountzertifikate profitieren zudem von einer Besonderheit in ihrer Konstruktion. Ihr Preis steigt mit abnehmender Restlaufzeit selbst dann, wenn sich der Basiswert nicht bewegt. Die Zertifikate bestehen unter anderem aus dem Verkauf einer Kaufoption (Call). Letztere wird durch den Zeitwertverlust immer weniger wert, das Zertifikat im Gegenzug teurer. „Allein durch diesen Effekt ist es für den Anleger theoretisch besser, zwölfmal in einem Jahr einen Discounter mit einmonatiger Laufzeit zu kaufen als einen mit einer Jahreslaufzeit“, sagt Langer (siehe Grafik).
Bei Bonuszertifikaten schlägt zum Laufzeitende der Bonuseffekt stärker zu Buche: Das Zertifikat steigt dann deutlicher im Kurs als der Basiswert. Während der Laufzeit bewegen sich beide dagegen in der Regel eins zu eins. „Bei kurzlaufenden Bonuszertifikaten ist zudem das Risiko geringer, dass der Basiswert relevante Kursschwellen berührt und der Bonus damit verfällt“, sagt Langer. Allerdings seien mit längerfristigen Bonuszertifikaten häufig höhere Renditen zu erzielen, wenn der Markt in die erwartete Richtung laufe, sagt Stemper: „Doch Anleger verzichten gern auf ein paar Prozente, bevor sie die längerfristigere Entwicklung abschätzen müssen.“
Umschichten kostet Zeit und Geld
Ein Beispiel zeigt die möglichen Renditeunterschiede: Ein Bonuszertifikat der Commerzbank auf den Euro-Stoxx-50 (Isin DE000CM0SV33) mit einer Bonusschwelle von 3050 Punkten, einer unteren Kursgrenze von 2200 Punkten und einer Laufzeit bis zum 18. März 2010 rentiert mit maximal 2,8 Prozent jährlich. Ein vergleichbares Produkt (Isin DE000CM0SV66) mit Laufzeit bis zum 17. Juni, gleicher Bonusschwelle und einer Kursgrenze von 2150 Punkten erbringt eine Rendite von bis zu 5,3 Prozent im Jahr. Der Eurostoxx-50 liegt aktuell bei 2900 Punkten.
Doch kurze Laufzeiten haben weitere Nachteile. Wählt ein Anleger immer nur solche Zertifikate, muss er häufig umschichten, wenn die Wertpapiere fällig werden. Dann muss er sich möglicherweise wieder andere, für ihn passende Zertifikate heraussuchen. Zudem fallen bei jedem Kauf und Verkauf Transaktionskosten an, die je nach Bank unterschiedlich hoch sind. Für fällige Papiere werden in der Regel keine Gebühren erhoben. Auch die Zertifikate selbst verursachen Kosten. Sogar wenn es keine expliziten Gebühren gibt, fällt die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs ins Gewicht.
Die Rolle der Dividende
Eines sollten Anleger zudem bedenken: Emittenten finanzieren den Mix aus Schutz und Rendite, wie ihn Bonus- und Discountzertifikate haben, auch aus den Dividenden der Basiswerte. „Daher fallen die Konditionen von Zertifikaten besser aus, wenn ein Dividendentermin in ihre Laufzeit fällt. Der Sicherheitspuffer ist dann in der Regel größer, die maximale Rendite höher“, sagt Langer.
Die Gesellschaften schütten ihre Dividenden meist am Tag nach der Hauptversammlung aus. Den Startschuss für die kommende Hauptversammlungssaison im Dax gibt Thyssen-Krupp im Januar. Der Großteil der Aktionärstreffen fällt in den April und Mai. Bei vielen kleineren Unternehmen stehen die Termine noch nicht fest.
Über klassische Discountzertifikate können Anleger mit einem Abschlag - einem Discount - in eine Aktie oder einen Index investieren. Sie verfügen so über ein gewisses Sicherheitspolster. Die Gewinnmöglichkeiten sind allerdings begrenzt. Sie eignen sich vor allem für seitwärts tendierende Märkte.
Bei Bonuszertifikaten erhält der Anleger bei Fälligkeit der Wertpapiere in der Regel dann einen „Bonus“, falls der Basiswert niemals während der Laufzeit eine untere Kursschwelle berührt hat. Diese Zertifikate sind eher für Anleger gedacht, die moderat steigende Kurse erwarten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |