17.06.2011 · Viele deutsche Anleger treibt die Sorge vor einer steigenden Inflation um. Auf der Suche nach Schutz bieten Zertifikate-Emittenten zahlreiche Produkte an. Bei der Auswahl muss laut Scope Analysis aber unbedingt auf die unterschiedlichen Bauarten geachtet werden.
Die Inflationsrate in der Euro-Zone ist im Mai mit plus 2,7 Prozent zwar erstmals seit knapp einem Jahr gefallen. Doch trotz des ersten Rückgangs seit August 2010 blieb die Teuerungsrate deutlich über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die EZB von stabilen Preisen spricht. Und die Europäische Zentralbank befürchtet, dass die Preise schon bald wieder anziehen könnten.
Bereits deutlich schlechter sieht die Lage in anderen Regionen aus. Die Inflation ist weltweit auf dem Vormarsch und besonders stark betroffen sind die Schwellenländer. So haben sich in Indien im Juni die Lebensmittelpreise um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöht. In China hat die Inflationsrate im Mai mit 5,5 Prozent den höchsten Stand seit knapp drei Jahren erreicht, weil sich vor allem viele Lebensmittel drastisch verteuerten. Für Juni rechnen viele Experten sogar mit einer Sechs vor dem Komma.
Selbst in Amerika kletterte die Teuerungsrate im Mai auf 3,6 Prozent. Das ist der stärkste Anstieg seit Oktober 2008. Und in Großbritannien wurden zuletzt 4,5 Prozent gemessen.
Inflationsschutz ist ein Anlagethema geworden
Geschürt wird die Angst vor einem starken Anstieg der Inflation somit inzwischen nicht mehr nur durch die lockere Geldpolitik, welche die führenden Notenbanken nach wie vor betreiben, sondern auch mit nackten Zahlen. Für Vermögende und besser Verdienende ist vor diesem Hintergrund Inflationsschutz wieder zu einem wichtigen Thema in der Vermögensanlage geworden, wie auch eine im Mai 2011 im Auftrag von MPC Capital durchgeführte Studie des Marktforschungsinstitutes YouGovPsychonomics zeigt. Demnach erwarten 69 Prozent der befragten Finanzentscheider eine Inflationsrate von zwei bis vier Prozent und 15 Prozent sogar von mehr als vier Prozent.
75 Prozent der Befragten haben bei ihrer Vermögensanlage bereits die Absicherung vor Inflationsrisiken berücksichtigt oder wollen dies tun. Eine der möglichen Optionen zur Absicherung stellen dabei inflationsindexierte Anleihen dar. Bis zum Jahr 2000 waren diese inflationsindexierte Anleihen in Deutschland zwar verboten, doch inzwischen gibt es davon reichlich. Alleine von den 202 Zertifikaten in Zeichnung, welche die Zertifikate-Experten von Scope Analysis aktuell erfassen, versprechen 24 Papiere einen Inflationsschutz.
Als Basiswert für diese wird meist der harmonisierte Verbraucherpreisindex innerhalb der Eurozone ohne Tabak verwendet. Er wird vom Statistikamt Eurostat auf monatlicher Basis veröffentlich. Steigt der Index, fallen die Kuponzahlungen, die die Zertifikate versprechchen, höher aus. Abgesehen davon unterscheiden sich die Zertifikate in ihrer Funktionsweise leicht. Drei Gruppen sind laut Scope Analysis auszumachen: Papiere mit Hebel, andere mit einer Sockelrendite und solche mit Mindest- und Maximalkupon.
Beispiele für verschiedene Inflationsschutz-Anleihen
Bei einem Zertifikat der Société Générale (ISIN: DE000SG2AZ92), das bis 8. Juli zur Zeichnung aufliegt, wird die Inflationsrate jährlich mit dem Faktor 1,4 multipliziert, um die Kuponhöhe zu berechnen. Solche Anleihen mit Hebel sind besonders für Anleger geeignet, die eine starke Inflation erwarten. Eine Sockelrendite von 1,0 Prozent p.a. ist dem Anleger dagegen mit dem Produkt der Landesbank Berlin sicher (ISIN: DE000LBB5P39). Hinzuaddiert wird noch die Inflationsrate des jeweiligen Jahres. Mit dieser Konstruktion sind solche Anleger angesprochen, die sich auch für den Fall absichern möchten, dass ihr erwartetes Inflationsszenario nicht eintritt. Eine Mini-Rendite ist auch dann sicher.
Ähnlich verhält es sich bei der dritten Kategorie, die neben einem Mindest- auch meist einen Maximalkupon vorsieht. Hierzu zählt der Inflationsfloater der Landesbank Berlin (ISIN: DE000LBB5P96). Die Kuponhöhe orientiert sich jährlich (bis Juni 2016) an der Inflationsrate, beträgt aber mindestens 2,8 und maximal 5 Prozent. Das Problem: Durch den Cap ist kein voller Inflationsschutz gegeben. Und bei stagnierenden Inflationsraten ist nicht unwahrscheinlich, dass auch der Zinssatz bei Tagesgeldkonten auf 2,8 Prozent steigt. In diesem Fall ergäbe sich ein sehr moderater Inflationstunnel zwischen 2,8 und 5 Prozent, in dem der Anleger vor realem Kaufkraftverlust annähernd geschützt ist.
Diesen Missstand eliminieren Produkte ohne Cap. Aktuell bietet Morgan Stanley eine Inflationsanleihe, die im ersten Jahr eine Fix-Zahlung von 3,6 Prozent vorsieht und sich in den Folgejahren nach der Inflation richtet, wobei 3,6 Prozent dann als Mindestkupon festgelegt ist.
Bonität spielt wichtige Rolle bei der Rückzahlung
Die attraktiveren Konditionen werden in der Regel dann möglich, wenn der Emittent eine im Vergleich niedrigere Bonität aufweist. Denn Anleger gehen dann auch höhere Risiken ein. Schließlich sind Zertifikate im Insolvenzfall nicht geschützt. Credit Spreads geben Aufschluss darauf, wie der Markt die Bonität eines Unternehmens einschätzt. Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass der Spread der dreijährigen CDS bei Morgan Stanley mit aktuell 106 Basispunkten nur leicht über dem Mittelwert aller Emittenten (102) liegt.
Auch bei inflationsindexierten Bundesanleihen spielt die Bonität eine wichtige Rolle für die Rückzahlung. Jedoch beträgt der CDS-Wert für Deutschland lediglich 19 Basispunkte. Im Gegenzug sind bei Bundesanleihen keine Extras wie Mindestkupons oder Sockelrenditen vorgesehen, wie Scope Analysis in einer Studie zu dem Thema ausführt.
Jedoch bieten diese einen anderen Vorteil: Der Nominalbetrag steigt mit der Inflation. Dies ist eine Schwäche vieler Inflations-Zertifikate. Die Zinszahlung richtet sich hier zwar jährlich nach dem aktuellen Inflationsniveau, jedoch bleibt der Nominalbetrag unverändert bei beispielsweise 100 Euro und die über die Jahre angesammelten Kupons bleiben unverzinst.
Ein Beispiel verdeutlicht den Zinseszinseffekt: Eine Inflation von 5 Prozent führt nach fünf Jahren zu einem Preisanstieg von insgesamt 27,6 Prozent, da der Bezugswert nach dem ersten Jahr nicht mehr 100 beträgt, sondern 105 und so weiter. Mit einem entsprechenden Zertifikat hätte der Anleger aber nach fünf Jahren lediglich 25 Prozent bzw. 25 Euro erhalten (fünfmal 5 Prozent von 100 Euro). Ohne Wiederanlage des Kupons entsteht also ein realer Verlust von 2,6 Prozent, wie die Scope-Experten vorrechnen. Lediglich Produkte, die die Inflation hebeln, können dies oft ausgleichen.
Morgan Stanley mit einem neuen Zertifikat
Anders macht es nun ein neues Zertifikat, das ebenfalls von Morgan Stanley begeben wurde (ISIN: DE000MS0KA73). Wie bei den Bundesanleihen steigt auch hier der Nominalbetrag und jährlich wird ein Kupon von 1,5 Prozent gezahlt, der sich nicht auf die Ausgangsbasis von 100 bezieht, sondern auf den um die Inflationsrate bereinigten Wert. Bei einer Inflation von konstanten 4 Prozent betrüge der Kupon damit 1,56 Prozent im ersten Jahr und würde bis zum fünften Jahr auf 1,82 Prozent ansteigen. Am Ende kämen zudem anstelle des Nominalbetrags von 100 Euro 121,66 Euro zur Auszahlung. Daraus errechnet sich eine Gesamtrendite von 28,1 Prozent bzw. 5,1 Prozent p.a.
Eine inflationsindexierte Bundesanleihe mit vergleichbarer Restlaufzeit bietet laut Scope Analysis ähnliche Konditionen (ISIN: DE0001030500). Die schwächere Bonität Morgan Stanleys gegenüber derjenigen der Bundesrepublik wird somit nicht ausgeglichen. Allerdings hinkt der Vergleich leicht, da sich die Bundesanleihe auf die Inflation in Deutschland, die Anleihe von Morgan Stanley auf diejenige der Eurozone bezieht, die in der Vergangenheit meist höher ausfiel.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |