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Zertifikate Gewinnen, wenn die Aktienkurse fallen

15.01.2008 ·  Tragen Zertifikate den Namenszusatz „Short“ oder „Reverse“, so sollen sie bei sinkenden Kursen eine positive Rendite bringen. Die Auswahl ist groß.

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Wenn der Dax fällt, sorgt dies meist für rote Vorzeichen in den Depots der Aktionäre. Dies muss jedoch nicht so sein. Wer langfristig mit fallenden Kursen rechnet oder sein Depot gegen Verluste absichern möchte, kann in Short- oder Reverse-Zertifikate investieren.

Im einfachsten Fall kauft er ein Zertifikat auf den Short-Dax. Dieser Index entwickelt sich spiegelbildlich zum Dax. An Tagen, an denen der Dax um ein Prozent nachgibt, gewinnt der Short-Dax ein Prozent und umgekehrt. Das Zertifikat entwickelt sich so wie der Short-Dax.

Einfachere Wege...

Den Short-Dax gibt es seit Februar 2007, das erste Zertifikat auf den Index legte die Société Générale im März auf (Isin DE000SG3G269). Eine gelungene Geldanlage war dies bislang jedoch nicht. Das Zertifikat fiel von 67 auf nun knapp 60 Euro, der Dax legte in der Zeit von 6713 auf nun rund 7750 Punkte zu. Seit Jahresanfang konnte das Zertifikat jedoch 4 Prozent an Wert gewinnen, weil der Dax um 4 Prozent nachgab.

Erfolgreicher war die Geldanlage auf die Short-Version des europäischen Teilindex Stocks Banken. Die Kreditkrise hat zu erheblichen Kursrückgängen der Bankaktien geführt. Wer das erwartet hat, konnte mit dem Zertifikat der Société Générale (Isin DE000SG0H313) auf den Short-Index gewinnen. Seit der Auflage im Oktober zu knapp 24 Euro stieg der Wert des Zertifikats auf nun knapp 30 Euro.

Short-Zertifikate gibt es auch auf die meisten Aktien aus dem Dax. So bietet Goldman Sachs auf 28 der 30 Dax-Titel Short-Zertifikate an. Auch hier profitiert der Anleger mit einem Kursgewinn des Zertifikats von einem Prozent, wenn die zugrundeliegende Aktie um ein Prozent fällt.

...oder kompliziertere

Wem die Eins-zu-eins-Partizipation zu riskant erscheint - schließlich könnte die Aktie entgegen der eigenen Erwartung auch steigen und das Short-Zertifikat demnach fallen -, wird von der Zertifikatebranche mit gewohnt vielfältigen Alternativen versorgt. So gibt es die Short-Variante analog zu den „normalen“ Zertifikaten auch mit einer Bonusstruktur.

Wenn die dem Zertifikat zugrundeliegende Aktie steigt, verliert der Käufer des Short-Zertifikats nicht automatisch. Bis zu einer bestimmten Schwelle ist der Kursanstieg egal, der Anleger bekommt einen Betrag (Bonus) zugesichert. Steigt die Aktie jedoch über die Schwelle, geht der Bonus verloren.

Heftige Verluste, gute Gewinne...

So haben von fünf Reverse-Protect-Bonus-Zertifikaten von Sal. Oppenheim auf die Aktien der Deutschen Börse vier ihre Bonusschwelle bereits überschritten. Die Aktie der Deutschen Börse war der stärkste Wert im Dax im Jahr 2007. Wer hier auf fallende Kurse spekuliert hat, musste deutliche Verluste verkraften.

Selbst das Zertifikat, das die Bonusschwelle (hier bei 149,25 Euro) noch nicht überschritten hat, notiert seit seiner Emission im Oktober rund 20 Prozent im Minus. Fällig wird das Zertifikat im März 2009. Wer erwartet, dass die Aktie der Deutschen Börse die Bonusschwelle nicht überschreitet (aktueller Börsenkurs: 127 Euro) bekommt für das Zertifikat mindestens 116 Euro ausgezahlt. Der aktuelle Wert des Zertifikats von 77 Euro spiegelt derzeit andere Markterwartungen.

Sehr viel erfolgreicher war hingegen der Kauf der Reverse-Protect-Bonus-Zertifikate auf die Aktien von Infineon. Der schlechteste Wert im Dax im Jahr 2007 bescherte den Zertifikatekäufern innerhalb weniger Monate Gewinne von mehr als 30 Prozent.

... und große Hebel

Wem das nicht reicht, der kann sich den spekulativen Hebelprodukten zuwenden. Mit einem kleinen Betrag kann hier dank der Hebelwirkung entweder ein großer Gewinn gemacht werden oder der kleine Betrag verlorengehen.

So legte ABN Amro am Freitag ein Mini-Short-Zertifikat auf die Aktien der Deutschen Börse auf (Isin NL0006154726). Zum Unglück der Anleger stieg der Aktienkurs des Börsenbetreibers am Freitag und Montag um mehr als 6 Prozent. Das Mini-Short-Zertifikat ist daher am Montag bereits nur noch knapp 1,60 Euro wert - nach einer Emission zu 2,70 Euro ein schneller Wertverlust.

Da es sich um ein Knock-out-Papier handelt, würde es bei einem Anstieg des Aktienkurses der Deutschen Börse auf 131,80 Euro aus dem Handel genommen. Der Anleger erhielte dann immerhin noch gut einen Euro je Zertifikat. Fiele der Kurs der Aktie hingegen in den nächsten Wochen um 10 Prozent, gewänne das spekulative Hebelpapier rund 80 Prozent an Wert.

Quelle: F.A.Z., 15.01.2008, Nr. 12 / Seite 21
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