05.06.2008 · In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Zertifikate und Hebelprodukte auf weit mehr als 330.000 erhöht. Ein vom Deutschen Derivate Verband initiiertes Rating soll nun die Transparenz im unübersichtlichen Markt erhöhen. Für die Anleger wäre dies begrüßenswert.
Von Daniel MohrDie Privatanleger können beim Kauf von Zertifikaten nun ein weiteres Rating zur Hilfe nehmen. Das vom Deutschen Derivate Verband (DDV) initiierte Rating wird von der European Derivatives Group (EDG) ermittelt und schon auf einigen Internetseiten verwendet.
Oberstes Ziel sei es, die Markttransparenz zu erhöhen und den Auswahlprozess der für den Anleger geeigneten Zertifikate zu erleichtern, sagte Lutz Johanning, Inhaber des Lehrstuhls für empirische Kapitalmarktforschung an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU) in Vallendar, bei der Vorstellung des Ratings. Johanning ist für die Entwicklung des neuen Ratings verantwortlich. „Wir begegnen mit dem Rating der Kritik am Zertifikatemarkt, was die hohe Zahl der Produkte und den Mangel an Transparenz und Vergleichbarkeit der Produkte angeht“, sagte Johanning.
Völlig unabhängig von den Interessen
In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Zertifikate und Hebelprodukte durch eine Flut von täglich mehreren Hundert neuer Produkte auf mittlerweile weit mehr als 330.000 erhöht. Das Marktvolumen in Zertifikaten ist nunmehr auf rund 130 Milliarden Euro gestiegen. Angesichts der Menge und der Vielfalt der Produkte wurde es für Privatanleger nahezu unmöglich, einen Marktüberblick zu behalten. Die oft komplizierte Strukturierung der Produkte machte es zudem für die Anleger schwer, die Qualität der Zertifikate einzuschätzen.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Unternehmen, die ein Zertifikaterating anbieten oder dies planen. Das nun von der EDG entwickelte Rating basiert auf der Bereitschaft der Emittenten der Zertifikate, ihre Produkte bewerten zu lassen und dafür auch zu bezahlen. Die EDG sieht sich dennoch völlig unabhängig von den Interessen der Emittenten.
Bewertung von null bis fünf Sterne
Zu Beginn umfasst das Rating die Produkte der ABN Amro, von BNP Paribas, der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, von Goldman Sachs, von Sal. Oppenheim und der WGZ Bank. Die DZ Bank und die West LB hätten ihre künftige Teilnahme fest zugesagt, die Hypo Vereinsbank und die Landesbank Baden-Württemberg hätten großes Interesse signalisiert, sagte Johanning. Es werde bereits rund ein Drittel aller Produkte abgedeckt und mehr als 70 Prozent des Marktvolumens, sagte Philipp Henrich, Geschäftsführer der für dieses Projekt gegründeten EDG.
Wesentliches Kriterium für die Einschätzung der Zertifikate ist deren Preisstellung. „Es gibt keinen fairen Preis für ein Produkt“, sagt Henrich. „Wir haben daher Gruppen ähnlicher Produkte gebildet und daraus eine Benchmark entwickelt.“ Mit diesem Maßstab werden alle Produkte verglichen und entsprechend bewertet. Für Produkte, bei denen es keine vergleichbaren Zertifikate gibt, wird auch kein Rating ermittelt. Weitere Kriterien zur Bewertung der Zertifikate sind die Handelsqualität der Produkte, die Bonität des Emittenten und die Zugänglichkeit von Informationen über die Produkte für die Anleger. Die Produkte bekommen anhand der Kriterien eine Bewertung von null (nicht geeignet) bis fünf Sterne (sehr gut).
„Wir begrüßen weitere Ratings“
In einem weiteren Schritt wird eine Risiko-Nutzen-Einstufung der Produkte vorgenommen. Der Anleger findet so neben der Benotung des Produkts eine Einstufung, ob es eher für den sicherheitsorientierten, den risikobereiten oder den spekulativen Anleger geeignet ist. Die bisher 100.000 bewerteten Zertifikate und Hebelpapiere werden in der jeweils geeigneten Risikoklasse zu rund 10 Prozent für sehr gut befunden, zu rund 30 Prozent für gut, zu etwa 40 Prozent für durchschnittlich, zu rund 15 Prozent für unterdurchschnittlich und zu 5 Prozent für kaum geeignet.
Das bisher umfassendste Rating bietet Scope Analysis. „Wir begrüßen weitere Ratings im Zertifikatebereich“, sagt Claudia Vogl-Mühlhaus, Mitglied der Geschäftsleitung von Scope. „Wenn sie sinnvoll sind, können sie helfen, die Transparenz auf dem Markt zu verbessern und die Produktqualität zu erhöhen.“ Scope bietet mit einer Marktabdeckung von 90 Prozent des Anlagevolumens auf seiner Internetseite scope-zertifikate.de die Einschätzung von Zertifikaten aller Emittenten. Die Finanzierung des Ratings erfolgt durch kostenpflichtige Teile des Internetangebots für institutionelle Anleger.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |