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Zertifikate Die Branche gewinnt Anleger zurück

20.10.2009 ·  Auch wenn die Zertifikatebranche einfachere Produkte anbietet und diese gefragter sind, erleiden Investoren immer noch häufig Verluste, weil sie nur mangelhaft aufgeklärt werden. Gute Finanzkenntnisse sind beim Zertifikatekauf unerlässlich.

Von Christian Hiller von Gaertringen
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Ein Jahr nach der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers sieht die deutsche Zertifikatebranche wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Im September 2007 hatte die Branche ein Rekordanlagevolumen von 139 Milliarden Euro vermeldet. Im Zuge der Lehman-Insolvenz brach der Markt im Februar dieses Jahres auf bis zu 78 Milliarden Euro ein, schätzte der Deutsche Derivate-Verband. Ihm gehören 14 Emittenten an, damit hat er einen unmittelbaren Überblick über 85 Prozent des Marktes. Nun ist das Volumen wieder auf 95 Milliarden Euro gestiegen. Damit hat der Zertifikatemarkt einen Bruchteil des verlorengegangenen Geschäfts aufgeholt.

Offenbar machte die Branche den Reputationsverlust, den sie durch die Lehman-Insolvenz erlitt, zum Teil wett. „Die Entwicklung zeigt, dass Emittenten verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate-Verbands. „Alle Marktteilnehmer haben aus der Insolvenz gelernt und ihre Hausaufgaben gemacht.“

Unfaire Produkte, agrressiver Vertrieb

Lehman trat sehr aggressiv auf und vertrieb seine Zertifikate zum Beispiel über die Hamburger Sparkasse oder die Frankfurter Sparkasse. Tausende Kunden wurden so durch den Fall von Lehman geschädigt. Doch Lehman war nicht die einzige Belastung für die Branche. Andere Emittenten warfen Produkte auf den Markt, die so unfair gerechnet waren, dass der Anleger keine reelle Gewinnchance hatte. Gleichzeitig war die Konstruktion so komplex, dass sie selbst mit tiefgehenden finanzmathematischen Kenntnissen nicht verständlich war.

Häufig verlieren Anleger auch mit normalen Zertifikatekonstruktionen Geld. So erlitten viele Anleger in den vergangenen Monaten mit Bonuszertifikaten Verluste, weil sich die Kurse an den Finanzmärkten nicht in die erhoffte Richtung entwickelten, beobachtete der Bremer Anlegeranwalt Eberhard Ahr. Bonuszertifikate sind für unerfahrene Anleger vertrackt, weil sie sowohl den Bonuslevel als auch die Barriere beachten müssen.

Der Käufer eines solchen Zertifikats gewinnt, wenn der Basiswert - das kann ein Index wie der Dax sein oder eine Aktie - im Kurs steigt. Notiert der Basiswert zur Fälligkeit unterhalb des Bonuslevels, aber oberhalb der Barriere, erhält der Anleger den Bonuslevel ausgezahlt. Fällt der Basiswert während der Laufzeit unter die Barriere, wird der Bonusmechanismus außer Kraft gesetzt, und der Anleger erleidet einen Verlust, entsprechend dem Verfall des Basiswerts zum Laufzeitende.

Die neue Einfachheit

„Viele dieser Verluste wären zu vermeiden gewesen, wenn die Anleger vor dem Kauf richtig darüber aufgeklärt worden wären, was Zertifikate überhaupt sind und welche Risiken darin liegen“, sagt Ahr. Es falle schwer, die Verantwortlichen für Falschberatungen juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. Um den Verlauf einer Beratung in der Bank besser belegen zu können, lautet ein gängiger Rat von Anlegeranwälten, einen Zeugen zu dem Gespräch mitzunehmen.

„Viele Emittenten bieten ihren Kunden Produkte mit einfacheren Strukturen an, und die Anleger kaufen nichts mehr, was sie nicht verstehen“, stellt Brandau fest. Immerhin ist ein Trend zu einfacheren Konstruktionen zu beobachten. Kapitalschutzzertifikate, Discountzertifikate und Bonuszertifikate machen zusammen gut drei Viertel des Marktvolumens aus.

Bei Kapitalschutzzertifikaten, auch Garantiezertifikate genannt, garantiert der Emittent, dass der Anleger am Laufzeitende mindestens seinen Kapitaleinsatz zurückerhält. Bei Discount-Zertifikaten ist das Risiko im Vergleich zu einem Investment in den Basiswert begrenzt. Gleichzeitig ist auch der mögliche Gewinn gedeckelt.

Die Lust am Bonus

Vor allem die Nachfrage nach Bonuszertifikaten ist ein Indiz dafür, dass Anleger wieder höhere Risiken eingehen. So brachte die französische Bank Société Générale am Montag eine Reihe von Bonuszertifikaten auf internationale Aktienindizes auf den deutschen Markt. „Bonuszertifikate erfreuen sich nach wie vor hoher Nachfrage“, meint Sebastian Bleser, Zertifikateexperte bei der Société Générale.

Heute sind die Vertreter der Branche vorsichtiger geworden. Der Rat lautet unisono, dass Anleger nur Produkte wählen sollten, die sie auch verstehen. Dazu sollten sie beispielsweise verschiedene Szenarien in der Entwicklung des Basiswerts nachrechnen, um die Struktur besser zu verstehen. Der Derivate-Verband entwickelte auch die Risiko-Maßzahl „Value at Risk“. Sie gibt das Verlustrisiko anhand historischer Kursverläufe wieder.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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