18.07.2011 · Wegen der zahlreichen Krisen im Umfeld suchen viele Anleger nach Sicherheit bei der Anleger. Diesen Wunsch scheinen Garantie-Zertifikate zu erfüllen. Aber auch hier gibt es laut den Experten von Scope Analysis gewisse Risiken.
Nicht zuletzt die Schuldenkrise sorgt dafür, dass die meisten Investoren bei der Geldanlage vor allem nach Sicherheit suchen. Neben Gold, das traditionell als Hort der Sicherheit gilt, profitieren von dieser Geisteshaltung die so genannten Garantie-Zertifikate. Denn wie der Name schon sagt, wird bei diesen Produkten der Kapitaleinsatz des Investors garantiert. Zumindest wenn man den jeweiligen Titel bis zur Endfälligkeit hält.
Vor viele verschreckte Anleger klingt das lukrativ. Denn wer sich schon einmal die Finger verbrannt und Geld verloren hat, der setzt in der Regel künftig noch mehr auf Sicherheit. Das Wissen natürlich auch die Emittenten und deshalb überrascht es nicht, dass derzeit jedes zweite neu aufgelegte Zertifikat über einen Kapitalschutz verfügt.
Allerdings sollten sich die Anleger von dem Kapitalschutzversprechen nicht blenden lassen, warnt Sasa Perovic. Denn auch mit diesen Produkten sind nur Gewinne möglich, wenn die jeweilige Strategie aufgeht. Um dies einschätzen zu können, müssen sowohl Basiswert als auch Struktur genau betrachtet werden. Hier lauern Risiken, die nicht immer sofort ersichtlich sind, gibt der Zertifikate-Experte der auf das Bewerten von Zertifikaten, ETFs sowie von Offenen und Geschlossenen Fonds fokussierten Ratingagentur Scope Analysis zu bedenken.
Struktur und Basiswert des Zertifikats beachten
Laut Perovic geht es dabei nicht nur um das Emittenten-Risiko, dem alle Zertifkate-Investoren bei einer Insolvenz des Emittenten ausgesetzt sind. Vielmehr gehe es darum sich auch über Struktur und Basiswert des Zertifikats genau zu informieren. Zumal bei kaum einer anderen Zertifikate-Kategorie so vielfältige Spielarten am Markt zu finden sind. So sei zu bedenken, dass es bei einem Nichtaufgehen der Strategie am Ende der Laufzeit zwar den Nominalbetrag zurückgibt, das beim Einstieg gezahlte Agio ist jedoch verloren und das eingesetzte Kapital bleibt nicht nur unverzinst, sondern kann durch Inflation sogar an realem Wert verlieren, erklärt Perovic.
Nicht gelohnt hat sich für Anleger beispielsweise die Fix & Win Alpha Anleihe III (Isin DE000JPM12G1) von J.P.Morgan, die nach über drei Jahren Laufzeit in der letzten Woche fällig wurde. Die Hälfte des eingesetzten Kapitals erhielten Anleger bereits nach einem Jahr mit 6 Prozent Zinsen zurück. Unter Berücksichtigung des Agios (2 Prozent des Nominalbetrags) bleibt auch für diese Zeitspanne allerdings nur ein Mini-Zins von 1,02 Prozent p.a. übrig. Die Rückzahlung des restlichen Kapitals war an die relative Stärke des DivDax gegenüber dem Dax gekoppelt.
Dass im DivDax diejenigen Dax-Titel gebündelt sind, die die höchste Dividendenrendite aufweisen, scheint dabei für diesen zu sprechen. Doch werden die hohen Ausschüttungen dem Index gar nicht angerechnet, da es sich anders als beim Dax um einen reinen Kursindex handelt. Ein ungleiches Rennen also, das Anlegern der Fix & Win-Anleihe einen Strich durch die Rechnung machte. Selbst ein gewährter Puffer von zehn Prozent genügte nicht, um zu einer positiven Performance zu verhelfen. Damit blieb die zweite Hälfte des eingesetzten Nominals gänzlich ertraglos, schreibt Perovic in einer Kurzstudie zu dem Thema.
Besonderheiten von Rohstoff-Indizes beachten
Eine Unterscheidung von Indizes nach Dividendenanrechnung gibt es bei Rohstoff-Barometern nicht. Denn anders als bei Aktien fallen bei Rohstoffen wie Gold, Rohöl oder Weizen keine Dividenden an. Dennoch existieren oftmals unterschiedliche Index-Varianten. Die Hauptunterscheidung ergibt sich aus der Frage, ob Zinsen reinvestiert werden (Total Return) oder nicht (Excess Return). Denn für die Konstruktion von Rohstoff-Indizes werden Futures eingesetzt. Dabei muss der Wert einer Position nicht sofort vollständig mit Sicherheiten hinterlegt werden. Bei Total Return-Indizes wird das restliche Kapital deshalb verzinst und der Ertrag reinvestiert.
In Zeiten hoher Zinsen erreichen Total Return-Indizes deshalb oftmals eine signifikant bessere Performance als Excess Return-Benchmarks. In der Liste der Zeichnungsprodukte befinden sich aktuell zwei Garantie Capped-Zertifikate, die sich auf Excess Return-Indizes beziehen: Der IndexKlassik Garant 6 der DZ BANK (Isin DE000AK0AXH2) mit dem Dow Jones-UBS Commodity Index Excess Return als Underlying und der Agrarrohstoff Garant der österreichischen Volksbank AG (Isin AT000B114426).
Für Zertifikate, die das Einzelaktienrisiko reduzieren sollen, werden in der Regel Indizes als Basiswert genutzt. Doch ist vor allem in jüngster Zeit auch eine verstärkte Emission von Produkten zu beobachten, die Fonds abbilden. Was Anleger hier bedenken sollten: Mit solchen Investments gehen sie automatisch ein Manager-Risiko ein. Die Entwicklung des Basiswerts hängt nicht nur von Marktvorgaben ab, sondern auch vom Können des Managements. Ein Beispiel aus den aktuellen Zeichnungsprodukten kommt von der WestLB, die ein Garantie-Zertifikat auf den Ethna-AKTIV E Investmentfonds aufgelegt hat (Isin DE000WLB3NN6).
Risiko steigt mit Diversifikation
Während es bei Indizes und Aktienfonds positiv zu bewerten ist, dass nicht nur eine Aktie über Erfolg oder Misserfolg des Investments entscheidet, stellt sich dies bei einer ganzen Reihe von Garantie-Zertifikaten anders dar. Gemeint sind solche Produkte, die einen ganzen Korb an Aktien zugrunde legen. Hier reicht es meist schon aus, wenn ein Wert seine Schwelle reißt, um die Performance zu schmälern. Mit jedem enthaltenen Titel steigt also das Risiko. Außerdem ist hier auf die Korrelation der einzelnen Aktien zueinander zu achten. Je unterschiedlicher die Branchen- und Länder-Zusammensetzung, desto wahrscheinlicher wird ein Schwellenbruch.
Beispielsweise enthält der Korb eines aktuellen Zeichnungsprodukts der DZ BANK (Isin DE000AK0AE65) eine französische Bank genauso wie einen amerikanischen Agrar- und Chemiekonzern sowie einen deutschen Automobilhersteller. Anleger müssen sich bei diesem Produkt überlegen, ob ihnen die Sicherheitspuffer von 25 (Barriere 1) und 40 Prozent (Barriere 2) bezogen auf die jeweiligen Startniveaus der Aktien ausreichend erscheinen. Hiervon hängt die Kuponhöhe in den fünf Laufzeitjahren ab.
Hiermit wurde bereits ein Fallstrick aufgezeigt, der mit der Struktur von Garantie-Zertifikaten zusammenhängt. Ein weiterer verbirgt sich in einer anderen beliebten Bauart: Vielfach sind Anleger nicht an der absoluten Performance des Underlyings beteiligt. Stattdessen werden die Kurse des Basiswerts in festgesetzten Abständen, etwa monatlich notiert und am Ende richtet sich die Tilgung nach dem Durchschnitt aus diesen Werten. In steigenden Märkten, und das sollte bei solchen Produkten die Erwartung sein, ist das ein Nachteil: Die niedrigeren Renditen zu Beginn der Laufzeit mindern den Ertrag bei der Endabrechnung.
Neben solchen Standard-Strukturen für Garantie-Zertifikate weisen einige Produkte spezielle Mechanismen auf, deren Vor- und Nachteile laut Perovic ebenfalls nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.
Höchststände werden meist nicht voll abgesichert
Ein Beispiel ist die „Höchststandsicherung“. Dabei werden einmal erreichte Höchststände als neues Garantieniveau markiert. Der Vorteil liegt darin, dass etwaige Kursrückgänge nach einer nur kurzzeitigen Positiventwicklung nicht mehr schaden können. Jedoch werden die Höchststände oft lediglich zum Teil abgesichert (etwa 85 Prozent) und eine Betrachtung findet nur monatlich statt. Zwischenzeitliche höhere Kursgewinne gehen verloren. Dies ist beispielsweise der Fall bei einem Zertifikat (Isin AT000B114269), das die österreichische Volksbank AG kürzlich auf den Markt gebracht hat und das sich auf den DWS Sachwerte Fonds bezieht.
Was allen Garantie-Zertifikaten abgesehen von Basiswert, Struktur und besonderen Mechanismen gemein ist, ist die Tatsache, dass der Kapitalschutz immer nur zum Laufzeitende gilt. Deshalb sollten Anleger genau prüfen, ob die Laufzeit, die bei solchen Produkten meist sehr hoch ausfällt, zum eigenen Anlagehorizont passt. Ein Verkauf während der Laufzeit ist zwar möglich, in den meisten Fällen jedoch mit Verlusten verbunden, gibt Perovic zu bedenken.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |