22.04.2008 · Geldanlage ist kompliziert. Und schwer durchschaubare Zertifikate machen sie trotz scheinbarere Eleganz auch nicht einfacher. Scope Analysis stuft nun mehr als 120.000 Produkte nach Qualität und Risiko ein, um Hilfestellung bei der Beurteilung zu geben.
Die Ratingagentur Scope Analysis bietet auf ihrer Internetseite von nun an umfassende Einschätzungen zum Risiko und zur Qualität von Zertifikaten. Das bankenunabhängige Analysehaus nimmt dazu mehr als 140.000 Zertifikate täglich unter die Lupe und gibt zu den 120.000 Produkten, deren Sicherheitsschwellen noch intakt sind, Einschätzungen ab. „Wir wollen den Privatinvestor in dem unübersichtlichen Zertifikatemarkt bei seiner Anlageentscheidung unterstützen“, sagt Sasa Perovic, Leiter der Zertifikateanalyse bei Scope.
Bislang sehen sich die Anleger einer immer schneller wachsenden Anzahl von Zertifikaten gegenüber, deren Qualität niemand so recht einzuschätzen vermag. Zudem gibt es keine neutrale Stelle, die einen Überblick über die zahlreichen Produkte gibt. Das Marktvolumen in Deutschland ist binnen weniger Jahre auf nunmehr rund 130 Milliarden Euro gewachsen. Die gut 160.000 Zertifikate wurden überwiegend von Privatanlegern gekauft und basieren zu 85 Prozent auf der Entwicklung von Aktien oder Aktienindizes.
Szenarienorientierte Bewertung
Auf der Internetseite www.scope-zertifikate.de können die Anleger sich nun kostenlos die Einschätzungen der Analysten von Scope anschauen. Sie umfassen mehr als 90 Prozent des Marktvolumens und werden unabhängig von den Emittenten ermittelt. Im Menüpunkt Produktauswahl kann sich der Anleger entweder alle Produkte anzeigen lassen oder bereits Einschränkungen vornehmen. So ist die Suche nach Zertifikaten auf konkrete Basiswerte - Aktien, Indizes, Währungen, Rohstoffe - ebenso möglich wie die Fokussierung auf eine bestimmte Zertifikatestruktur wie zum Beispiel Bonus- oder Discountzertifikate.
Dem Nutzer wird dann eine Liste der Zertifikate angezeigt, die auf seine Auswahl zutreffen. Sortiert sind sie nach der Qualitätseinschätzung von Scope. Die Höchstnote sind fünf Sterne, die eine hervorragende Qualität des Produkts bescheinigen, die niedrigste Stufe ist ein Stern für eine schlechte Produktqualität. Wichtigstes Kriterium für die Einstufung der Zertifikate ist das Chance-Risiko-Verhältnis der Produkte. Dabei gewichten die Analysten die Renditen des Zertifikats in verschiedenen Marktszenarien mit Eintrittswahrscheinlichkeiten. Am Ende stehen eine erwartete Rendite zum Laufzeitende des Zertifikats, ein maximaler Gewinn, ein maximaler Verlust und eine Einschätzung des Risikos im Vergleich zu einer Direktanlage im Basiswert.
Emittentenbonität ist wichtig
Neben dem Verhältnis aus Chance und Risiko ist die Preisstellung ein weiteres wichtiges Kriterium bei der Einstufung der Produkte. Scope fokussiert sich hierbei auf die Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufpreis eines Produkts (Spread). Zudem wird die Entwicklung des Spread analysiert - insbesondere in hektischen Marktphasen war es in jüngster Zeit häufiger zu höheren Spreads gekommen, was die Rendite für den Anleger reduziert.
Das dritte Kriterium ist die Bonität des Emittenten. Zertifikate sind anders als Fonds Schuldverschreibungen und im Insolvenzfall der Bank nicht geschützt. „Die Bonität haben wir exponentiell gewichtet“, sagt Perovic. „Ein Zertifikat eines Emittenten mit schlechter Bonität kann keine gute Gesamtnote erhalten, denn im Insolvenzfall ist es egal, wie gut das Produkt war, es wird weitgehend wertlos.“
Mehr als die Hälfte unter drei Sternen
Wenn der Anleger nur die Produkte hervorragender Qualität sehen will, kann er auch dies bei den Voreinstellungen eingegeben. Rund 10.000 der 120.000 benoteten Produkte haben es in die höchste Bewertungsklasse geschafft. 53.000 Produkte haben hingegen nur zwei Sterne bekommen - ihnen wird damit nur mäßige Qualität bescheinigt. Das Auszahlungsprofil der Produkte war hier oft wenig attraktiv für die Anleger. 185 Zertifikate haben bislang nur einen Stern erhalten. Alle Produkte, deren Sicherheitsschwellen aber bereits durchbrochen waren, haben keine Note bekommen.
Neben der Benotung werden alle Produkte auch nach ihrem Risiko klassifiziert. Die Anleger können so konkret nach besonders riskanten (Stufe 5) oder sehr sicheren (Stufe 1) Zertifikaten suchen. Grundlage für die Berechnung ist ein Erwartungswert für künftige Verluste des Produkts.
Neben den Einstufungen und der Beschreibung der Einzelprodukte veröffentlicht Scope von nun an auch täglich ein Rating der Emittenten, aufgeführt nach der Qualität der Preisstellung für Zertifikate, des Spreads und der Abdeckung des Marktes. Derzeit führt Sal. Oppenheim bei der Preisstellung, Goldman Sachs beim Spread, und die Commerzbank bietet die höchste Marktabdeckung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |