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Zeitenwende für Stiftungen Die Krise als Chance

 ·  Gemeinnützige Stiftungen müssen ihr Geld sicher und mit Gewinn anlegen. Das niedrige Zinsniveau gefährdet jedoch den Vermögenserhalt und die Renditen.

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Lange Zeit galten Staatsanleihen als sicherer und relativ renditeträchtiger Hafen für institutionelle Anleger wie Versicherungen oder Stiftungen. Diese Zeiten sind erst einmal vorbei. Zehnjährige Anleihen rentieren momentan bei etwa 1,56 Prozent und gleichen nicht einmal die Inflation aus. Der deutsche Staat profitiert von der Staatsschuldenkrise, Anleger leiden darunter. Mit ihren bisherigen Anlagestrategien schaffen es viele Stiftungen nicht mehr, ihr Vermögen zu erhalten und ausreichende Erträge zu erzielen.

Etwa 100 Milliarden Euro beträgt das Gesamtvermögen aller deutschen Stiftungen, schätzt der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Sie stehen nun vor der Frage: Wohin mit dem Geld? „Dies ist zunehmend schwieriger zu beantworten“, sagt Hermann Falk, Anlageexperte des Verbands. Von dem niedrigen Zinsniveau betroffen sind vor allem kleinere Organisationen mit einem Vermögen von bis zu 1 Million Euro, die fast 75 Prozent aller Stiftungen ausmachen. Sie sind kaum oder gar nicht in Aktien investiert und bei der Wiederanlage von festverzinslichen Wertpapieren immer weniger in der Lage, Erträge über der Inflationsrate zu erzielen. Bei der Mehrzahl von ihnen schrumpft das Vermögen, schätzt der Verband. Nur große, unternehmensgebundene Stiftungen mit Vermögen über 100 Millionen Euro wie etwa die Hertie-Stiftung haben kaum Probleme und konnten teilweise ihr Vermögen und Erträge erhalten oder sogar steigern.

Umdenken findet nur langsam statt

Eine vergangene Woche veröffentlichte Studie der Universität Heidelberg zeigt, dass über die Hälfte der befragten Stiftungen seit der Krise ihr Anlageverhalten kaum maßgeblich verändert haben, sondern weiterhin eher konservativ agieren. Das ist auch der Eindruck von Vermögensverwaltern, nur langsam finde ein Umdenken statt. „Viele Stiftungsvorstände sehen die Nachteile niedriger Zinseinnahmen, können sich aber teilweise nur schwer entscheiden, ihre Vermögensanlage zu professionalisieren“, sagt Ulf Grensemann, Leiter institutionelle Kunden bei der Deutschen Bank, die 1200 Stiftungen betreut. Das liege an mangelnder Erfahrung, strengen internen Anlagerichtlinien und Denken in alten Strukturen, sagen Banken. Dabei gibt es bis auf den Vermögenserhalt und eine sichere Anlage keine Vorgaben vom Gesetzgeber. Allerdings gaben 36 Prozent der Stiftungen in der Studie an, völlig ohne Anlageeinschränkungen agieren zu können. „Viele Vorschriften stammen aus einer anderen Zeit, sie müssten geändert werden, sonst ist der Erhalt von Stiftungsvermögen gefährdet“, sagt Frank Naab vom Bankhaus Metzler.

Der Bundesverband und Vermögensverwalter raten, den Anlagehorizont zu erweitern. Sie sehen die Krise als Chance, das Vermögen zu diversifizieren und sogar höhere Renditen zu erzielen. „Im Vergleich zu den Zeiten vor der Krise ist die Zusammensetzung des Portfolios eher dynamisch als statisch“, sagt Grensemann. „Stiftungen sind perfekte Aktien-Anleger. Sie haben einen langen Anlagehorizont und müssen in der Regel nicht bilanzieren. Das sind gute Voraussetzungen, um aus der Realzinsfalle herauszukommen“, sagt Naab. Eine gute Strategie sei es, in Aktien mit hoher Dividende zu investieren. „Die Marktkapitalisierung sollte etwa bei 2 Milliarden Euro liegen, Dividenden sollten über Jahre hinweg ausbezahlt worden sein und durch Gewinne gedeckt werden.“ Im langfristigen Schnitt hält er mit Aktien eine jährliche Rendite von 8 Prozent für möglich, wobei 5 Punkte aus Kursgewinnen und 3 aus Dividenden stammen.

Investieren mit Mission

Als Substanzvermögen schützen Aktien wie Immobilien vor Inflation. Von Staatsanleihen müssten sich Stiftungen indes nicht verabschieden, sagen Banken. Sie sollten das Gewicht renditeschwacher Papiere reduzieren und in Unternehmensanleihen mit gutem Rating und einer höheren Rendite investieren. Etwa 10 Prozent des für Anleihen vorgesehenen Geldes empfiehlt Metzler in Schwellenländerpapiere zu investieren.

Da viele Stiftungen über keine professionellen Vermögensverwalter verfügen, dürften die Experten mit ihren Ratschlägen nicht durchdringen. Die Stiftungen fürchteten hohe Gebühren, die Verwalter von ihren Kunden verlangen, und mieden den Kontakt, sagt Verbandsmitarbeiter Falk: „Im schlimmsten Fall kann das Finanzamt die Gemeinnützigkeit einer Stiftung in Frage stellen, wenn Gebühren die Kapitalerträge verschlingen.“ Stiftungen sollten sich deshalb nach Alternativen zu Vermögensverwaltungsmandaten umschauen. Vielversprechend sei, wenn mehrere Stiftungen einen Spezialfonds gründeten. Auch die Deutsche Bank und Metzler finden Pooling für Stiftungen überlegenswert.

Eine umstrittene Anlageform, die an Bedeutung gewinnt, nennt sich Mission Investing. Eine Stiftung für erneuerbare Energien investiert Teile ihres Vermögens zum Beispiel in ein Ökostrom-Unternehmen. Bisher sind jedoch nur 30 Prozent der 200 größten deutschen Stiftungen in Mission Investing engagiert. Kritiker warnen davor, dass ein treuhänderisch handelnder Stiftungsvorstand das Anlageuniversum einer Stiftung verkleinern und das Vermögen gefährden könnte.

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