http://www.faz.net/-gv6-7vpyd

Wolf of Wall Street : Der Menschenfänger aus New York

Auf Tuchfühlung mit dem Publikum: Jordan Belfort in der Frankfurter Festhalle Bild: Eilmes, Wolfgang

Im Kino machte Leonardo DiCaprio den „Wolf of Wall Street“ weltberühmt. In der Frankfurter Festhalle fesselt der wahre Anlagebetrüger Jordan Belfort das Publikum.

          In einer Hinsicht sind Amerikaner den Europäern klar überlegen: Sie beherrschen ihr Narrativ, also die individuelle Erzählung von sich selbst. Ein echter Meister in dieser Disziplin ist Jordan Belfort, der als „Wolf of Wall Street“ weltberühmt wurde. Martin Scorseses Verfilmung mit Leonardo DiCaprio in der Titelrolle setzte dem New Yorker Anlagebetrüger ein Denkmal. Am Dienstagabend hielt Belfort die Frankfurter Festhalle mit der Erzählung von sich selbst in einem Seminar über beruflichen Erfolg in Atem.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das ist schon ein bemerkenswertes Phänomen: Da kommt ein verurteilter Betrüger aus Amerika, erzählt vom Scheitern und Wiederaufstehen und fesselt damit Tausende Besucher in Deutschlands Finanzzentrum. Die bestuhlte Festhalle verströmt die Atmosphäre eines Rockkonzerts. Überwiegend jüngere Männer sind gekommen, um den Weisheiten des New Yorkers zu lauschen, der aus seinem bewegten Leben einen Bestseller machte.

          Manche versprechen sich Rat auf dem Weg nach oben, andere verschaffen sich einen eher distanzierten Blick auf Belfort, der unbestritten Show-Qualitäten hat. Dreieinhalb Stunden ohne Gitarre oder Klavier, nur durch die Kraft der Sprache zu füllen, gelingt nicht vielen.

          Erst reich werden – dann Kopf aus der Schlinge ziehen

          Vor dem Auftritt wird Belfort denn auch wie ein Rockstar angekündigt, laute Eurobeats setzen ein. Mit einem bellenden „Hello Frankfurt, how are you?“ setzt er sich ins rechte Licht. Er wolle nicht langweilen, verspricht er, denn er sei kein langweiliger Mensch. Davon konnte sich ein Millionenpublikum in Scorseses Film überzeugen. Ausschweifende Partys mit viel nackter Haut, Aufputschmittel als ständige Begleiter, wertvolle Statussymbole vom spritzigen Sportwagen bis zur Luxusyacht.

          Schauspieler DiCaprio überzeugt dabei, Belforts Verkaufstalent vor die Kamera zu bringen. Monatelanges Training mit dem Original sei dem vorausgegangen, verrät der Alleinunterhalter. Einst hat er reiche Amerikaner in Wetten mit Penny Stocks getrieben, also Aktien mit geringem Nennwert. Von den Wetten haben vor allem er und seine Firma profitiert. Einem langjährigen Gefängnisaufenthalt entkam er nur, weil er schließlich als Kronzeuge gegen das eigene verbrecherische System aussagte.

          Enten und Adler

          Für Belfort gibt es zwei Sorten von Menschen: Enten und Adler. Jene zeichneten sich dadurch aus, dass sie ständig über ihr Dasein lamentierten und es sich in ihrem Ententeich gemütlich machten. Als Adler dagegen bezeichnet er die Macher, die sich kopfüber und ohne Sicherheitsnetz ins Abenteuer stürzen.

          Das Frankfurter Publikum, so schätzt er ohne tiefere spezifische Kenntnis, bestehe zu 95 Prozent aus Adlern. Das schmeichelt. Doch überwiegend seien diesen Adlern die Flügel gestutzt worden. Ihr Leben hindurch hätten sie sich Glaubenssätze einreden lassen, die sie vom Erfolg abhielten. Das motiviert zur Umkehr.

          Leonardo DiCaprio ist Jordan Belfort: In „Wolf of Wall Street“ wird das ausschweifende Leben des Anlagebetrügers gezeigt
          Leonardo DiCaprio ist Jordan Belfort: In „Wolf of Wall Street“ wird das ausschweifende Leben des Anlagebetrügers gezeigt : Bild: Paramount Pictures

          „Wer will mehr Geld? Heben Sie Ihre Arme“, animiert Belfort sein Publikum. „Ich liebe Geld.“ „Es ist so einfach, Geld zu verdienen.“ „Ich verschweige nicht, dass es nur mit harter Arbeit geht.“ „Man muss nur eine Absicht in eine Realität lenken.“ „Setzen Sie aber alles, was ich Ihnen beibringe, nur für die höchsten ethischen und moralischen Zwecke ein.“ „Ich glaube an schnelle Resultate und dass Menschen schnell reich werden können.“ „Verkaufen ist alles im Leben: ob Sie Ihren Kindern die Hausaufgaben verkaufen oder ein Pastor seine Überzeugungen.“ „Arme Menschen entscheiden langsam und ändern ihre Meinung schnell.“ „Du kannst überzeugend sein, aber wenn du limitierende Glaubenssätze hast, wirst du scheitern.“

          Weitere Themen

          Was geht noch an den Börsen?

          Wochenausblick : Was geht noch an den Börsen?

          Die letzte volle Handelswoche des Jahres steht an. Wichtige Termine gibt es keine mehr. Aber einer könnte den Anlegern noch vor Weihnachten Geschenke machen.

          Topmeldungen

          Nach dem Brexit : Stopft Deutschland das Loch im EU-Haushalt?

          Mit dem Brexit wird sich der EU-Haushalt stärker verändern als je zuvor: Ohne die Zahlungen des Vereinigten Königreichs werden der Europäischen Union viele Milliarden fehlen. An Reformen führt kein Weg vorbei.

          Aufregung um Schriftzug : „Es wurde so bestellt und auch so geliefert“

          Der neue Panzerwagen der Polizei Sachsen ist im Innern mit altdeutsch anmutender Schrift und Logo geschmückt. Ein Indiz für rechtskonservative Attitüde? Die Aufregung ist groß und Verantwortung will zunächst niemand dafür übernehmen. Dann äußert sich das LKA.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.