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Wohneigentum und Altersvorsorge Offensive der Bausparkassen mit Wohn-Riester

12.11.2008 ·  Staatliche Zulagen sollen die verlorene Eigenheimzulage vergessen machen. Mit dem Verkauf von Wohn-Riester-Verträgen verfolgen die Bausparkassen ehrgeizige Ziele: Mindestens 50.000 neue Verträge wollen sie abschließen.

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Die großen Bausparkassen mobilisieren in diesen Tagen alle Kräfte, um nach der im Sommer beschlossenen Einbeziehung von selbstgenutztem Wohneigentum in die staatlich geförderte Altersvorsorge dem Wohn-Riester rasch zum Durchbruch zu verhelfen. Zu Beginn dieses Monats hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) schon die ersten 27 förderfähigen Bauspartarife genehmigt. Die ersten Zertifizierungen sollten unbedingt in diesem Jahr erfolgen, damit interessierte Sparer die staatlichen Zulagen noch für das Gesamtjahr 2008 erhalten können.

Inzwischen wird deutlich, dass die Bausparkassen in dem Geschäft vor allem auf den Umstand setzen, dass die Zulagen in der Ansparphase als zusätzlicher Sparbetrag und in der Tilgungsphase als zusätzlicher Tilgungsbetrag gezahlt werden. „Unsere Bausparer kommen schneller zu Wohneigentum“, beschreibt Peter Stober, Sprecher der Geschäftsleitung der Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen, den Effekt. Wie bei der klassischen Riester-Rente erhalten Alleinstehende eine jährliche Grundzulage von bis zu 154 Euro, Verheiratete das Doppelte. Hinzu kommen noch bis zu 185 Euro je Kind. Um die volle Förderung zu erhalten, muss der Eigenbeitrag der Sparer mindestens 4 Prozent des Bruttoeinkommens aus dem Vorjahr betragen, wobei die maximale Fördergrenze bei 2100 Euro liegt. Darüber hinaus ist auch eine Steuerersparnis möglich, weil das Finanzamt die Abzugsfähigkeit der eingezahlten Beiträge als Sonderausgaben prüft. Das Angebot des Marktführers Schwäbisch Hall geht von einer Ansparphase von gut zehn Jahren und einer Tilgungsphase von mehr als zwölf Jahren aus.

Auf Augenhöhe mit der Eigenheimzulage

Gern herausgestellt wird von den Bausparkassen ein Vergleich zur Eigenheimzulage, die vor drei Jahren von der Bundesregierung gestrichen wurde. So rechnet die LBS vor, dass eine vierköpfige Familie bei einer Hausfinanzierung von 200.000 Euro zuzüglich 25 Prozent Eigenkapital durch staatliche Zulagen, Sonderausgabenabzug und gesparte Darlehenszinsen einen Kostenvorteil von über 50.000 Euro erzielen könnte. „Allein durch die Zulagen liegt Wohn-Riester auf Augenhöhe mit der Eigenheimzulage“, sagt LBS-Geschäftsleiter Stober.

Allerdings ist in dieser Rechnung noch nicht die nachgelagerte Besteuerung der Auszahlungssumme berücksichtigt, die den genannten Vorteil um gut 10.000 Euro schmälert. Die entsprechende, komplex anmutende Regelung wird von den Bausparkassen in ihrer Vermarktungsstrategie noch weitgehend ausgeblendet. Wie bei den Lebensversicherungen und Fondssparplänen, die das Geschäft mit der Riester-Rente bislang dominieren, muss nach den staatlichen Sparanreizen im Gegenzug eigentlich die Auszahlung besteuert werden. Um dieses System zumindest vom Grundsatz her auf den Wohn-Riester zu übertragen, erfolgt die Besteuerung der Summe, die in das Wohneigentum fließt, im Alter entweder auf einmal mit 30 Prozent Rabatt oder bis zum 85. Lebensjahr mit dem individuellen Steuersatz.

Ehrgeizige Ziele

Unterschiedlich fällt die Gebührenbelastung der ersten Wohn-Riester-Verträgen auf dem Markt aus. So beträgt die Abschlussgebühr bei günstigen Anbietern ein Prozent der Bausparsumme, die sich aus der vereinbarten Höhe aus Bausparguthaben und Bauspardarlehen zusammensetzt. Einzelne Anbieter verlangen aber auch 1,6 Prozent. Auf jeden Fall erfolgt die Erhebung der Gebühr im Gegensatz zu den üblichen Bausparverträgen nicht auf einen Schlag, sondern wird auf fünf Jahre verteilt. Zudem verzichten Anbieter wie Schwäbisch Hall auf weitere Gebühren, während beispielsweise Konkurrent BHW zusätzlich noch Kontoführungsgebühren verlangt.

Im Verkauf von Wohn-Riester-Verträgen verfolgen die Bausparkassen ehrgeizige Ziele. So rechnet die LBS West als größte öffentlich-rechtliche Bausparkasse mit dem Verkauf von rund 30.000 zusätzlichen Verträgen im kommenden Jahr - das wäre aus heutiger Sicht ein Absatzanteil von knapp 10 Prozent. In einer ähnlichen Größenordnung liegen auch die Erwartungen der größten privaten Bausparkasse Schwäbisch Hall. Sie geht von jährlich mindestens 50.000 neu abgeschlossenen Wohn-Riester-Bausparverträgen aus. Immerhin ist im neuen Geschäftsfeld Altersvorsorgesparen damit zu rechnen, dass die mit Wohn-Riester-Verträgen abgeschlossenen Bausparsummen überdurchschnittlich ausfallen dürften, weil sie dem Erwerb von Wohneigentum dienen sollen. Viele klassische Bausparverträge werden auch abgeschlossen, um künftig anfallende Instandhaltungsarbeiten oder Modernisierungen zu bezahlen.

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