http://www.faz.net/-gv6-74cz2

„Wirtschaftsweiser“ : Volker Wieland soll in den Sachverständigenrat

Volker Wieland soll im nächsten Jahr in den Sachverständigenrat nachrücken Bild: Seuffert, Felix

Der Frankfurter Professor Volker Wieland soll neuer Wirtschaftsweiser werden. Der Makroökonom befasst sich mit der Eindämmung von Neuverschuldung und hat bereits Erfahrung in Politikberatung.

          Es wurde Zeit, dass ein Vertreter jener deutschen Ökonomen, die prägende Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht haben in den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung einzieht. Volker Wieland, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, ist zudem international angesehen, erstklassig vernetzt und gestaltet den aktuellen Stand der Forschung selbst mit. Wieland ist deshalb eine naheliegende Wahl der Bundesregierung, die einen entsprechenden Vorschlag veröffentlicht hat. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lobte, Wieland sei „ein im In- und Ausland anerkannter Experte für Makroökonomie, Geldtheorie und Geldpolitik.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Er verfügt nicht nur über hohe wissenschaftliche Kompetenz, sondern kann auch vielfältige Erfahrungen aus der Politikberatung und der Tätigkeit für internationale Organisationen mit einbringen.“ Die Berufung eines Sachverständigen in den Rat der „Fünf Weisen“ obliegt dem Bundespräsidenten. Wieland soll von März 2013 an den Mannheimer Arbeitsmarktökonomen Wolfgang Franz ersetzen. Franz wird im Januar 69 Jahre alt. Dem Sachverständigenrat gehören zudem die Ökonomen Claudia Buch, Peter Bofinger, Christoph Schmidt und Lars Feld an.

          Kürzungen zeigen den größeren Effekt

          Theorie und Praxis der Geldpolitik, der Finanzmarktstabilität, der Finanzpolitik und der Konjunktur - als Makroökonom mit einer breiten Themenpalette verfügt Wieland über Expertise in einer Zeit, in der die Konjunktur nicht nur in Europa Schwächesignale aussendet, die langfristigen Folgen der Geldpolitik schwer einzuschätzen sind und die europäische Krise zwar eingedämmt erscheint, aber noch lange nicht beendet ist. Wieland warnt seit langem vor einer Überforderung der Geldpolitik in Europa. Gegenüber der Bereitschaft der Europäischen Zentralbank, Programme zum Kauf von Staatsanleihen aufzulegen, ist er skeptisch eingestellt. Er ist Mitverfasser mehrerer Arbeiten, die für eine Eindämmung der staatlichen Neuverschuldung nicht über Steuererhöhungen plädieren, sondern über die Kürzung von Staatsausgaben und hier besonders über die Ausgaben von Transfers.

          In einer Modellierung für die Vereinigten Staaten kommen diese Studien zu dem Ergebnis, dass eine solche Politik sogar kurzfristig das Wirtschaftswachstum beleben kann. Kürzlich hat Wieland untersucht, welche Wirkungen eine Reduzierung der Neuverschuldung in Europa besäße und auch hier ist er zu dem Schluss gelangt, dass Kürzungen von Staatsausgaben weitaus vorteilhafter sind als Steuererhöhungen. Und unter den Steuererhöhungen betrachtet er die Erhöhung der Einkommensteuer als besonders schädlich. Er berät unter anderem die Europäische Zentralbank (EZB), Europäische Kommission (EU), die Zentralbank in Finnland und Finanzhäuser.

          Rückkehr auf die nationale Ebene

          Als Mitglied des Kronberger Kreises, einer Gruppe deutscher Ökonomen mit einer liberalen Prägung, hat er kürzlich eine Studie über die Finanzpolitik in Europa mitverfasst. In ihr wird einer weitreichenden Vergemeinschaftung eine Absage erteilt und stattdessen zu einer Rückkehr verantwortungsvoller Finanzpolitik auf der nationalen Ebene und der Einführung einer Insolvenzordnung für Staaten geraten. Wieland ist kein Ideologe, kein Scharf- und kein Angstmacher, sondern ein moderner Ökonom, der mit Theorie und Empirie umzugehen weiß.

          Wieland hat lehrreiche Jahre in den Vereinigten Staaten verbracht, an der Eliteuniversität Stanford ebenso wie in der Notenbank Fed. Er arbeitet bis heute mit dem bekannten Stanford-Professor John Taylor zusammen, von dem die Taylor-Regel für die Geldpolitik stammt. Hierbei steuert die Notenbank den kurzfristigen Zins, indem sie vor allem auf die Inflationsrate und das Wirtschaftswachstum achtet.

          Forschung in Theorie und Praxis der Kapitalmärkte

          Als Mitarbeiter der Fed in Washington wurde Wieland von Axel Weber entdeckt, der ihn auf eine Professur nach Frankfurt lockte, wo Wieland in den vergangenen Jahren erheblich zur Entwicklung des House of Finance beigetragen hat. Weber war um die Jahrtausendwende nicht nur Professor in Frankfurt, sondern auch Leiter des Center for Financial Studies, einer Weiterentwicklung des alten Instituts für Kapitalmarktforschung, das Theorie und Praxis der Kapitalmärkte miteinander verbindet. Derzeit ist Wieland Inhaber einer Stiftungsprofessur und Geschäftsführender Direktor des Institute for Monetary and Financial Stability, eines von der Stiftung Geld und Währung geförderten Instituts, das der interdisziplinären Erforschung des Geld-, Währungs- und Finanzwesens unter Gesichtspunkten der Stabilität gewidmet ist.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trumps UN-Rede : Feurige Worte und tödliche Missverständnisse

          Donald Trump hebt die Bedeutung „souveräner Nationalstaaten“ hervor und teilt gegen Nordkorea aus. UN-Generalsekretär Guterres mahnt zur Einigkeit – mit einem Seitenhieb gegen den amerikanischen Präsidenten.
          Polizisten beobachten das Geschehen auf der Wiesn. Auch auf dem diesjährigen Oktoberfest kam es bereits zu sexuellen Übergriffen.

          Anstieg von Sexualstraftaten : Warnungen eines Wahlkämpfers

          Bayerns Innenminister Herrmann rühmt sich mit der hohen Sicherheit in seinem Bundesland. Die Zunahme der Sexualstraftaten – sowohl durch Deutsche als auch Ausländer – ist jedoch alarmierend.

          Schwache Zahlen : Die unsichere Ernte der Grünen

          Vor vier Jahren lehnten die Grünen eine Koalition mit der Union ab. Nun würden sie gerne, doch es sieht schlecht aus. Die aktuellen Prognosen sprechen gegen Jamaika.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.