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Veröffentlicht: 16.08.2016, 10:28 Uhr

Ängstliche Millionäre Die Verteidigung des Reichtums

Reiche haben Angst, ihr Vermögen wieder zu verlieren. Darum schützen sie es mit allen Mitteln. Oft sogar vor der eigenen Familie.

von
© Nick Hannes/laif Im Yachthafen von Monaco treffen sich die Reichen und die Schönen.

Die wirklich reichen Menschen dieser Erde verfügen aus Sicht des Rests der Menschheit über eine recht beklagenswerte Eigenschaft: Sie reden in aller Regel nicht gerne über ihr Vermögen. Was man auf der einen Seite ja verstehen kann: Neid und Missgunst lauern schließlich überall. Was die Sache auf der anderen Seite aber ja gerade so spannend macht: Gibt es doch kaum etwas, was die Phantasie der Menschen derart beflügelt wie wilde Spekulationen über das Leben der Superreichen.

Dennis Kremer Folgen:

Die in Harvard ausgebildete Soziologin Brooke Harrington ist das Ganze pragmatisch angegangen. Ihr Ansatz: Wenn es schon nicht gelingt, mit den Superreichen selbst zu reden, dann muss man eben mit denen ins Gespräch kommen, die für die Superreichen arbeiten. Am besten mit demjenigen Teil des Personals, der tagaus, tagein mit ihrem Geld zu tun hat - also mit den Vermögensverwaltern, die sich fast jeder UHNWI zu Diensten hält. UHNWI ist eine englische Abkürzung, die man kennen muss, wenn man sich in diesem Gewerbe bewegt: Sie steht für Ultra High-Net-Worth Individual und bezieht sich auf Menschen, die über ein Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar verfügen.

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Natürlich ist auch der Kontakt zu den Geldmanagern der Superreichen nicht gerade kinderleicht herzustellen: Jeder Vermögensverwalter, der offen über seine Kunden spricht, ist seine Stellung in Windeseile wieder los. Harrington hat darum für ihr lesenswertes Buch „Capital without Borders: Wealth Managers and the one percent“ (bislang nur auf Englisch erschienen im Verlag Harvard University Press) einen ausgesprochen umständlichen, aber am Ende erfolgreichen Weg gewählt, um solche Verwalter kennenzulernen. Sie hat sich einfach selbst mehrere Jahre lang zur Vermögensmanagerin ausbilden lassen. So erhielt sie Zugang zu dieser ansonsten sehr verschwiegenen Branche. Trotzdem dauerte es insgesamt sieben lange Jahre, bis eine Reihe von Geldverwaltern Harrington unter Zusicherung der Anonymität Auskunft für ihr Buch gab. Insgesamt 65 Vermögensverwalter aus 18 Ländern von Großbritannien über die Schweiz und Liechtenstein bis hin zu Hongkong, Singapur und Mauritius konnte die Soziologin zu längeren Gesprächen treffen.

Verlustängste

Entstanden ist ein einzigartiger Einblick nicht nur in die Welt ebendieser Vermögensverwalter, sondern auch in die Welt der Multimillionäre und Multimilliardäre, was mit einem einfachen Umstand zu tun hat: Die Geldmanager sind in der Regel mehr als reine Anlageberater. Sie haben nicht nur den Überblick über die Finanzen, sondern wissen darüber hinaus so gut wie alles über das Leben ihrer Klienten: Sie kennen die Kinder der Geliebten, von denen die Ehefrau nichts weiß, sie wissen um die Alkoholprobleme des Schwagers, die vor dem Rest der Familie geheim gehalten werden sollen - kurzum: Ihr Verhältnis zur Familie ist außerordentlich intim.

Das, so lautet Harringtons spannende Schlussfolgerung, hat allerdings erstaunlich wenig mit besonderer Sympathie zwischen Klient und Vermögensverwalter zu tun (auch wenn die sicherlich nicht hinderlich ist), sondern liegt im Wesen der Arbeit des Verwalters begründet. Wer für die Reichen arbeitet - dies bestätigen so gut wie alle Gesprächspartner der Soziologin -, hat nämlich eigentlich nur eine Aufgabe. Er soll, so lautet ein Schlüsselsatz der Untersuchung, all seine Kraft darauf verwenden, den Reichtum seiner Kunden zu verteidigen. Für die meisten Reichen geht es nämlich nicht unbedingt darum, ihren Reichtum auf Teufel komm raus weiter zu mehren. Nein, zuallererst ist ihnen wichtig, nichts von ihrem Geld zu verlieren. Diese Beobachtung Harringtons stimmt überein mit dem Ergebnis zahlreicher Studien aus dem Bereich der Verhaltensökonomie. Sie zeigen, dass Menschen (unabhängig davon, ob sie nun viel oder wenig Geld besitzen) jede Art des finanziellen Verlusts als schmerzhaft empfinden.

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