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Veröffentlicht: 03.04.2009, 08:04 Uhr

Wetterderivate Gegen Dauerregen und Tropenhitze

Die Tourismusbranche ist extrem vom Wetter abhängig: Wenn es regnet oder viel zu heiß ist, bleiben die Gäste weg oder wollen gar ihr Geld zurück. Dagegen kann man sich jetzt absichern: Celsius Pro in der Schweiz setzt auf Online-Angebote für kleine und mittlere Unternehmen.

von , Zürich
© dpa Schlechtes Wetter kann Urlaubsgebieten gehörig das Geschäft verregnen

Schlechtes Wetter ist für die Gäste des Ferienart Resort & Spa Hotel in Saas Fee kein Thema mehr - zumindest, was die finanziellen Folgen betrifft. Zwischen Juni und Oktober bietet Hotelinhaber Beat Anthamatten eine „Schönwettergarantie“. Diese gilt bei Buchungen von mindestens drei Übernachtungen. Wenn es dann mehr als zwei Tage regnet, sind die Übernachtungen für jeden zusätzlichen Regentag kostenlos. Dabei gibt es keine Streitereien, wann ein Ferientag tatsächlich verregnet ist, sondern einen objektiven Maßstab: mehr als fünf Millimeter Regen, gemessen von der Wetterstation in dem Ferienort.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Anthamatten seinerseits verlässt sich nicht allein auf den Ruf des Wallis als sonnenreichster Kanton der Schweiz. Er hat bei dem Zürcher Unternehmen Celsius Pro AG ein Wetterderivat gekauft. Der „Schadensfall“ bei dieser Art von „Versicherung“ ist die Regenmenge, der finanzielle Ausgleich bemisst sich nicht nach der Schadenssumme, sondern nach der Art des erworbenen Risikoschutzes. Gerade im Tourismus sieht Vorstandsvorsitzender Mark Rüegg große Chancen. Zusammen mit der Hotelfachschule in Lausanne prüft er jetzt die Möglichkeiten von Wetterderivaten als Instrument für Risikomanagement und Marketing in der europäischen Hotelbranche.

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Im Zentrum steht die Schadensbegrenzung

Bisher ist die Absicherung bestimmter Wetterbedingungen ein Geschäft der großen Versicherungskonzerne. Swiss Re zum Beispiel hat entsprechende Programme für Hochwassergefahren aufgelegt. Aber kleinere und mittlere Betriebe haben davon nichts. An sie wendet sich Celsius Pro und bedient sich dabei des Internets. Das Schweizer Start-up bezeichnet sich als der erste europäische Anbieter von Online-Wetterderivaten. Über www.celsiuspro.com bietet die Mannschaft des ehemaligen UBS-Bankers Rüegg ab ungefähr 3350 Euro Prämie Absicherungen mit Bezug auf 92 Wetterstationen in Europa an, davon 42 in Deutschland. Die Wetterderivate können online berechnet und gekauft werden. Damit sind sie grundsätzlich auch für Privatleute interessant.

Rüegg nennt für sein Angebot drei Unterschiede zu Versicherungen. Erstens muss der Zeichner von Wetterderivaten keinen Schadensnachweis liefern. Zweitens bilden die lokalen Wetterstationen die neutrale Instanz, deren Daten über die Auszahlung der zuvor vereinbarten Summen entscheiden. Drittens sind die Verträge nach den Worten Rüeggs einfach und ohne große Zusatzklauseln. Im Zentrum steht mithin nicht der Schadensausgleich, sondern die Schadensbegrenzung. Der Chef von Celsius Pro führt die Stadt Bern als Beispiel an. Wenn es viel schneit, wie im vergangenen Winter, laufen der Stadt die Kosten für den Winterdienst schnell aus dem Ruder. Diese Kosten könnte sie mit einem Derivat für eine bestimmte Neuschneemenge eindämmen.

„Viele Unternehmen haben noch nie eine Korrelation erstellt, wie sich bestimmte Wetterbedingungen auf ihr Geschäft auswirken“, meint Rüegg. Diese Korrelation wird beim Kauf eines Wetterderivats schnell sichtbar. Rüegg nennt als Zielgruppe neben Kommunen und Hotels auch Schifffahrtsbetriebe, Bergbahnbetreiber, Open-Air-Veranstalter und Handelsbetriebe, etwa solche mit großer Sportabteilung. Er glaubt, dass der Klimawandel sein Angebot tendenziell immer attraktiver macht. Aber kann die erst gut ein Jahr alte Celsius Pro im Fall des Falles überhaupt zahlen? Hier verweist Rüegg auf die Rückversicherung bei Swiss Re. Können die Wetterderivate nicht zum reinen Spekulationsobjekt verkommen, da sich Celsius Pro auch bewusst an „externe Distributoren“ wendet? Rüegg hält diese Gefahr ebenfalls für begrenzt. Dafür seien die Wetterderivate ein zu lokal orientiertes Geschäft.

Quelle: F.A.Z.

 

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