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Wettbewerbsvorteil : Regulierung hilft großen Fondsgesellschaften gegen kleine

  • -Aktualisiert am

Auf die Finanzbranche sind in den vergangenen Jahren viele neue Vorschriften zugekommen Bild: dpa

Viele kleinere Fondsgesellschaften können die neuen Regulierungsvorschriften nicht bewältigen. Das könnte zu einer Konzentration auf einige wenige große Fonds zu Lasten der kleineren Produkte führen.

          Die Zeiten von Liberalisierung und Gesetzen zur Förderung der Kapitalmärkte sind seit Ausbruch der Finanzkrise vor etwa fünf Jahren vorbei. Eine Flut neuer Vorschriften zur Regulierung der Finanzmärkte bricht über die Marktteilnehmer herein und droht viele von ihnen wegzuspülen. „Eine größere Konzentration in der Fondsbranche wird unausweichlich sein“, sagte Massimo Greco, der bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management den Vertrieb von Investmentfonds in Europa leitet, im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die Konzentration ist in vielen Ländern in Europa schon im Gange.“ Durch die stärkere Regulierung würden auf alle Marktteilnehmer höhere Kosten zukommen. Doch kleinere Fondsgesellschaften könnten diese oft nicht bewältigen. „Durch die vielen neuen Vorschriften sind die Hürden für einen Markteintritt gestiegen“, sagte Greco.

          Dabei haben viele Neuerungen in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass kleinere Fondsgesellschaften in das Geschäft drängen konnten. So haben sie zu einem intensiven Wettbewerb im Fondsgeschäft beigetragen, von dem gerade Privatanleger profitierten. In den vergangenen Jahren haben sich beispielsweise Spezialisten wie IP Concept oder Universal Investment einen Namen gemacht, indem sie kleineren, bankenunabhängigen Vermögensverwaltern halfen, eigene Investmentfonds aufzulegen und so die Vielfalt im Fondsgeschäft steigerten.

          „Eine tiefgreifende Veränderung für die Branche“

          Doch in den vergangenen Jahren ist auf die Finanzbranche eine große Menge neuer Vorschriften zugekommen, die gerade kleinere Fondsgesellschaften kaum bewältigen können. So soll die europäische Richtlinie Mifid die Finanzmärkte in der Europäischen Union harmonisieren, hat jedoch zu weiteren Regulierungen geführt. Die Richtlinie AIFMD erstellt Regeln für alle Finanzprodukte, die nicht schon reguliert waren. In Deutschland wurden viele Regeln im neuen Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) zusammengefasst, das im Sommer in Kraft getreten ist und das in 355 Paragrafen den Markt für einen Teil der Finanzprodukte reguliert.

          Wertpapier-Publikumsfonds und Netto-Mittelaufkommen
          Wertpapier-Publikumsfonds und Netto-Mittelaufkommen : Bild: F.A.Z.

          Die Regulierung hat schon ein prominentes Opfer gefordert: Die amerikanische Fondsgesellschaft Franklin Templeton stellt in Deutschland den Verkauf ihres Aktienfonds Templeton Growth Fund ein. „Die neuen gesetzlichen Anforderungen an diese Fonds, die auch der Templeton Growth Fund, Inc. bis spätestens Juli 2014 umzusetzen hätte, hätten erhebliche Auswirkungen auf die Organisationsstruktur des Fonds“, heißt es in einer Mitteilung der Fondsgesellschaft. „Nach sorgfältiger Prüfung der gesetzlichen Regelungen und der Auswirkungen einer möglichen Umstrukturierung für den Fonds sowie nach vergeblichem Bemühen um eine Ausnahmeregelung ist der Verwaltungsrat des Templeton Growth Fund, Inc. zu dem Schluss gekommen, dass der Fonds aufgrund seiner rechtlichen Struktur die neuen gesetzlichen Erfordernisse nicht erfüllen kann.“ Dabei handelt es sich um ein Traditionsprodukt, wurde der Fonds doch schon 1954 von Sir John Templeton selbst aufgelegt. Zwar können Anleger, die schon im Templeton Growth investiert sind, ihre Anteile behalten. Doch Franklin Templeton darf den Fonds von Ende Juni 2014 an nicht mehr verkaufen.

          Greco hat zudem einen Trend zu größeren Fonds ausgemacht, eine Konzentration der Mittelzuflüsse auf einige wenige große Fonds zu Lasten der kleineren Produkte. „Vor allem die breiten Anlagethemen tendieren dazu, von einer Handvoll großer Fonds dominiert zu werden“, sagte Greco am Rande einer Veranstaltung für europäische Pressevertreter, zu der JP Morgan Asset Management nach London eingeladen hatte. Beispielsweise bei Fonds, die breit in europäische Standardwerte investieren, sieht Greco einen Trend zur Konzentration, während speziellere Anlagethemen Nischen für kleinere Fonds böten. „Generell hat die Fondsbranche wieder den Stand von 2007 erreicht“, meint Greco und verweist darauf, dass in der Fondsbranche das verwaltete Vermögen wieder auf das Niveau gestiegen sei, das sie vor Ausbruch der Krise hatte. Allerdings habe dieses Wachstum ausschließlich in passiven Investmentstrategien und Indexfonds stattgefunden. „Das ist eine tiefgreifende Veränderung für die Branche.“

          Quelle: F.A.Z.

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