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Wertentwicklung Unruhige Zeiten für Geldmarktfonds

23.12.2007 ·  Geldmarktfonds sollen eigentlich ein sicherer Parkplatz für Liquidität sein. Doch auf der Suche nach dem Extrakick Rendite gingen einige Anbieter zu weit.

Von Steffen Uttich
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Die Wertentwicklung von Geldmarktfonds hat sich zuletzt ungewöhnlich stark auseinanderbewegt. Während die besten Anlageprodukte über die vergangenen sechs Monate einen Wertzuwachs von 2 Prozent erwirtschafteten, weisen einzelne Fonds einen Verlust von bis zu einem Prozent aus. Für eine Geldanlageform, die sich ursprünglich als sicherer Liquiditätsparkplatz definierte, bedeutet dieses Geschehen eine Zäsur.

„Die Prinzipien von Produktwahrheit und Produktklarheit werden nicht mehr eingehalten“, sagt Uwe Rieken von der Beratungsgesellschaft Faros. Auf der Suche nach dem Extrakick Rendite hätten Geldmarktfonds in Dinge investiert, die dort nicht hineingehörten. „Die Grenzen wurden ausgelotet, und dabei sind einzelne Anbieter zu weit gegangen.“

Tatsächlich war das Anlageuniversum von Geldmarktfonds ursprünglich auf Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten oder Schuldtitel mit variabler Verzinsung (Floater) beschränkt. Verluste sind dadurch nahezu ausgeschlossen. In den vergangenen drei Jahren öffneten die Fondsanbieter ihre Portfolios jedoch zunehmend für verbriefte Forderungen (Asset Backed Securities, ABS). Diese Wertpapiere versprachen mehr Rendite bei einem unveränderten Risiko und wurden deshalb als völlig unproblematisch für Geldmarktfonds eingestuft.

Offenes Einfallstor

In diesem Sommer brach jedoch der Markt für Forderungsverbriefungen komplett zusammen und hat sich bis heute nicht erholt. Geldmarktfonds, die ABS lediglich als Beimischung nutzten, konnten die Kursabschläge einigermaßen ausgleichen. Fonds mit größeren ABS-Positionen sind seither jedoch ernsthaft ins Trudeln geraten. Das bekannteste Beispiel ist der unter Privatanlegern weit verbreitete Pioneer Euro Geldmarkt Plus (bis März Activest Euro Geldmarkt Plus), der über die vergangenen sechs Monate ein Minus von 0,8 Prozent ausweist. Die Anleger reagierten darauf mit einer Fluchtbewegung. Inzwischen ist das Fondsvermögen von einst knapp 5 Milliarden Euro auf 1,5 Milliarden Euro zusammengeschmolzen.

Die Unruhe am Geldmarkt macht es den Geldmarktfonds zudem schwer, die höheren Zinsen für kurzfristige Leihegeschäfte auch in ihrem Portfolio darzustellen. Der von der Europäischen Zentralbank berechnete Tagesgeldsatz Eonia (Euro Overnight Index Average) erweist sich zunehmend als schwer zu schlagender Vergleichsmaßstab. Das öffnet das Einfallstor für konkurrierende Liquiditätsparkplätze. Für Privatanleger sind das beispielsweise Tagesgeldangebote von Direktbanken. Mit dem Zinsangebot der Noris-Bank von 4,25 Prozent ist dort ein neuer Preiskampf entbrannt. Seit Mitte des Jahres gibt es auch den ersten börsengehandelten Indexfonds auf den Eonia, der sich für die Deutsche Bank als auflegendes Institut zu einem Verkaufsrenner entwickelt und inzwischen schon 1,4 Milliarden Euro eingesammelt hat.

Massenhafter Rückzug soll sich beruhigt haben

In der Fondsbranche ist man schon eifrig dabei, die Lehren aus dem Debakel zu ziehen und damit eine ernsthafte Vertrauenskrise zu vermeiden. Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment (BVI), Stefan Seip, spricht von einem Lernprozess, der in den Gesellschaften in Gang gekommen sei: „Das Phänomen einer schwindenden Liquidität auf dem ABS-Markt war unbekannt.“ Das Rendite-Risiko-Profil werde nun neu justiert. „Alle werden künftig genauer hinschauen, in was ein Geldmarktfonds investiert“, erwartet der Vorstandsvorsitzende von Union Investment, Rüdiger Ginsberg. Er regt an, dass künftig eine deutlichere Trennung zwischen traditionellen Geldmarktfonds und geldmarktnahen Fonds, die auch in strukturierte Kredite investieren, stattfinden sollte. Seip verwendet für letztere die Bezeichnung „Cash Plus“.

Die Gefahr von einzelnen Schließungen, wie sie bei reinen ABS-Fonds zu beobachten waren, scheint für Geldmarktfonds inzwischen gebannt zu sein. Der massenhafte Rückzug von Anlegern - europaweit flossen aus Geldmarktfonds im dritten Quartal rund 20 Milliarden Euro ab - soll sich inzwischen wieder beruhigt haben. Seit Jahresbeginn weisen Geldmarktfonds nach BVI-Angaben immer noch die höchsten Mittelzuflüsse unter allen Fondskategorien aus.

Quelle: F.A.Z., 22.12.2007, Nr. 298 / Seite 19
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Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

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