06.07.2006 · Von mehr als 9.000 Fonds liegen 65 Prozent seit Jahresbeginn im Minus. Besonders japanische Nebenwerte und türkische Aktien bereiteten im ersten Halbjahr keine Freude. China und Rußland liegen vorne. Gewinner ist aber ein Australienfonds.
Mit Investmentfonds konnte man seit Jahresbeginn bis zu 23 Prozent gewinnen - aber auch 36 Prozent verlieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von e-fundresearch.com, einem Wiener Informationsanbieter zum Thema Investmentfonds. Vorne liegen Fonds mit Aktien aus Australien, China oder Rußland. Japanische Nebenwerte und türkische Aktien sind dagegen unter den Verlierern.
Auf Sicht von einem Jahr lagen Ende Dezember nur 1,5 Prozent aller Fonds im Minus. Im ersten Halbjahr 2006 dagegen verloren 65 Prozent aller 9.152 untersuchten Fonds, die über eine Vertriebszulassung in Österreich, Deutschland oder der Schweiz verfügen, an Wert. Im Schnitt verloren sie seit Jahresbeginn 1,4 Prozent. Das ist immerhin noch weniger als der MSCI World Index, der 1,9 Prozent einbüßte.
China als Lichtblick
Nach Zahlen der Reuters-Tochter Lipper geht die rote Laterne der Fondsgruppen an japanische Nebenwerte, die im Schnitt knapp 20 Prozent verloren. Ohnehin zählten Fonds mit asiatischen Dividendenpapieren in den ersten sechs Monaten des Jahres zu den größten Verlierern. So verzeichneten auch Fonds mit taiwanischen, thailändischen, indischen und koreanischen Aktien deutliche Verluste. Wenig Glück hatten auch Anleger, die in den Biotechnologiesektor investierten. Diese Fonds büßten rund zwölf Prozent an Wert ein.
Im ersten Halbjahr gab es aber auch Lichtblicke. Fonds mit chinesischen Aktien gewannen nach Lipper-Daten rund 14 Prozent und belegen damit Platz eins. Anleger, die auf portugiesische Aktien und europäische Immobilienwerte gesetzt haben, können sich über ein Plus von jeweils gut zehn Prozent freuen. Damit rangieren diese beiden Produktgruppen auf dem zweiten und dem dritten Platz. Fonds mit deutschen Aktien retteten immerhin ein knappes Plus von rund einem Prozent und liegen damit in der Wertentwicklung im Mittelfeld. Etwas besser entwickelten sich Produkte, die in deutsche Nebenwerte investierten. Sie gewannen rund sechs Prozent.
„Immer wieder gute Anlagemöglichkeiten“
Der beste Fonds des ersten Halbjahres 2006 ist mit einem Plus von 23,6 Prozent der „Nestor Australien Fonds“, der in Nebenwerte aus Australien und Neuseeland investiert. Fondsmanager Detlef Kohlhase führt das gute Abschneiden auf die hohe Gewichtung im Bereich Bergbau und Edelmetalle zurück: „Die Kombination einer starken Rohstoff- und Goldgewichtung mit ausgesuchten australischen Industrie-Aktien hat sich gelohnt. Der starke Rohstoffmarkt ist aber noch nicht zu Ende, und auch in den nächsten Jahren rechnen wir mit weit überdurchschnittlichen Rohstoffpreisen“, zitiert e-fundresearch.com den Fondsmanager.
„Australiens Volkswirtschaft ist mehr denn je gegen mögliche Unsicherheiten im Welt-Finanzsystem abgeschirmt.“ Dazu trage vor allem der Staatshaushalt bei, der seit vielen Jahren signifikante Überschüsse erwirtschafte. Das habe dazu geführt, daß seit einigen Monaten die Staatsverschuldung bei null liegt. „Verbunden mit einem gesunden Pensions- und zumindest relativ gesunden Gesundheitssystem, über drei Prozent Wirtschaftswachstum und einer Bevölkerung, die den höchsten Investitionsgrad in Aktien weltweit hat, eröffnen sich in diesem Markt immer wieder gute Anlagemöglichkeiten“, sagte Kohlhase weiter (siehe auch: Australienfonds hängen an Asiens Rohstoffhunger).
Die großen Fonds hinken hinterher
Auf Platz zwei folgt mit dem „Callander Fund China Universe“ der erste China-Aktienfonds. Weitere China-Aktienfonds auf den vordersten Rängen sind der „Robeco Chinese Equites“, der „JF China“ und der „Baring Hong Kong China“ (siehe Tabelle mit den besten zehn Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind). Das einzige Osteuropa-Produkt unter den Top-Fonds ist dank seiner hohen Rußland-Gewichtung der „JI Eastern European Equity“ der dänischen Jyske Invest.
Das Abschneiden der per Ende Mai größten Fonds kann wohl nicht jeden Anleger überzeugen: Der 21,4 Milliarden Euro schwere „Fidelity Funds - European Growth“ erzielte 2,3 Prozent, das ist deutlich weniger als der MSCI Europe Index mit 5,2 Prozent. Der mit 18 Milliarden Euro zweitgrößte „Templeton Growth Fund“ verzeichnete sogar einen Verlust, der mit minus 1,8 Prozent aber dem des MSCI World Index (-1,9 Prozent) entspricht.
Fonds nehmen dem Anleger nicht jede Entscheidung ab
Was zeigen diese Zahlen den Anlegern? Fonds, die in einem Jahr sehr gut laufen, müssen im nächsten nicht vorne liegen. Türkeifonds etwa zählten 2005 zu den großen Gewinnern, im ersten Halbjahr 2006 finden sie sich auf der Verliererliste (siehe auch: Türkei-Interview: „Ich habe die Gegenbewegung unterschätzt“). Ähnliches gilt für japanische Nebenwerte (siehe auch: Japanische Nebenwerte unter Druck). Der chinesische Aktienmarkt dagegen bereitete den Anlegern jahrelang Sorgen, erst vor einigen Monaten durchbrach der Markt seinen Baissetrend (siehe auch: Technische Analyse: Chinas Aktienmarkt in guter Verfassung). Jetzt liegen diese Fonds vorne.
Fonds mit Nebenwerten oder Schwellenländern können sich also gut zum Geldverdienen eignen. Die Anleger dürfen ihre Fonds aber nicht aus den Augen verlieren - sonst verpassen sie den Ausstieg zur richtigen Zeit. Ein Fonds nimmt dem Anleger die Wahl ab, in welche Einzeltitel sie investieren sollen, nicht aber die Entscheidung, welche Märkte und welche Trends sich für welchen Zeitraum für ein Investment lohnen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |