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Welthandel Höhere Frachtraten zeugen nicht von Belebung

05.03.2009 ·  Zufällige Periode hoher Importe oder andauernde Tendenz? Die Raten für Trockenfrachten in der Seeschifffahrt haben sich deutlich erholt. Doch Fachleute warnen vor übereilten Schlüssen.

Von Arnd Hildebrandt
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Die Raten für Trockenfrachten in der Seeschifffahrt haben sich deutlich erholt, nachdem sie in der zweiten Hälfte vergangenen Jahres spektakulär gefallen waren. Vielerorts wird dies als Indiz für eine Belebung des Welthandels mit für die Industrie unentbehrlichen Rohstoffen gedeutet. Doch Fachleute warnen vor übereilten Schlüssen. Die Frachtraten bildeten sich vor dem Hintergrund sehr komplexer und nicht immer klar durchschaubarer Bedingungen, so dass einfache Antworten auf nennenswerte Veränderungen stets kritisch hinterfragt werden müssten.

Der international anerkannte Indikator für die Raten von Trockenfrachten ist der Baltic Dry Index (BDI) der Baltic Exchange in London, des führenden Handelsplatzes für Frachtraten auf der ganzen Welt. Der BDI hat über die Jahre hinweg außerordentlich starke Schwankungen vollführt. Das, was sich schließlich als größte Hausse aller Zeiten erwies, begann Ende 2002 bei einem Stand von rund 1000 Punkten. Zu dieser Zeit war China erstmals als großer Käufer von Industrierohstoffen, vor allem von Erzen aller Art, aufgetreten. Diese Hausse endete im Mai 2008 beim Rekordhoch des Index von rund 11.800 Punkten. Es folgte ein ungebremster Einbruch, der den BDI bis Anfang Dezember auf fast 660 Punkte abstürzen ließ. Zuletzt lag der Index bei mehr als 2000 Punkten.

Zufällige Periode hoher Importe oder andauernde Tendenz?

Die zurückliegende Erholung um rund 30 Prozent ist auf den ersten Blick zwar sehr beachtlich, doch erscheint sie im größeren Zeit- und Preisrahmen wenigstens aus markttechnischer Sicht eher gering. Analysten erklären, auf dem gegenwärtigen Stand befinde sich der BDI in der Nähe seines langjährigen Durchschnitts. Dies signalisiere Normalisierung, auch wenn er in nächster Zeit weiter steigen sollte. Die Verteuerung der Frachtraten in den zurückliegenden drei Monaten wird mancherorts vor allem damit begründet, dass China wieder Erze und Halbzeug kaufe. Überzeugende Beweise für diese These gibt es nach dem Urteil von Analysten allenfalls ansatzweise. Sie erinnern daran, dass die chinesischen Einfuhren von Monat zu Monat außerordentlich stark schwanken können und dass unter manchen Beobachtern die Neigung bestehe, aus einer eher zufälligen Periode hoher Importe auf eine andauernde Tendenz zu schließen.

Wenn von Trockenfrachten die Rede ist, wird häufig übersehen, dass es sich bei weitem nicht nur um Erze und Metalle handelt, sondern auch um Kohle sowie um Getreide und Ölsaaten, allesamt als Schüttgüter bezeichnet. Die dafür geeigneten Schiffe sind von sehr unterschiedlicher Größe, und auch ihre Reichweite differiert erheblich. Im Spätstadium der zurückliegenden Baisse hatten die Frachtraten Punkte erreicht, an denen vor allem kleine Schiffe nicht mehr kostendeckend fahren konnten und stillgelegt werden mussten. Mehr und mehr verlagerten sich die Transporte auf Schiffe von hoher Tonnage (Raumgehalt), deren Betriebskosten je beförderter Einheit geringer sind als bei kleinen Schiffen. Damit ist nach Darstellung von Fachleuten Frachtraum in beträchtlichem Umfang aus dem Verkehr gezogen und eine klassische fundamentale Voraussetzung für die seit Dezember beobachtete Erholung geschaffen worden.

Ausreichend Frachtraum?

Die extrem hohen Frachtraten der Jahre 2007 und 2008 haben bei den Reedern einen starken Anreiz geschaffen, neue Schiffe zu bestellen. Daneben wurden in großer Zahl ehemalige Öltanker zu Trockenfrachtern umgebaut, weil sie mit nur einer Hülle viele Häfen nicht mehr anlaufen durften. Die umgebauten Schiffe haben zu einem großen Teil eine vergleichsweise geringe Tonnage, so dass sie zu jenen zählen, die zum Ende der Baisse hin aus dem Betrieb genommen wurden.

Bei den 2007 und 2008 neu geplanten oder schon auf Kiel gelegten Schiffen handelt es sich zum Teil nur um Projekte, die wegen der internationalen Finanzkrise und den damit sehr erschwerten Finanzierungsbedingungen sowie wegen der Baisse der Frachtraten aufgegeben werden mussten. Auch dies hat nach Darstellung von Experten Abwärtsdruck aus dem Markt für Frachtraten genommen. Mit einer Belebung des internationalen Handels habe dies nichts zu tun.

Wenn sich allerdings die Weltwirtschaft wieder zu erholen beginne, werde sich wohl sehr rasch die Frage stellen, ob ausreichend Frachtraum zur Verfügung steht, um die dann anfallenden umfangreicheren Transporte zu einigermaßen stabilen Preisen bewältigen zu können, sagen Marktexperten. Manche von ihnen sehen daher auf zwei bis drei Jahre hinaus eine Wiederauflage der Hausse, auch wenn die in den Jahren 2007 und erst recht 2008 beobachteten Exzesse nicht unbedingt wiederkehren müssen.

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