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Wasser Viel Phantasie, wenig Rendite

12.02.2008 ·  Die meisten „Wasser-Zertifikate“ haben ihren Anlegern bislang keine positive Rendite beschert. Die Mehrzahl der Produkte dümpelt unter ihrem Ausgabepreis. Das Anlagethema bietet jedoch langfristig Perspektiven.

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„Die nächsten Kriege werden um Wasser geführt“, prophezeite Anfang der neunziger Jahre der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Boutros Boutros-Ghali. Vom Öl des 21. Jahrhunderts ist die Rede. Neben den bekannten Problemen in der afrikanischen Wasserversorgung leiden zunehmend auch Länder wie China, Australien, aber auch südeuropäische Staaten wie Griechenland oder Spanien unter einer mangelnden Wasserversorgung. Da Wasser noch nicht als Gut an den Terminmärkten gehandelt wird, suchen Banken und Anleger andere Wege, um von der Knappheit möglicherweise profitieren zu können.

Ausschließlich auf Aktien

So partizipieren „Wasser-Zertifikate“ an Indizes oder Aktienkörben, in denen Unternehmen enthalten sind, die besonders von Investitionen in eine bessere Wasserversorgung profitieren könnten. So gelten Unternehmen, die über eine Technik zu effizienterem Wassereinsatz, zu einer besseren Wasseraufbereitung, zur günstigeren Entsalzung und zur Reinigung von Schmutzwasser verfügen, als besonders attraktiv.

Viel Phantasie, wenig Rendite

Die Weltbank rechnet in den kommenden zehn Jahren mit insgesamt 600 Milliarden Dollar (rund 415 Milliarden Euro), die in die Wasserwirtschaft investiert werden sollen. In den meisten Ländern ist die Wasserversorgung noch überwiegend staatlich organisiert, die Leitungen sind oft marode, und der Investitionsstau ist erheblich.

Hohe Qualität, schwache Entwicklung

Dass die Wertentwicklung der Zertifikate bislang wenig erbaulich ist, liegt weniger an der Geldanlageidee, sondern vielmehr an der schwachen Wertentwicklung an den Kapitalmärkten an sich, da die Zertifikate ausschließlich in börsennotierte Aktiengesellschaften investieren. Die Ratingagentur Scope Analysis hat die Zertifikate unter die Lupe genommen und den meisten von ihnen hohe oder gar sehr hohe Qualität bescheinigt.

Lobend hervorgehoben werden flexible Investitionsansätze. So setzt die DWS Go mit ihrem Wasser-Aktiv-Index auf die Leistungsfähigkeit ihrer Fondsexperten. Diese können je nach Marktlage einzelne Aktien aus dem Index nehmen und andere dafür aufnehmen. Auch die Gewichtung der einzelnen Unternehmen ist flexibel. Im Januar hatte das amerikanische Wassertechnikunternehmen Layne Christenesen das größte Gewicht, der französische Energieversorger Veolia und das japanische Wassertechnikunternehmen Kurita Water Industries folgten auf den weiteren Plätzen. Mit 48 Euro kostet das Zertifikat derzeit 2 Euro weniger als zur Emission vor knapp einem Jahr.

Auch für Schwellenländerwerte

Etwas weniger flexibel ist das Zertifikat der Société Générale auf den World Water Index (Wowax). Der Index besteht aus 20 Werten und wird nach festen Kriterien einmal im Halbjahr angepasst. Der Index umfasst die jeweils größten Unternehmen der Bereiche Wasserversorgung, Wasserinfrastruktur und Wasserreinigung und wird vom unabhängigen Schweizer Vermögensverwalter Sustainable Asset Management (SAM) zusammengestellt.

ABN Amro lässt für sein „Wasser-Zertifikat“ Standard & Poor's den Custom Water Index berechnen. Auch hier finden sich große Energieversorger wie die französischen Firmen Veolia und Suez, aber auch eine Reihe kleinerer Wasserspezialisten wie zum Beispiel die brasilianische Sabesp.

Den Schwerpunkt auf die Wasserversorgung in China legt ein Zertifikat von Goldman Sachs, das erst seit wenigen Wochen auf dem Markt ist. China gilt bereits jetzt als ein Land, in dem rund ein Drittel der Städte Probleme mit einer vernünftigen Wasserversorgung hat. Wegen des starken wirtschaftlichen Wachstums und der zunehmenden Verstädterung deutet vieles auf eine weitere Verschärfung des Problems hin. Das Zertifikat basiert auf dem Themax China Water Index. Darin enthalten sind zehn Aktiengesellschaften, die an den Börsen in Hongkong oder Singapur notiert und in chinesischen Wasserprojekten engagiert sind.

Quelle: dmoh/ F.A.Z., 12.02.2008, Nr. 36 / Seite 20
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