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Wandelanleihen Offensive Anlage mit defensivem Charakter

29.06.2006 ·  In unsicheren Zeiten können Wandelanleihen reizvoll sein. Denn sie sind eine Kombination aus defensiven Rentenpapieren mit aggressivem Optionscharakter. Er zeigt sich bei steigenden Börsen vor allem im Kurspotential nach oben.

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Die Zeiten an den Börsen sind in den vergangenen Monaten volatiler geworden als in den Monaten zuvor. Steigende Zinsen und nicht zuletzt auch Inflationssorgen führen zu einer zunehmenden Abkehr von risikoreichen Anlagen.

Noch ist offen, wie lange dieser Prozeß anhalten und wie weit er führen wird. Fakt ist jedoch, daß die Zinsen im langfristigen Vergleich noch tief sind und daß die Geldmengen in weiten Teilen der Welt groß sind und zum Teil rasant wachsen. Um zu vermeiden, daß sie die Vermögenspreise - zum Beispiel die der Immobilien - weiter nach oben treiben oder gar stärker als bisher auf die eng definierten Preisindizes durchschlagen, dürften die Zentralbanken zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sein. Insbesondere in Europa und Asien.

Wandelanleihen: Rentenpapiere mit Optionscharakter

Aus diesem Grund dürfte die gegenwärtige Verunsicherung der Anleger noch ein Weile anhalten können. Fragen sie sich, wie sie damit umgehen sollten, so werden sie verschiedene Antworten erhalten. Eine Möglichkeit, sich defensiver zu positionieren, bietet der Kauf von gut gewählten Wandelanleihen oder von gut verwalteten Fonds, die in diesem Bereich investieren.

Denn Wandelanleihen sind eine Mischung aus Aktien und Anleihen, die in ihren Merkmalen vorteilhaft miteinander verknüpft sind. Auf der einen Seite bietet sie den Anlegern ein hohes, aktienähnliches Kurspotential bei steigenden Aktienkursen. Auf der anderen Seite sind die Risiken bei fallenden Börsen stark beschränkt.

Wandelanleihen sind zunächst festverzinsliche Anleihen mit entsprechendem Charakter. Das heißt, die Wertentwicklung hängt zunächst von der Laufzeit, der Bonität des Schuldners, dem Kupon und vor allem auch von der Zinslandschaft an den Kapitalmärkten ab. Ist der Schuldner zahlungskräftig, so wird sich das Papier am Ende der Laufzeit immer der Marke von 100 Prozent des Nominalwertes nähern.

Neben dem Recht auf Verzinsung bieten Wandelanleihen dem Anleger auch die Möglichkeit, die Papiere in einem bestimmten Verhältnis und zu einem bestimmten Kurse in Aktien eines Unternehmens zu tauschen. Das wird natürlich um so interessanter, je besser sich der Aktienkurs des relevanten Unternehmens entwickelt. In diesem Sinne enthält eine Wandelanleihe einen Optionscharakter.

In Konsequenz erweitert sich auch die Anzahl der Faktoren, die bei ihrer Bewertung eine Rolle spielen. Denn plötzlich spielen auch Aktienkurse und Volatilitäten eine Rolle. Je besser sich die Aktie entwickelt und je höher die Volatilitäten sind, desto mehr wird die Wandelanleihen wert werden. Auf der anderen Seite kann sie jedoch nicht unter eine bestimmte Marke fallen, da die Anleihe, sofern sie nicht durch Wandlung erlischt und sofern der Schuldner zwischenzeitlich nicht insolvent wird, am Ende immer zu voll zurückbezahlt werden wird. Diese Kombination scheint ideal zu sein für unsichere Zeiten, lediglich die höhere Volatilität spricht dagegen.

Optionscharakter zeigt sich vor allem im Kurspotential nach oben

Das Kurspotential zeigte sich in den vergangenen Monaten am Beispiel der Wandelanleihe von Adidas mit der Isin DE0009038968. Sie läuft bis ins Jahr 2018, bietet einen Kupon von 2,5 Prozent pro Jahr und bietet die Möglichkeit, einen Nominalwert von 50.000 Euro in 1.960,78 Aktien zu wandeln. Das führt zu einem Wandlungsverhältnis von 25,5 Euro. Da die Aktie inzwischen jedoch bei 37,14 Euro liegt, ist das Wandlungsrecht entsprechend viel wert und hat auch bei den Wandelanleihen zu einem Kursaufschwung geführt. Das Papier liegt am Donnerstag bei Kursen von 149 Prozent, nachdem es zwischenzeitlich Werte von bis zu 174 Prozent erreicht hatte. Diese Performance kann sich sehen lassen, wenn man sie mit den Kursverlusten vergleicht, die konventionelle Anleihen in den vergangenen Monaten zum Teil hinnehmen mußten.

Ähnlich wie Optionen sollte man jedoch Wandelanleihen sorgfältig auswählen. Interessant sind jene Papiere von soliden Schuldnern, deren Wandlungspreis nahe am Aktienkurs der relevanten Aktien liegen. Liegt der Aktienkurs stark darunter, kommt der Anleihencharakter des Papiers in seiner defensiven Form zum Tragen, liegt er dagegen stark darüber, wird die Wandelanleihe vom Charakter her immer mehr zur Aktie. Mit entsprechenden Chancen und Risiken. Interessant dürfte die Strategie sein, gut laufende Papiere immer wieder in solche zu tauschen, bei denen der Hybridcharakter ausgeprägter ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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