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Walter Berchtold, Vorstandsmitglied der Credit Suisse „Die Kunden sind relativ ruhig geblieben“

24.07.2010 ·  Der Kauf einer CD und Razzien deutscher Steuerfahnder setzen die Schweißer Großbank und ihre Kunden unter Druck. Walter Berchtold, Private-Banking-Vorstand, sieht sein Haus gegen alle Nachforschungen gewappnet.

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Herr Berchtold, wackelt Ihr Geschäft in Deutschland nach dem Kauf der Steuer-CD und der Razzia in den Filialen?

Die Kunden sind relativ ruhig geblieben. Wir haben zumindest bis zu den Durchsuchungen alles in allem in diesem Jahr ja einen Neugeldzufluss in Deutschland verzeichnet sowie neue Kunden gewonnen. Mich überrascht das nicht. Mit unserer Kompetenz sind wir in Deutschland insbesondere für vermögende Anleger interessant, die private und geschäftliche Dispositionen zu treffen haben. Diese Kompetenz wird uns auch von Dritten durch Auszeichnung für unsere Expertise und Dienstleistungqualität attestiert.

Wie stehen Sie denn in Deutschland da?

Nach einer längeren Aufbauphase hatten wir 2006 die Gewinnschwelle erreicht. 2009 lagen wir allerdings darunter.

Im Mittelpunkt der Razzia stand auch der Verdacht einer systematischen Beihilfe zur Steuerhinterziehung durch Mitarbeiter der CS. Ein Problem für Sie?

Unser Geschäftsmodell richtet sich nach lokalen Regeln und Gesetzen, hier gibt es keinen Spielraum. Neben den üblichen Lizenzen besitzen wir im Private Banking in Deutschland auch einen sogenannten Freistellungsbescheid der Bafin - wohlgemerkt als eine der ersten ausländischen Banken. Dies bedeutet, dass wir über die Tochtergesellschaft in Deutschland aktiv auch Neukunden in die Schweiz vermitteln dürfen. Dabei handelt es sich um einen völlig transparenten Prozess. So werden vermittelte Kunden durch unsere Bank in Deutschland registriert, und deren Namen sind für die deutschen Behörden einsehbar.

Verstehen die Steuerfahnder die Natur des „Onshore Banking“?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Steuerfahnder unser Geschäftsmodell nicht kennen. Ich glaube, sie haben die Durchsuchungen begonnen in der Hoffnung, in dem umfangreichen Material am Ende irgendetwas zu finden, das weitere Nachforschungen ermöglicht.

Also handelt es sich um Nadelstiche gegen das Bankgeheimnis?

Als ein Motiv ist dies sicher denkbar. Klar ist, wer etwas durchsetzen will, geht zuerst gegen die Großen vor. Das gilt für große Finanzplätze wie die Schweiz ebenso wie für deren Banken.

Haben die Großbanken nicht im Stillen den Widerstand gegen den automatischen Informationsaustausch mit der EU schon aufgegeben?

Letztlich bin ich Schweizer und damit für das Bankkundengeheimnis und den Schutz der Privatsphäre, für die es steht. Mit einer Abgeltungsteuer, wie sie unser Bankenverband vorschlägt, könnten wir der Steuerehrlichkeit Genüge tun und zugleich die Privatsphäre der Kunden wahren. Sie umfasst ja den ganzen Bereich der persönlichen Lebensgestaltung. Das darf aber nicht dazu benutzt werden, unversteuerte Gelder anzuziehen. Die EU sollte anerkennen, dass wir unser eigenes Rechts- und Gesellschaftssystem haben. Der automatische Informationsaustausch ist daher kein gangbarer Weg. Hier bin ich für die laufenden Verhandlungen zur Ausfüllung des Doppelbesteuerungsabkommens mit Deutschland sehr zuversichtlich.

Pflegen Sie noch Kundenkontakte aus der Schweiz heraus?

Wir achten peinlich genau darauf, dass dies im Einklang mit den Vorschriften der jeweiligen Länder geschieht. Für jeden unserer Zielmärkte existieren detaillierte Handbücher. Darüber hinaus müssen sich unsere Kundenberater einer Schulung mit abschließender Zertifizierung unterziehen. Sie haben dann die Vorschriften sozusagen verinnerlicht. Ich nenne Ihnen Beispiele für Deutschland. Neukunden dürfen nur von Mitarbeitenden der Credit Suisse in Deutschland angeworben werden. So darf ein Kundenberater aus der Schweiz ohne Einbezug eines Kollegen vor Ort keine potentiellen Kunden in Deutschland anwerben. Bei bestehenden Kunden darf er deren Anweisungen ausführen, er darf auch für Deutschland geeignete Aktien- und andere Finanzmarktanalysen an Kunden in Deutschland versenden. Beihilfe zur Steuerhinterziehung ist genauso verboten wie Beihilfe zur Kapitalflucht oder Geldwäsche.

Welche Informationen haben Sie über die Steuer-CD?

Wir wissen nur über gewisse Kunden, dass sich darauf Daten der Credit Suisse befinden sollen. Zu den Behörden haben wir im Zusammenhang mit der CD bisher keinen direkten Kontakt gehabt.

Wenn alles in Ordnung ist und die Steuerfahnder mit gestohlenen Daten hantieren, warum klagen Sie dann nicht wegen Geschäftsschädigung?

Ich denke, es wäre nicht gut, auf Druck nun mit Gegendruck zu antworten. Wir haben ja kein gestörtes Verhältnis zu Deutschland. Letztlich obsiegt die Qualität. Und da müssen wir die Konkurrenten nicht fürchten. Wir sollten uns also durch solche Störfeuer nicht von unserem Weg abbringen lassen.

Hat das grenzüberschreitende Geschäft noch eine Zukunft?

Ich will zunächst die Größenverhältnisse klarstellen. Ungefähr 40 Prozent des Neugelds, das wir anwerben können, werden in der Schweiz gebucht. Das sind Schweizer und ausländische Kunden. Aus Westeuropa kamen in den letzten Jahren weniger als 5 Prozent des in der Schweiz gebuchten Neugelds. Man sollte sich durch die jüngsten moderaten Abflüsse seitens deutscher Kunden nicht beirren lassen. Mit seiner Kompetenz, der Dienstleistungsqualität, dem Zugang zu den großen Märkten rund um die Welt, seinem praxisnahen Anlegerschutz und seiner Rechtssicherheit besitzt der Finanzplatz Schweiz weiterhin überragende Vorteile.

Wie stark sind Singapur und Hongkong?

Richtig ist, dass die Asiaten in zunehmendem Maße ihr Geld dort anlegen. Aber der Finanzplatz Schweiz kann immer noch bestens mithalten.

Das Gespräch führte Jürgen Dunsch.

Quelle: F.A.Z.
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