05.09.2008 · Schwache Zahlen des amerikanischen Lebensmittelkonzerns ConAgra deuten auf die Probleme der Branche bei der Weitergabe steigender Rohstoffkosten an den Endverbraucher hin.
Von Ben StevermanDie Zeiten für die Lebensmittelbranche sind hart. Nie zuvor waren die Rohstoffe für Lebensmittelunternehmen teurer. Steigende Bezugskosten für landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Milch, Weizen oder Mais zwangen viele Lebensmittelhersteller zur Anhebung ihrer Verkaufspreise. Und in einer Zeit gesteigerten Preisbewusstseins scheinen diese höheren Preise bei vielen Verbrauchern auf Widerstand zu stoßen.
Doch nicht alle Unternehmen der Lebensmittelbranche sind von diesen Problemen gleichermaßen betroffen. Am 3. September sank die Aktie von ConAgra Foods um 8,5 Prozent, nachdem der Lebensmittelkonzern eine Gewinnwarnung für sein am 25. August beendetes erstes Quartal 2009 bekannt gab. Die Gewinne werden „leicht unterhalb“ der bisherigen Prognose von 0,26 bis 0,28 Dollar je Aktie liegen, warnte das Unternehmen, wobei die Gewinneinbußen auf das Konto seines Consumer-Foods-Geschäfts gehen.
Das Management von ConAgra sagte die Teilnahme an einer am 3. September angesetzten Investorenkonferenz ab, „da das Unternehmen derzeit das Ausmaß der Auswirkungen dieser Underperformance des Consumer-Foods-Geschäfts auf den Gesamtjahresausblick bemesse“. Dies schürte bei einigen Analysten die Befürchtung, dass das Unternehmen auch seine Gewinnprognosen für die kommenden Quartale senken könnte.
Gute Nachrichten von Kraft Foods
Eine weitere am 3. September von einem großen Lebensmittelkonzern veröffentlichte Mitteilung wurde von Investoren dagegen freundlicher aufgenommen: Kraft Foods bestätigte seine Gewinnprognose für 2008, gab jedoch bekannt, dass die Abspaltung seiner Frühstücksflocken-Sparte Post zu einer Verringerung des Gewinns je Aktie um voraussichtlich vier Cent führen werde. Die Aktie von Kraft gab daraufhin lediglich 0,25 Prozent nach.
Diese unterschiedlichen Reaktionen des Aktienmarktes verdeutlichen, dass ConAgra mit Problemen ringt, denen sich Kraft nicht ausgesetzt sieht. Die Meldung von ConAgra schmeckte den Investoren nicht, weil sie vage formuliert war und nur neun Wochen auf die letzte Gewinnprognose des Unternehmens folgte. Dies lässt Zweifel an ConAgras Management, insbesondere an Konzernchef Gary Rodkin, aufkommen. „Nach unserer Überzeugung wird Rodkins Glaubwürdigkeit auf eine harte Probe gestellt werden“ schrieb Robert Moskow, Analyst bei Credit Suisse. „Das Managementteam ist zwar talentiert, neigte in der Vergangenheit jedoch des Öfteren dazu, die Qualität seiner Marken und Vermögenswerte zu überschätzen.“
ConAgras Markenportfolio umfasst unter anderem Banquet, Chef Boyardee, Egg Beaters, Healthy Choice, Hebrew National, Hunt's, Marie Callender und Orville Redenbacher. Nach Angaben des Unternehmens waren „Speiseöle, Streichfette/Brotaufstriche, Tiefkühlprodukte der Marke Banquet sowie Popcorn“ für die Underperformance verantwortlich.
Verbraucher wechseln zu günstigeren Handelsmarken
Ein zweites Problem für ConAgra bestehe laut Morningstar-Analyst Greggory Warren darin, dass viele der ConAgra-Marken „zweit- oder drittklassig“ seien. Bei einer geringeren Popularität der Marken sind die Verbraucher weniger bereit, Preissteigerungen hinzunehmen. Preisbewusste Verbraucher wechseln dann einfach zu den günstigeren Handelsmarken der Supermärkte. Bei Preisanhebungen „ist es immer schwierig vorherzusagen, wie der Kunde darauf reagieren wird“, sagt Warren.
Für andere Unternehmen ist dies wiederum weniger problematisch. Warren nennt General Mills, HJ Heinz und Kellogg als Beispiele von Lebensmittelunternehmen, die besser aufgestellt seien, um gestiegene Kosten mittels Preiserhöhungen an die Verbraucher weiterzureichen. „Unternehmen mit schwachen Marken in hochgradig substituierbaren Produktkategorien werden in diesem von Inflationsdruck geprägten schwierigen Marktumfeld den Kürzeren ziehen“, so Moskow.
Der in letzter Zeit eingetretene Preisrückgang bei vielen Agrarrohstoffen nährt die Hoffnung, dass Lebensmittelunternehmen nach dem Durchsetzen von Preiserhöhungen nun von höheren Gewinnmargen profitieren können.
Unternehmen mit starken Marken sind jedoch sowohl bei sinkenden als auch bei steigenden Beschaffungskosten im Vorteil. In den zurückliegenden Jahren seien Supermärkte mit ihren Handelsmarken in scharfe Konkurrenz zueinander getreten, so Warren. Sie dürften daher auf sinkende Bezugskosten rasch mit aggressiven Preissenkungen reagieren. Bei Produkten mit starken Marken werden die angehobenen Preise wahrscheinlich beibehalten, während Unternehmen bei anderen Produkten nicht umhin kommen dürften, die Preise zu verringern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach Einschätzung von Warren könnte sich etwa Kraft gezwungen sehen, seine Preise für Käse und andere Molkereierzeugnisse zu senken, während andere Produkte des Konzerns besser positioniert seien.
Für Investoren sind die Schwankungen der Rohstoffpreise bei der Anlage in Lebensmittelunternehmen indes nicht der einzige ausschlaggebende Faktor. ConAgra hat beispielsweise am 23. Juni das Volumen seines Aktienrückkaufprogramms auf eine Milliarde Dollar verdoppelt, während Kraft sein Markenportfolio durch Käufe und Verkäufe anpasst, Kostensenkungen vornimmt und sich auf die Erweiterung seines internationalen Geschäfts konzentriert.
Die jüngste Meldung von ConAgra zeigt jedoch, dass die volatilen Rohstoffmärkte die Branche weiterhin auf unvorhergesehene Weise erschüttern und den Appetit der Investoren auf Aktien der großen Lebensmittelkonzerne zügeln.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |