03.11.2004 · Vor vier Jahren brachte ein Wahlpatt der Wall Street herbe Verluste. Deshalb hoffen die Anleger jetzt auf einen klaren Sieger. Welche Kurswirkungen die Börsianer sonst noch von den Wahlen erwarten, zeigt ein FAZ-NET-Spezial.
Der Wahlkampf in Amerika war lang, doch nun geht auch dieser Marathon zu Ende. Nach langer Vorlaufphase wird jetzt endlich über den neuen Präsidenten abgestimmt. Bleibt nur zu hoffen, daß ein Kandidat aus der Abstimmung auch als eindeutiger Sieger hervorgeht.
Denn zumindest für die parteiunabhängigen Börsianer geht es nicht primär darum, ob Kerry oder Bush gewählt wird. Dafür sind schließlich die inhaltlichen Unterschiede auch zu gering. Die schlechteste aller denkbaren Lösungen wäre aus Sicht unpolitischer Börsianer vielmehr eine Hängepartie. Insbesondere dann, wenn ein solches Ergebnis mit Pannen bei der Stimmauszählung und einer Klagewelle einherginge.
Den Umfragen zufolge liegen der republikanische Amtsinhaber George W. Bush und sein demokratischer Herausforderer John Kerry fast gleichauf in der Wählergunst, so daß wie vor vier Jahren ein Patt durchaus als realistische Option erscheint.
Die Börsianer mögen keine Unsicherheit
Zur Erinnerung: Bei der Abstimmung vor vier Jahren hatten Nachzählungen und gerichtliche Auseinandersetzungen um den Wahlausgang zu Kurseinbrüchen geführt. Zwischen dem Wahltag und dem gerichtlichen Bestimmung des Wahlsiegers ging es beispielsweise mit dem Nasdaq Composite Index um über 14 Prozent nach unten. Nennenswerte Aufschläge konnten in dem Zeitraum lediglich defensive Branchen wie die Versorger verbuchen und natürlich das Gold als Hort der Sicherheit.
Ein Wahlpatt ist deshalb wenig vorteilhaft, weil er Unsicherheit bedeutet. Und Unsicherheit ist das, was die Börsianer bekanntlich am meisten hassen. Bleibt nur zu hoffen, daß uns eine Zitterpartie erspart bleibt. Denn erstmals seit langem unternehmen einige Aktienindizes an der Wall Street derzeit Versuche, aus den vorherrschenden Seitwärtstrends nach oben auszubrechen. Wenn überhaupt, wird das aber nur mit klaren politischen Verhältnisse gelingen.
Wahlausgang hat so oder so nur temporäre Kurseffekte
Einfluß hat das Wahlergebnis aber natürlich nicht nur auf den Aktienmarkt, sondern auch auf den Devisen- und Rentenmarkt. So war es seit 1980 stets so, daß der Dollar nach der Wahl zunächst etwas zulegen konnte. Von einer derartigen Reaktion gehen Beobachter auch dieses Mal wieder aus, allerdings nur, wenn eine Pattsituation ausbleibt, weil sonst wegen der besagten Unsicherheit mit neuem Druck auf den Dollar gerechnet wird.
Aber auch bei einem Pattergebnis wird es früher oder später einen Sieger geben. Und deshalb macht es für langfristig orientierte Anleger nur bedingt Sinn, sich zu sehr mit dem Einfluß der Wahlen in Amerika auf die Kursfindung zu beschäftigen. Trotzdem gehört genau das anscheinend zu den liebsten Übungen vieler Marktteilnehmer. Mehr zu den Ergebnissen dieser Denkansätze findet sich rechts in den zum Spezial gehörenden Beiträgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |