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Vietnam Wieder Chancen

23.04.2008 ·  Der südostasiatische Staat könnte ein neues Tigerland werden. Wegen des rasanten Wirtschaftswachstums und guter Perspektiven vermuten einige Analysten sogar, vietnamesische Aktien seien stark unterbewertet. Privatanlegern wird jedoch zur Vorsicht geraten.

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Der vietnamesische Aktienmarkt gelangt nach zwei sehr bewegten Jahren wieder in ruhigeres Fahrwasser. Dies könnte nach Meinung von Anlagestrategen eine Möglichkeit bieten, sich langsam an einem Markt zu engagieren, der gute Chancen habe, sich als „erwachender asiatischer Tiger“ zu erweisen.

Die spekulative Blase, die sich Mitte 2006 zu bilden begann und Anfang 2007 ihren Höhepunkt erreichte, bevor sie sich über Monate hinweg verflüchtigte, kann nach dem Urteil einer wachsenden Zahl von Analysten als weitgehend aufgelöst gelten. Manche behaupten angesichts vermuteter ausgezeichneter wirtschaftlicher Perspektiven sogar, vietnamesische Aktien seien bereits stark unterbewertet.

Große Hoffnung, hohe Risiken

Doch im gleichen Atemzug warnen sie durchschnittliche Anleger eindringlich davor, sich direkt in diesen Papieren zu engagieren. Zum einen sei der Aktienmarkt dort in hohem Maße intransparent und wenig liquide. Zum anderen bestehe keine staatliche Regulierung des Börsengeschehens, die sich auch nur entfernt mit westlichen Standards messen könne. Folglich wird empfohlen, Kapital in vietnamesischen Aktien nur über Fonds anzulegen, die sich als Kenner der Verhältnisse dort ausweisen können und die das kritische Jahr 2007 vergleichsweise ungeschoren überstanden haben.

Die Börse in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, ist erst am 28. Juli 2000 eröffnet worden. An diesem Tag wurde auch der Vietnam Stock Exchange (VN-Index) mit einem Basiswert von 100 Punkten aus der Taufe gehoben. Es handelt sich um einen nach der Börsenkapitalisierung aller dort offiziell notierten Titel gewichteten Index.

Aktienhandel unter der Theke

„Offiziell“ hat hier eine große Bedeutung, denn es wird behauptet, es gebe einen grauen Aktienmarkt, der um ein Mehrfaches größer sei als der reguläre. Dies erinnert an die „Bucket Shops“ aus der Frühgeschichte des amerikanischen Aktienmarktes, die sich durch Manipulationen und Betrügereien auszeichneten und erst in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beseitigt wurden.

Eine Lockerung der Kapitalverkehrsbeschränkungen sorgte Anfang 2006 für einen deutlichen Zustrom ausländischen Anlagekapitals nach Vietnam. Gegenwärtig sollen etwa 20 Prozent der Umsätze an der offiziellen Börse auf Ausländer entfallen, wovon der überwiegende Teil dem institutionellen Lager zugerechnet wird.

Eine exponentielle Hausse und ihr Ende

Mit dem leichteren Zugang ausländischen Kapitals vor gut zwei Jahren begann auch der VN-Index abzuheben. Innerhalb weniger Monate zog er um mehr als 100 Prozent auf gut 600 Punkte an, um sich bis zum Beginn des zweiten Halbjahres wieder zu halbieren. Es folgte eine zunächst langsame, dann aber exponentielle Züge annehmende Hausse, die den VN-Index gegen Ende des Winters 2007 auf fast 1200 Zähler trieb.

Während vor allem vietnamesische Privatanleger geradezu blindlings kauften, nutzten viele Unternehmen dort die Hausse für einen Börsengang und/oder Kapitalerhöhungen. Letzteres brach schließlich die Aufwärtsbewegung. Von da an ging es in drei Wellen bis Ende März 2008 bergab auf rund 500 Punkte.

Hohe Wachstumsraten erwartet

Den Hintergrund optimistischer Prognosen zur weiteren Entwicklung des vietnamesischen Aktienmarktes bildet die Erwartung, dass die Wirtschaft des Landes in den kommenden Jahren mit realen Raten wächst, wie sie neben anderen Schwellenländern China verzeichnen konnte und noch kann. Dabei wird vorausgesetzt, dass sich das kommunistisch regierte Land dem Kapitalismus zunehmend öffnet, indem es besonders den Kapitalverkehr mit dem Ausland weiter lockert und immer weitere Staatsunternehmen privatisiert.

Goldman Sachs zum Beispiel schätzt, dass das Bruttoinlandsprodukt bis 2020 um durchschnittlich 8 Prozent im Jahr expandieren kann. Es bestehe ein erhebliches Produktivitätspotential. Vietnam mit seiner Bevölkerung von rund 84 Millionen Menschen und einem überdurchschnittlich hohen Anteil junger Bürger importiert in großem Umfang Industriemaschinen und -ausrüstung, Stahl sowie Rohölprodukte. Andererseits ist es aber auch Exporteur von Rohöl, Bekleidung und besonders von Kaffee.

Wirtschaftspolitische Fragezeichen

Als hilfreich für den Außenhandel gilt, dass das Land seit dem 1. Januar 2007 Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) ist. Zu den für Anleger wichtigen Risiken zählt nach Meinung von Experten die Inflation, die im Zuge des rasanten Wachstums und zunehmender Ansprüche der Verbraucher auch sehr stark anziehen könnte.

Die Regierung und die Zentralbank müssten erst noch beweisen, dass sie die richtigen fiskalischen und monetären Mittel anwenden könnten, um auf solidem, von geringer Teuerung begleitetem Wachstumspfad zu bleiben, heißt es im Lager der Skeptiker.

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