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Geldanlage : Immobilien für alle

Das Bauprojekt Wave in Berlin soll durch Crowdinvesting finanziert werden. Bild: Bauwerk Capital

Viele Anleger stecken ihr Geld in Crowdinvesting in Immobilien. Die Branche will weiter wachsen und als Finanzierungsform und Geldanlage keine Randerscheinung bleiben.

          Mancher Boom findet im Verborgenen statt. Rund 46 Millionen Euro haben deutsche Anleger im ersten Halbjahr über das Internet in kleinen Beträgen in Immobilien gesteckt, mehr als im gesamten Vorjahr und zweieinhalbmal so viel wie 2015. Das Wachstum ist also beachtlich.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von einem Boom will man in der Branche zwar nicht so richtig reden. „Immobilien-Crowdinvesting wächst und ist ein vielversprechendes Pflänzchen der modernen Finanzierung. Das Gesamtvolumen ist im Vergleich zu den Immobilienfinanzierungen durch Banken, Sparkassen und Versicherungen immer noch gering“, sagt etwa Simon Brunke, Vorstand der Plattform Exporo, mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent derzeit die größte Plattform in Deutschland. „Wir freuen uns natürlich über die positive Entwicklung – dennoch reden wir hier über ein vergleichsweise geringes Volumen. Das Transaktionsvolumen am deutschen Immobilien-Investmentmarkt wird dieses Jahr 65 Milliarden Euro betragen“, sagt Andrea Kummermehr von der Plattform Bergfürst.

          Verwunderlich ist der Zustrom kaum

          Immobilienanlagen bleiben im Niedrigzinsumfeld beliebt, und die Crowd-Projekte bieten Renditen von fünf bis sieben Prozent. „Außerdem sind Bauprojekte relativ einfach zu verstehen. Anleger können selbst einschätzen, ob sie ein Immobilienprojekt überzeugend finden oder nicht. Das schafft ein gewisses Vertrauen, das abstrakte Finanzprodukte nicht so leicht bekommen“, sagt Volker Wohlfarth, Geschäftsführer der viertgrößten Plattform Zinsbaustein.

          Die Projekte konzentrieren sich dabei sehr stark auf Berlin und Hamburg. Darüber, ob in diesen „A-Städten“ die Preise schon zu weit gestiegen sind, gehen die Meinungen der Plattformen auseinander. Während etwa Carl von Stechow von der zweitgrößten Plattform Zinsland die Metropolen für ausgereizt bis überteuert hält, verweist Brunke auf den knappen Wohnraum. Es gebe dort immer noch ein gesundes Potential. „Berlin hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Preisanstieg verzeichnet“, sagt Michael Stephan von der Plattform iFunded. „Das ist aber vor allem einem Aufholprozess geschuldet.“

          Letztlich, heißt es von den Investing-Plattformen, sei immer die Qualität des einzelnen Projekts ausschlaggebend. Insofern kommt dem Selektionsprozess der Plattformen besondere Bedeutung zu. Das umso mehr, als nicht nur die Nachfrage boomt. Etwa 100 Anfragen von Projektentwicklern habe man derzeit im Monat, sagt Zinsland. Das seien 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

          Keine der Plattformen vermag aktuell zu bestätigen, dass die Qualität der Projekte abnimmt, selbst wenn Stephan perspektivisch befürchtet, dass man „auch den einen oder anderen Ausfall in dem Segment erleben wird“. Davon sind die Anleger bislang verschont geblieben. „Wenn die Crowdinvesting-Plattformen ihre Hausaufgaben machen, verändert sich das Risiko-Ertrags-Verhältnis nicht“, sagt von Stechow. Derzeit sei die Anlageform auch noch viel zu unbedeutend. Man müsse im Gegenteil dafür sorgen, noch bekannter zu werden.

          Qualitätsmanagement ist wichtig

          Qualitätsmanagement verstehen die Plattformen als lebenswichtige Aufgabe. „Wenn irgendein Crowdinvesting-Projekt in Deutschland scheitert, wäre das ein ziemlicher Hieb für die gesamte Branche“, sagt Wohlfarth. „Es ist absolut wichtig für uns und auch den Markt, dass wir uns keine ,faulen Eier‘ ins Nest legen“, pflichtet Brunke bei. „Also hat die Due Diligence, die Projektauswahl, einen sehr hohen Stellenwert.“ Dass eine Staatsanwaltschaft gegen Verantwortliche zweier Projekte in einem anderen Fall ermittelt, kann der Branche daher gar nicht gefallen (siehe F.A.Z. vom 12. Juli).

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