Home
http://www.faz.net/-gvf-qecs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Versorgung Blaues Gold für das Depot

08.06.2005 ·  Wasser, eines der wertvollsten Güter überhaupt, droht knapp zu werden. Und was rar ist, hat bekanntlich seinen Preis. Bisher gibt es nur wenige Anlagemöglichkeiten in der Branche.

Artikel Lesermeinungen (0)

Wasser, eines der wertvollsten Güter überhaupt, droht knapp zu werden. Und was rar ist, hat bekanntlich seinen Preis. Als großer Nutznießer des erwarteten Preisschubs gilt auf lange Sicht die Wasserbranche - in all ihren Facetten. Anleger, die auf diese Kursphantasie setzen wollen, finden neben zahlreichen Aktien dieser Branche auch Wasserfonds und -zertifikate.

Weltweit steigt die Nachfrage nach Wasser. Die Vorräte an nutzbaren Vorkommen sind jedoch begrenzt. Nicht umsonst wird Wasser inzwischen als "blaues Gold" oder "Öl des 21. Jahrhunderts" bezeichnet. Denn obgleich die Erde zu mehr als zwei Dritteln mit Wasser bedeckt ist, kann nur ein geringer Teil als Trinkwasser genutzt werden. Denn 97 Prozent des Vorkommens sind salziges Meerwasser. Gut 2 Prozent sind in den Polkappen und den Gletschern als Eis gebunden. Von dem verbleibenden knapp einem Prozent Süßwasser ist ein guter Teil verschmutzt. Während Wasser in den Industrieländern noch reichlich vorhanden ist, ist es in den Entwicklungsländern Mangelware.

Wasserverbrauch in 100 Jahren verneunfacht

Der Verbrauch an Wasser hat sich aber in den vergangenen 100 Jahren aufgrund des Bevölkerungswachstums und der Industrialisierung verneunfacht. Ein Halbleiterproduzent verbrauche ganze 400000 Liter in der Stunde, beschreibt Hans Peter Portner, Fondsmanager bei der schweizerischen Pictet Asset Management, den immensen Bedarf. Zur Produktion eines Kilos Mehl werden 1000 Liter Wasser eingesetzt. Nach Schätzungen der Unesco entfällt mit 70 Prozent der größte Anteil des verbrauchten Wassers auf die Landwirtschaft, 22 Prozent gehen auf das Konto der Unternehmen, und 8 Prozent werden von privaten Haushalten verbraucht. Und der Bedarf an Wasser steigt weiter - in etwa doppelt so schnell wie das Wachstum der Weltbevölkerung. Bis 2025 rechnen Fachleute mit einem Plus von 40 Prozent.

Das sind günstige Voraussetzungen für Investitionen in die Wasserbranche, glauben Experten wie Portner. Das Nachfragewachstum sei durch demographische und wirtschaftliche Gegebenheiten gesichert. Überdies sprächen vor allem die weltweit veraltete oder gar nicht vorhandene Infrastruktur für überdurchschnittliche Wachstumsaussichten. Portner verweist auf das Beispiel New York: "Die Wasserrohre sind hier überwiegend noch aus Holz, was zu immensen Sickerverlusten führt. Die Wasserqualität ist überdies schlecht." In den Vereinigten Staaten liege das Alter der Rohre im Durchschnitt bei 80 Jahren, dabei gehe man gewöhnlich von einer Lebensdauer von 100 Jahren aus.

Privatisierung als Kurstreiber

Als weiterer Kurstreiber gilt der Trend zur Privatisierung und Auslagerung von Dienstleistungen rund um das Wasser, da viele Kommunen knapp bei Kasse sind und die Vorschriften zur Wasserqualität immer strenger werden. Das größte Potential liegt Portner zufolge bei der Wasserentsorgung, die Städte und Gemeinden leichter aus der Hand geben würden als die Versorgung. Abgesehen von den großen Versorgerwerten, ist die Branche wie im Technologiebereich zersplittert, was eine zunehmende Konsolidierung wahrscheinlich macht.

Das Spektrum der im Wassersektor tätigen Gesellschaften und mithin Aktien ist breit. Es reicht von der Gewinnung und Aufbereitung von Wasser über die Ver- und Entsorgung bis hin zum Abfüllen von Wasserflaschen. Große Namen sind hier RWE oder Suez als Versorger, General Electric als Ausrüster oder Nestle als Mineralwasserproduzent. Reine Wasseraktien gibt es vielleicht, abgesehen von der französischen Veolia Environnement (ehemals Vivendi), kaum. Das Bewertungsniveau insgesamt ist nach Ansicht Portners relativ niedrig. Kurschancen sieht er vor allem bei kleineren und mittleren Werten in den Bereichen Wassertechnologie und Umweltdienstleistungen.

Alternative: Wasserzertifikate

Breiter streuen können Anleger die Risiken über Wasserfonds oder Zertifikate, welche die Wertentwicklung von Aktienkörben nachzeichnen. Wer aktives Management vorzieht, findet zwei Branchenfonds, den von Portner verwalteten Pictet Water und den SAM Sustainable Water, der zusätzlich nachhaltige Kriterien zur Aktienauswahl heranzieht. Beide haben auf Jahressicht etwa 20 Prozent beziehungsweise 12 Prozent zugelegt und damit ihren Vergleichsindex, den MSCI World, geschlagen. Der Index ist im gleichen Zeitraum um knapp 9 Prozent gestiegen. Bei den Gebühren ist der nachhaltig orientierte Ansatz etwas teurer.

Zertifikate gibt es von UBS ("Europäisches Wasser") und der WestLB ("Wassertechnik Aktive"). Während bei ersterem der Aktienkorb bis zum Laufzeitende statisch bleibt, kann er bei dem zweiten Produkt halbjährlich angepaßt werden, was in einer zusätzlichen, jährlichen "Strukturierungsgebühr" zu Buche schlägt. Die Dividenden entgehen den Anlegern bei beiden Produkten. Dabei zählen europäische Versorger wie Suez zu den Werten mit einer hohen Dividendenrendite.

Quelle: F.A.Z., 09.06.2005, Nr. 131 / Seite 23
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012
Tops & Flops Fonds Kurs Prozent

DWS Biotech Typ O

75,52 € +31,82 %

ESPA STOCK BIOTEC (T)

167,62 € +30,20 %

Allianz Biotechnologie A (EUR)

70,37 € +23,40 %

SEB Concept Biotechnology B

41,83 € +23,39 %

M&G Japan Smaller Companies Fund A

12,29 € +22,86 %

Delta Lloyd L New Energy Fund B

3,10 € −42,94 %

Earth Exploration Fund UI (EUR R)

34,20 € −45,89 %

Craton Capital Precious Metal Fund A

180,26 $ −48,05 %

KEPLER Öko Energien (T)

35,95 € −48,35 %

LUXEMBOURG SELECTION FUND - Asian Solar & Wind Fund A1

32,40 € −61,16 %
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%