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Versicherungen Lebensversicherer senken ihre Zinsen nur leicht

06.01.2010 ·  Der Marktführer Allianz hatte seine Überschussbeteiligung erstmals seit Jahren reduziert. Weniger Wettbewerber als erwartet zogen nach.

Von Philipp Kron
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Wer mit einer privaten Rentenversicherung für das Alter vorsorgt, bekommt die niedrigen Anleihezinsen derzeit noch nicht allzu stark zu spüren. Viele Lebensversicherungsgesellschaften halten auch für dieses Jahr die Verzinsung der Sparanteile dieser Policen auf dem Vorjahresniveau. Dies gilt für die staatlich geförderten Riester- und Basis-Renten sowie für klassische Rentenversicherungen mit garantierter Auszahlung. Die Verzinsung wird auf die Sparanteile der Versicherung angerechnet, also den Anteil der Beiträge, der nach Abzug der Kosten für Abschluss, Verwaltung und die Risikovorsorge noch übrig bleibt. Die laufende Verzinsung wird den Kunden jährlich gutgeschrieben, hinzu kommt eine Schlussüberschussbeteiligung, wenn der Vertrag abläuft.

Der Durchschnitt aus Garantie- und Überschusszins sinkt gegenüber dem Vorjahr nur leicht um 0,9 Prozentpunkte auf 4,32 Prozent, wie aus einer aktuellen Aufstellung der Rating-Agentur Assekurata hervorgeht. Von den 71 Lebensversicherern, die bislang ihre Überschussbeteiligung für dieses Jahr erklärt haben, senkten 23 ihre Verzinsung, 45 dagegen hielten sie konstant. Wegen der geringen Renditen, die die Versicherer mit ihren Kapitalanlagen derzeit am Markt erzielen können, zeigt sich mancher Beobachter in der Branche überrascht, dass die Senkungen nicht stärker ausfielen.

Vor allem große Anbieter senken die Überschussbeteiligung

Marktführer Allianz hatte Mitte Dezember seine Überschussbeteiligung erstmals seit sechs Jahren gesenkt. Die Überschussbeteiligung, die sich aus dem festen Garantiezins und einem Zinsüberschuss aus dem Kapitalanlageergebnis zusammensetzt, wurde von 4,5 auf 4,3 Prozent reduziert (F.A.Z. vom 10. Dezember). Zu diesem Zeitpunkt war erwartet worden, dass viele Konkurrenten diesem Beispiel folgen würden. Tatsächlich gesenkt haben vor allem große Wettbewerber wie die R+V, die Hamburg-Mannheimer und die Generali - diese sogar um 0,35 Punkte. Von den zehn größten Lebensversicherern haben nun acht ihre Überschussbeteiligung entweder im vergangenen oder in diesem Jahr verringert.

"Ich könnte mir vorstellen, dass das Risikobewusstsein kleinerer Versicherer etwas weniger ausgeprägt ist", sagte Johannes Lörper, Mitglied des Hamburg-Mannheimer-Vorstands. Im Vorgriff auf die neuen Eigenkapitalregeln, die von 2012 an in der EU gelten sollen (Solvency II), verwenden dagegen gerade größere Unternehmen schon jetzt interne Risikomodelle. Sie geben ihnen Aufschluss darüber, wie viel Kapital sie vorhalten müssen, um ihre Risiken decken zu können. Künftig bemisst sich das aufsichtsrechtlich erforderliche Kapital nicht mehr nach dem Geschäftsvolumen, sondern den eingegangenen Risiken. "Mit den Modellen blicken wir schon sehr weit in die Zukunft; vielleicht sind deshalb größere Versicherer weniger optimistisch in Bezug auf mögliche Zinssteigerungen", sagte Lörper.

Delta Lloyd senkt am deutlichsten

Bemerkenswert hoch fielen die Senkungen der Delta Lloyd aus, die mit Kostenproblemen zu kämpfen hat und sich deshalb gerade von 200 der 790 Mitarbeiter trennt. Sie reduziert die Überschussbeteiligung um 0,75 Punkte auf nur noch 3,25 Prozent. Um immerhin 0,6 und 0,5 Punkte hat die Gothaer die Verzinsung ihrer beiden Gesellschaften Asstel und Gothaer Leben vermindert - auf je 4 Prozent. "Wir haben die Finanzkrise dazu genutzt, einen Schnitt zu machen", sagte ein Sprecher. Bislang habe man stets über dem Marktdurchschnitt gelegen. Mit dem Schritt könne man verhindern, die Kunden im kommenden Jahr abermals zu enttäuschen, denn auch langfristig sei mit einem niedrigen Zinsniveau zu rechnen.

Die Versicherer legen das Geld ihrer Kunden überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere an. Um ihre Verzinsung einigermaßen konstant zu halten, bedienen sie sich eines Puffers, der je nach wirtschaftlicher Lage stärker oder weniger stark aufgefüllt wird - die Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen. Sie waren im Jahr 2008 sehr gering ausgefallen. Damals legten die Unternehmen gerade noch einen Anteil von 7,5 Prozent ihrer Bruttobeiträge in diese Reserven zurück, die auch in die Berechnung der erforderlichen Eigenmittel, der Solvabilität, eingehen. Im Jahr 2000 lag dieser Anteil noch bei 32 Prozent (F.A.Z. vom 9. Oktober).

Debeka und Europa bieten die höchsten Verzinsungen

Die Finanzaufsicht Bafin sieht die Entwicklung noch gelassen. "Solange diese Rückstellungen ausreichend dotiert sind, sehen wir das als unproblematisch an. Erst wenn dadurch die Solvabilität gefährdet würde, würde uns das beunruhigen", sagt eine Sprecherin der Institution, die gleichwohl derzeit in Szenario-Rechnungen bestimmen lässt, wie gut Lebensversicherer auf eine lang anhaltende Niedrigzinsphase vorbereitet wären.

Die höchsten Verzinsungen bieten einige Unternehmen, die wegen ihrer konservativen Anlagepolitik vor einigen Jahren noch gescholten wurden. Dazu gehören die Koblenzer Debeka (4,6 Prozent) oder der Direktversicherer Europa, der mit 4,8 Prozent zusammen mit der CiV an der Spitze steht. "Die derzeitige Kapitalmarktsituation spielt uns in die Karten", sagte Karl-Wilhelm Eichmanns, stellvertretender Vertriebsleiter der Europa. (Kommentar, Seite 16)

Das Versichererdilemma

Die deutschen Lebensversicherer befinden sich in einem Dilemma. Ihre möglichen Kunden wagen kaum noch, sich auf langfristige Policen festzulegen. Zwar können die Unternehmen in diesem Jahr eine Rendite von 4,3 Prozent auf die Sparanteile bieten. Aber es wird ihnen angesichts der aktuellen Niedrigzinsen immer schwerer fallen, das auch in Zukunft fortzusetzen. Um überhaupt noch ein Werbeargument gegenüber den Anlegern zu haben, verzichten sie darauf, Überschussbeteiligungen zu senken. Welcher verunsicherte Verbraucher legt schließlich sein Geld auf Jahrzehnte unflexibel an, wenn nur eine 3 vor dem Komma steht? Eine andere Wahl haben die Unternehmen aber kaum. Denn die jüngsten Beitragszuwächse verdanken sie auch bankähnlichen Produkten, die nur eine kurze Laufzeit haben. Setzen sie weiter auf dieses Geschäft, wird es ihnen kaum gelingen, der Finanzaufsicht klarzumachen, worin sie sich noch von Banken unterscheiden und wieso sie aufsichtsrechtlich anders behandelt werden sollen. Weniger starr sollten ihre Verträge zwar sein. Aber vor allem brauchen sie Berater, die den Kunden niemals das Gefühl geben, über den Tisch gezogen zu werden. Dann können sie mit ihren Garantien protzen.

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