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Versicherungen Britische Lebensversicherer greifen an

17.06.2005 ·  Der Marktanteil der Angelsachsen in Deutschland steigt auf 4,8 Prozent. Sie stützen ihr Geschäft auf die sogenannten With-Profit-Policen. Geringe Garantien ermöglichen eine hohe Aktienquote.

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Die britischen Lebensversicherer verlassen ihre Nische und greifen die deutsche Konkurrenz in ihrem Kerngeschäft an. Am Freitag gab Clerical Medical, eine Tochtergesellschaft der britischen Bank HBOS, bekannt, daß sie das Lebensversicherungsgeschäft des deutschen Finanzvermittlers MLP kauft. „Wir wollen damit unser Wachstum beschleunigen“, sagt Olaf Neuenfeldt, der bei Clerical für das Deutschland-Geschäft zuständig ist. „In den nächsten Jahren wollen wir unseren Marktanteil von 1,4 auf 5 Prozent steigern.“

Mit einem solchen Marktanteil würde Clerical auf dem zersplitterten deutschen Markt unter die fünf größten Lebensversicherer aufrücken. Das klingt wie eine übermütige Ansage, scheint bei den derzeitigen Wachstumsraten aber nicht unmöglich zu sein. Die britischen Anbieter Standard Life, Clerical Medical und Legal&General sowie die irische Canada Life haben sich zusammen bereits einen Marktanteil von knapp 5 Prozent erarbeitet. Das ist dreimal mehr als noch vor fünf Jahren.

Abgesehen von Legal&General, die aus dieser Gruppe die Gesellschaft mit dem kleinsten Geschäft in Deutschland ist und hierzulande ausschließlich fondsgebundene Lebensversicherungen verkauft, stützen die Angelsachsen ihren Verkauf vor allem auf ein Produkt, das es in Deutschland sonst nicht gibt: Die sogenannten With-Profit-Policen. Das sind Lebensversicherungsverträge, die weitaus geringere Garantien bieten, als bei der deutschen Konkurrenz üblich ist. Für die Kunden ist die britische Variante mit größeren Risiken verbunden, weil ihnen geringere Auszahlungen garantiert werden.

Deutlich bescheidenere Garantieversprechen

So garantiert Standard Life nur, daß beim Vertragsende mindestens die eingezahlten Prämien ausgeschüttet werden. Canada Life garantiert eine Verzinsung von 1,2 Prozent der Prämien abzüglich der Kosten für Vermittlung und Verwaltung. Die beiden Werte führen in etwa zum gleichen Garantieniveau, heißt es bei Canada Life. Im Unterschied dazu sind die Garantien der deutschen Lebensversicherer weitaus größer. Sie verzinsen die Sparanteile der Prämien, also nach Abzug der Kosten, bei neuen Verträgen mit mindestens 2,75 Prozent. Bei älteren Verträgen sind es sogar bis zu 4 Prozent. Außerdem erstreckt sich die Garantie im Unterschied zu den angelsächsischen Produkten auch auf jede Überschußbeteiligung, die Jahr für Jahr gutgeschrieben wird.

Das heißt, die garantierte Auszahlung der deutschen Versicherer wächst zumindest in guten Jahren, während die garantierte Auszahlung der Briten bei Vertragsbeginn festgeschrieben und nicht mehr verändert wird, auch dann nicht, wenn dem Kunden jedes Jahr mehr als die Garantie gutgeschrieben wird. Die Briten arbeiten also mit deutlich bescheideneren Garantieversprechen. Zugleich sind dadurch aber auch die Renditechancen größer, weil weniger Eigenkapital oder andere Sicherheitsmittel gebunden sind. Die Angelsachsen können weitaus riskantere und damit höhere Renditen versprechende Anlageformen wählen.

Mit anderen Worten: Canada Life hat eine Aktienquote von derzeit 75 Prozent, bei Standard Life und Clerical sind es 50 Prozent. Der Durchschnitt der deutschen Lebensversicherer liegt dagegen bei weniger als 10 Prozent, der Rest der Kapitalanlagen setzt sich in der deutschen Assekuranz vor allem aus Anleihen zusammen, die derzeit nur geringe Erträge abwerfen.

Sicherungssysteme sollen europaweit angeglichen werden

„Wer daran glaubt, daß die Renditen auf den Aktienmärkten langfristig höher sind als auf den Anleihemärkten, ist bei uns gut aufgehoben“, sagt Bertram Valentin, Geschäftsführer bei der Standard Life in Deutschland. Umgekehrt gelte aber auch, daß die With-Profit-Policen nichts für Anleger sind, die mit Aktien verbundene Risiken vermeiden wollen. Der Hinweis ist wichtig, denn die britischen Lebensversicherungen schneiden nur in Phasen besser ab, in denen die Aktienmärkte sich gut entwickeln. Während der dreijährigen Aktien-Baisse wurden die Kunden der Briten noch mehr gebeutelt als deutsche Lebensversicherte.

Die in Deutschland verkauften britischen Verträge weisen zudem ein Manko auf. Die Kunden sind weder durch den deutschen Sicherungsfonds geschützt, noch durch ein Pendant in Großbritannien beziehungsweise Irland. Die Sicherungssysteme sollen europaweit angeglichen werden. Noch ist das aber nicht geschehen. Im unwahrscheinlichen Fall, daß einer der britischen Anbieter in eine Schieflage gerät, wären die deutschen Kunden direkt betroffen. Die Verluste würden, anders als bei den Kunden der zusammengebrochenen Mannheimer Leben, nicht durch einen Sicherungsfonds gemildert.

Quelle: ruh., F.A.Z., 18.06.2005, Nr. 139 / Seite 19
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