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Versicherungen Augen auf beim Kauf

03.09.2010 ·  Für mangelnde Transparenz stecken die Versicherer viel Kritik ein. Mit Hilfe von öffentlich zugänglichen Kennzahlen kann der Kunde aber sein Informationsdefizit deutlich verringern.

Von Philipp Krohn
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Fondsgebundene oder klassische Lebensversicherung?

Zunächst muss eine Grundfrage geklärt werden: Setzt man auf die sichere Variante und verzichtet vermeintlich auf Rendite, oder ergreift man auf eigenes Risiko höhere Ertragschancen?

So einfach, wie die Frage scheint, ist die Welt aber nicht, denn fondsgebundene Policen stecken durch vielfältige Kosten (zusätzlich zum Vermittler und dem Versicherer muss auch ein Fondsverwalter vergütet werden) deutlich weniger Geld in die Fonds, als der Kunde an Beiträgen zahlt.

Versicherer führen gegenüber einem Investmentfonds ihre Größenvorteile ins Feld, die ihnen bessere Konditionen ermöglichen. Weil bei einem Fondswechsel der Ausgabeaufschlag wegfällt, erleichtert die Police zudem ein aktives eigenes Management.

Hinzu kommt ein steuerlicher Vorteil, der früher noch größer war: Ist nach einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren eine monatliche Rentenzahlung vereinbart, zahlt der Kunde wie bei der klassischen Rentenversicherung nur auf die Hälfte seines Ertrags seinen individuellen Steuersatz statt der Abgeltungssteuer.

Die Folgen der vergangenen zwei Finanzkrisen haben bei diesen Policen die Kunden selbst getragen. Im Vergleich hält sich die klassische Variante wacker: 3,94 Prozent schrieben die Versicherer durchschnittlich im Jahr 2009 ihren Kunden auf ihre eingezahlten Beiträge gut.

Wie krisenfest sind die klassischen Policen?

Dass sie für ihr Garantieversprechen auch geradestehen können, müssen die Versicherer durch ausreichende Sicherheiten und eine vorsichtige Kapitalanlage sicherstellen. Über ihre Sicherungsmittel glätten sie die Schwankungen am Kapitalmarkt.

Das führt dazu, dass sie in einer Krise wie aktuell etwas bessere Jahresverzinsungen bieten, in einem langen Börsenaufschwung dagegen schlechter abschneiden als risikoorientiertere Geldanlagen. Das ist der Preis der Sicherheit.

Die Krisenfestigkeit wird sich aber erst langfristig zeigen. Denn mehr als in stabilen Zeiten stecken die Versicherer derzeit im Anlagedilemma: Sollen sie in lang laufende Titel investieren, mit denen sie ihre Garantien erwirtschaften können, oder sollen sie Anleihen mit niedrigeren Kupons kaufen, weil es bald zu einer Inflation kommt?

Konservative Versicherer halten an ihren langen Laufzeiten fest. In der Vergangenheit sind sie damit gut gefahren, was ihnen in Vergleichen gute Positionen beschert. Dieses Mittel muss aber nicht das richtige für die Zukunft sein.

Welche Hilfsmittel kann man als Verbraucher nutzen?

Sucht man den für sich bestgeeigneten Versicherer, sollte man die Informationen von Ratingagenturen und Branchendiensten kombinieren. Konsultiert man mehrere Quellen, verdichtet sich am Ende das Bild der besten Anbieter.

Assekurata erstellt auf Kosten der Versicherer interaktive Ratings, die unter anderem die finanzielle Stabilität, die Kundenzufriedenheit und den Anlageerfolg anhand eigener Erhebungen messen. Die Analysen sind öffentlich zugänglich.

Ergänzen lässt sich dieses Bild durch die Analysen des map-Reports, die auf einer angeforderten Selbstauskunft der Unternehmen beruhen. In einem Rating der Ratings (vgl. Infografik) werden Kennziffern wie simulierte tatsächliche Ablaufleistungen, Sicherungsmittel oder Stornoquoten zusammengestellt und in eine Reihenfolge gebracht.

Franke & Bornberg untersucht detailliert die Vertragsbedingungen von einzelnen Policen. Auf dieser Basis kann ein Verbraucher ermessen, ob ein Vertrag eher Kunden bevorzugt, die bis zum tatsächlichen Ablaufdatum einzahlen oder die zwischenzeitlich stornieren, weil sie Geld brauchen.

Ähnliche qualitative Fragen untersucht auch Morgen & Morgen, beispielsweise wie klar die Fragen in den Anträgen der Policen gestellt sind und wie kompetent ein Versicherer in einer Produktsparte ist.

Welche Rolle spielen die Kosten und Erträge der Versicherer?

Von den Beiträgen ziehen die Versicherer Kosten für den Abschluss (Provisionen), die Verwaltung und den Risikoschutz (etwa gegen den Todesfall) der Police ab. Nur was übrig bleibt, kommt in die Kapitalanlage und kann verzinst werden. Insofern ist eine niedrige Kostenquote nützlich.

Sie ist aber abhängig vom Vertriebsmodell: Maklerversicherer zum Beispiel kommen nicht auf annähernd so geringe Kosten wie Direktversicherer. Entscheidend aber ist das, was sie aus dem Angesparten erwirtschaften. Für beide Kriterien liefern Untersuchungen des map-Reports vergangenheitsbezogene Werte.

Eine übersichtliche Aufstellung zu den Kosten einzelner Versicherer liefert ein neuer Ratgeber der Verbraucherzentralen zu Privatrenten und Lebensversicherungen. Zum Teil können Versicherer mit hohen Ablaufleistungen aktuell schlechtere Kapitalrenditen erzielen. Ein Überblick über den Kapitalanlageerfolg der vergangenen fünf Jahre ist eine hilfreiche Zusatzinformation.

Welche weiteren Kriterien sind aufschlussreich?

Storno- und Beschwerdequoten sind ein Ausdruck der Unzufriedenheit von Kunden. Lösen viele Kunden vorzeitig ihren Vertrag auf, deutet das auf eine mangelnde Beratung hin. Untersuchungen zur Finanzstärke zeigen, wie viel Spielraum ein Versicherer hat, um mangelhafte Erträge aus der Kapitalanlage auszugleichen. Mit seinen Rückstellungen kann er in einem solchen Fall die Gutschrift an die Kunden glätten.

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