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Neues Regelwerk : So krisenfest sind Deutschlands Versicherer

Logo des Versicherers an der Allianz-Arena in München Bild: ddp

Bis Montag müssen die 350 Versicherer in Deutschland zum ersten Mal ihre Quoten nach „Solvency II“ offenlegen. Was heißt das – und was lernen Kunden daraus?

          Die Ersten sind schon überpünktlich. Nicht nur der bekannte Autoversicherer HUK-Coburg, auch beispielsweise der Rückversicherer Hannover Rück hat längst alle Unterlagen ins Internet gestellt. Schließlich läuft die Frist ab für ein überaus wichtiges Ereignis in der deutschen Versicherungsbranche: Bis spätestens nächsten Montag müssen die 350 Versicherer in Deutschland eine bemerkenswerte Kennzahl über ihre eigene Stabilität veröffentlichen. Es geht um die sogenannte Solvenzquote.

          Die Versicherer selbst reden zwar lieber von „Bedeckungsquote“, weil das im Falle eines schlechten Abschneidens nicht so gefährlich nach Insolvenz klingt. Gemeint aber ist in jedem Fall eine interessante Kennzahl, die verraten soll: Wie krisenfest sind Deutschlands Versicherungsunternehmen? Wo stehen die Lebensversicherer? Wie anfällig sind die verschiedenen Schaden- und Unfallversicherer?

          Bild: F.A.Z.

          Schon seit Anfang 2016 ist ein europäisches Regelwerk in Kraft, das den etwas sperrigen Namen „Solvency II“ (nach engl. „Solvency“, Zahlungsfähigkeit) trägt. Die Idee dahinter ist im Grunde nicht viel anders als bei den Banken seit der Finanzkrise auch: Die Finanzinstitute sollen ausreichend Eigenkapital und Eigenmittel haben, damit sie im Falle einer Krise nicht vom Staat gerettet werden müssen. „Solvency II ist etwas ganz Ähnliches wie Basel II und III bei den Banken auch“, sagt Hans-Peter Burghof, Finanzprofessor in Stuttgart. „Man versucht, das Risiko eines Finanzinstituts zu messen und dem einen ausreichenden Eigenkapitalpuffer gegenüberzustellen – für den Fall, dass doch einmal etwas schiefgeht.“

          Quoten auch für Tochtergesellschaften veröffentlichen

          Es gibt zwar erhebliche Unterschiede in Geschäft und Risiken von Banken und Versicherern. Insbesondere die Gefahr eines Bank-Runs – wenn alle Kunden in Krisenfällen gleichzeitig an ihr Geld wollen – kommt bei Banken hinzu. Für beide Zweige der Finanzbranche aber gibt es jetzt eine Regulierung mit drei „Säulen“: strengere Kapitalanforderungen, Vorgaben zum Risikomanagement und Berichterstattungspflichten. Bislang mussten die Versicherungsunternehmen ihre Zahlen nur der Finanzaufsicht Bafin melden. Das war gleichsam der geheime Auftakt zu „Solvency II“ unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Jetzt kommt die zweite Runde: Die Quoten müssen veröffentlicht werden, und zwar auch für Tochtergesellschaften.

          Das Regelwerk ist sehr komplex und auch die Unterlagen, die veröffentlicht werden müssen, sind alles andere als simpel. Im Mittelpunkt aber steht dabei eine einfache Zahl, die Solvenzquote. „Diese Quote beschreibt das Verhältnis der Eigenmittel eines Versicherers zu den Kapitalanforderungen“, sagt Götz Treber vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Die Kapitalanforderungen für Solvency II bemessen sich dabei versicherungsmathematisch an dem in 200 Jahren größten möglichen negativen Ereignis.“ Die Zahl soll zumindest einen Anhaltspunkt liefern, wie krisenfest ein Versicherer aufgestellt ist.

          Einige Ergebnisse sind bereits bekannt. Verlangt wird von der Aufsicht eine Quote von mindestens 100, darunter wird es zumindest ungemütlich für den Versicherer. Die HUK hat für die Gruppe einen Wert von 335,6 Prozent gemeldet, für ihren Lebensversicherer einen Wert von 282 Prozent. Die Hannover Rück meldete 230 Prozent für die Gruppe, 242 Prozent für die SE. Die Allianz muss Quoten für immerhin 60 Einzelunternehmen veröffentlichen. Für den Konzern wird die Quote auf 218 Prozent beziffert. Talanx gibt 186 Prozent an, Hanse-Merkur rund 300 Prozent und Munich Re 267 Prozent.

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