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Vermögensverwaltung Taktik darf nicht übertrieben werden

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist auch als Vermögensverwalter tätig. Der Leiter der Vermögensverwaltung in Deutschland betont die Bedeutung einer langfristigen Vermögensallokation.

© AFP Die Zentrale von Goldman Sachs in New York: Seit 60 Jahren in den Vereinigten Staaten auch als Vermögensverwalter tätig

Mit dem Namen Goldman Sachs verbindet sich in erster Linie der Name einer international agierenden und nicht selten in den Schlagzeilen erscheinenden amerikanischen Investmentbank. Goldman Sachs ist in den Vereinigten Staaten aber schon seit mehr als 60 Jahren auch als Vermögensverwalter tätig. Seinerzeit wurde die Bank von der Familie Ford im Zuge des Börsengangs der Ford Motor Company mandatiert. Heute betreibt Goldman Sachs das Geschäft global mit einem verwalteten Vermögen von 390 Milliarden Dollar und rund 600 Beratern. In Deutschland ist Goldman Sachs in der Vermögensverwaltung seit den neunziger Jahren präsent.

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Rudolf Lang, Leiter der Vermögensverwaltung, betont im Gespräch die Bedeutung einer langfristigen, an den Bedürfnissen des einzelnen Kunden ausgerichteten Vermögensallokation, also der Aufteilung des Vermögens auf Anlageklassen. Kurzfristiges Handeln auf Marktveränderungen müsse zwar auch sein, dürfe aber keinesfalls übertrieben werden.

Niedrige Gebühren für Vermögensverwaltung

Lang betont den unabhängigen Ansatz der Vermögensverwaltung, die ihr eigenes Research unterhalte, innerhalb der Gesamtbank. Er zeigt sich opportunistisch in der Frage, ob konkret in Produkte der Bank oder in Produkte externer Anbieter investiert werden soll. Entscheidend sei zunächst die Verteilung der Mittel auf einzelne Anlageformen entsprechend der Risikoneigung des Kunden und der erwarteten Wertentwicklung der einzelnen Anlageklassen. Danach besteht nach seiner Sicht die Kunst der Vermögensverwaltung in der Antwort auf die Frage, in welchen Anlageklassen Extrarenditen („Alpha“) gegenüber dem Marktdurchschnitt zu erwarten sind. Wo keine Extrarenditen zu erwarten sind, kann sich eine passive Strategie empfehlen, ansonsten eine Alternative. Goldman hat weltweit mehr als 100 Milliarden Dollar externen Managern anvertraut.

Infografik / Goldman Sachs / Kurs © F.A.Z. Bilderstrecke 

Worin unterscheidet sich ein solcher Ansatz von jenem eines Family Office? Axel May, Berater von Goldman Sachs und früher lange im Management eines Family Office (Harald Quandt) tätig, sieht die Grenzen zum Teil verschwimmen. Wichtig sei, eine hohe Transparenz bei den Kosten herzustellen, damit der Kunde weiß, wofür er Geld bezahlt. Denn die Entscheidung, ob ein hauseigenes Produkt Verwendung findet oder ein externes, das aber teurer sein kann, mag aus der Sicht eines Kunden auch eine Kostenfrage sein. Eine Kostenfrage kann sich auch aus der Sicht des Vermögensverwalters ergeben: Je mehr Kunden ein Verwalter betreut, umso eher kann es sich schon aus Zeitgründen rechnen, auf eine Plattform mit hauseigenen Produkten zurückzugreifen.

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Im internationalen Vergleich sind die Gebühren in der Verwaltung großer Vermögen in Deutschland sehr niedrig. Die Mentalität, wonach Beratung eigentlich nichts kosten solle, schlägt sich auch hier nieder. Kein Wunder, dass in Deutschland der Wettbewerb der Verwalter auch über den Preis geführt wird. Lang macht aber klar, dass es hier für Goldman Sachs Grenzen gibt und dass sich Leistung auch lohnen müsse.

Die Nachfrage nach alternativen Anlagen soll zunehmen

Eine Stärke einer international tätigen Bank sieht Lang in dem Zugang zu allen wichtigen Märkten und Marktteilnehmern rund um den Globus, in der Fähigkeit, Produkte unterschiedlichster Art konzipieren zu können, sowie in der Festigkeit, mit der eine große internationale Bank mit anderen Marktteilnehmern über Geschäfte verhandeln kann. Das Interesse deutscher Kunden an einer internationalen Strategie hat nach Langs Beobachtung zugenommen und übertrifft die Ausrichtung amerikanischer Anleger, die traditionell stark auf ihren - allerdings auch sehr großen - Heimatmarkt fokussiert ist.

Lang erwartet, dass die Nachfrage nach alternativen Anlagen wie Beteiligungskapital und Hedgefonds auch in Deutschland zunehmen sollte. May erinnert daran, dass amerikanische Universitätsstiftungen mit einem hohen Teil alternativer Anlagen besonders erfolgreich gewesen seien. Anleihen sollten wegen ihrer Liquidität nicht ganz aus den Portfolios verbannt werden. Was kann ein Anleger von Goldman Sachs erwarten? Lang denkt, dass ein konservatives Portfolio auf längere Sicht - aber nicht in den nächsten zwei bis drei Jahren - über 6 Prozent im Jahr bringen könnte.

Quelle: F.A.Z.

 
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