Home
http://www.faz.net/-gvf-74skr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Vermögensverwaltung Im Vorteil durch Größe

Die kleine „Fonds-Boutique“ hat gegenüber der großen „Fondsgesellschaft“ mehr Attraktivität. Doch der Kostendruck arbeitet gegen die Davids.

© REUTERS Vergrößern Gilt auch für Fonds: Boutiquen haben mehr Charme - doch Hypermärkte Kostenvorteile.

Die Geschichte von David und Goliath ist auch deshalb so populär, weil es außergewöhnlich war, wie sich der kleine Schwache gegen den großen Starken durchsetzte. Während in vielen Branchen die Kleinen aufgegeben haben, suchen in der Vermögensverwaltung viele Neulinge ihr Glück. Sie nennen sich dann gerne „Boutique“ und heben ihren „Boutique-Stil“ hervor.

Das wird jedoch vielen nicht helfen, wenn sich ein Trend fortsetzt, der sich in der Branche zeigt: Die großen Fonds ziehen die großen Mittel an. Bei JP Morgan Asset Management beispielsweise macht ein einzelner Fonds, der Global Corporate Bond, 8 Prozent der gesamten Mittelzuflüsse aus. Drei Fonds - zusätzlich der Income Opportunity und der Emerging Markets Local Currency Debt - sorgen für 20 Prozent der Mittelzuflüsse.

Trend zur Größe

Die Fondsratingagentur Morningstar untersucht regelmäßig die Mittelzuflüsse in der europäischen Fondsbranche. Diese Untersuchungen zeigen, wie die großen Fonds groß abräumen und die kleinen immer öfter leer ausgehen. Die Gewinner sind im Rentengeschäft selbstverständlich Pimco mit großem Abstand, gefolgt von Alliance Bernstein und M&G.

Infografik / Vermögensverwaltung in der Welt © F.A.Z. Vergrößern

In Europa ist die Fondsbranche im Vergleich zu den Vereinigten Staaten kleinteiliger. Hier gibt es laut europäischem Fondsbranchenverband Efama mehr als 35.000 Fonds mit einem Volumen von insgesamt 7,2 Billionen Dollar und einer durchschnittlichen Fondsgröße von rund 205 Millionen Dollar. In den Vereinigten Staaten liegt die durchschnittliche Größe eines Fonds bei mehr als 1,6 Milliarden Dollar. Das überrascht nicht, wird doch dort ein Fondsvolumen von 12,5 Billionen Dollar in nur knapp 7700 Fonds verwaltet. Somit verwalten amerikanische Fondsgesellschaften im Vergleich zu europäischen 78 Prozent mehr Mittel, brauchen dafür allerdings nur 22 Prozent der Fonds.

Europa hinkt bei Kosten hinterher

In diesen Zahlen finden sich für Europa selbstverständlich viele Doppelzählungen. Denn für jeden einzelnen Fonds, der europaweit vertrieben werden soll, brauchte eine Fondsgesellschaften zum Beispiel eine Zulassung in Deutschland, eine in Luxemburg, eine in Italien, Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Spanien. Das erhöhte künstlich die Zahl der Fonds.

Jetzt jedoch sind in der Europäischen Union durch Ucits IV europäische Fonds möglich. Viele Fondsgesellschaften nutzen dies, um ihre Produktpalette zu bereinigen und viele dieser Produkte zu beseitigen, die nie eine eigenständige Daseinsberechtigung hatten. Doch in Europa wird die Durchschnittsgröße der Fonds nie amerikanische Dimensionen erreichen, schon weil beispielsweise die Regeln für die Altersvorsorge in Europa so unterschiedlich sind.

Regulierungsdruck

Der hohe Regulierungsdruck setzt besonders den kleinen Fondsgesellschaften zu. Die Regulierung betrifft ja sämtliche Bereiche: wie den Wertpapierhandel, die Transparenz gegenüber dem Anleger, die Anlagevorschriften bei ihren institutionellen Kunden, die Dokumentationspflichten oder Nachweise über die Qualifikationen der Mitarbeiter. Außerdem verzeichnen derzeit fast nur Rentenprodukte Mittelzuflüsse.

Damit trocknen all jene kleineren Anbieter aus, die allein Aktien anbieten. Hinzu kommt, dass kleineren Fondsgesellschaften die privaten Anleger abhanden kommen und sie mehr denn je darauf angewiesen sind, sich bei institutionellen Kunden durchzusetzen. Dort jedoch dringen nur wenige bis zu den Entscheidungsträgern durch. Gute bis hervorragende Ergebnisse in der Geldanlage werden ohnehin vorausgesetzt. Das jedoch reicht nicht mehr. Viele institutionelle Investoren setzen auch ihre Anforderungen in puncto Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Wertentwicklung herauf.

Mehr zum Thema

Mehr als 3200 Fondsgesellschaften zählte die Efama zuletzt in Europa. Vielen kleineren Fondsgesellschaften wird finanziell die Luft ausgehen. Sie verkraften die hohen Kosten nicht, die ihnen im Vertrieb und durch die Regulierung entstehen. Manche große Fondsgesellschaft wiederum leidet darunter, dass sie zu viele beliebige Produkte im Angebot hat und zu wenige, mit denen sie einzigartig wäre. Könnten diese versucht sein, mit kleinen innovativen Anbietern eine strategische Partnerschaft einzugehen? Selbst wenn dies im Einzelfall gelingt, hat Goliath derzeit die Oberhand.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nullzinspolitik der EZB Draghis Kaufprogramm radiert die Zinsen aus

Dank der Geldpolitik der EZB sind die Renditen der Staatsanleihen deutlich gefallen. Deutschland kann sich für fünf Jahre zum Nullzins verschulden. Das freut den Finanzminister. Für Anleger ist es eine schlechte Nachricht. Mehr Von Markus Frühauf

21.01.2015, 20:50 Uhr | Finanzen
Razzia im Modeviertel

Die Boutiquen-Besitzer werden verdächtigt, Teil eines Geldwäscherings für mexikanische Drogenhändler zu sein. Neun Menschen wurden im Lauf der Razzien festgenommen. Außerdem wurden 65 Millionen US-Dollar beschlagnahmt. Mehr

11.09.2014, 11:24 Uhr | Gesellschaft
Mittelstandsanleihen-Ticker Karlie streicht Stellen

Underberg und Valensina halten den Wechsel vom aufgelösten Mittelstandsmarkt in den Primärmarkt nicht für nötig. Creditreform senkt das Rating der MAG IAS. Mehr

27.01.2015, 14:02 Uhr | Finanzen
Mehr als nur Bier Pilsen - Europäische Kulturhauptstadt 2015

Die Stadt, die gerade zur Kulturhauptstadt Europas gekürt wurde, kennen viele Besucher vor allem wegen ihres Biers: Pilsen. Mehr als eine halbe Million Menschen besuchen die weltberühmte Brauerei jedes Jahr. Doch die tschechische Stadt hat viel mehr als nur Bier zu bieten. Mehr

22.01.2015, 06:00 Uhr | Reise
Studie zu Weltwirtschaftsforum Wer zweimal lügt, dem glaubt man nicht

Die Menschen verstehen die Welt nicht mehr. Ihr Vertrauen in Institutionen und Entscheider schwindet. Vorstandschefs, Politikern und vor allem Bankern glaubt man nicht, wohl aber Freunden, Familie – und Wissenschaftlern. Mehr Von Carsten Knop, Davos

20.01.2015, 14:07 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.12.2012, 17:30 Uhr

Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche