Home
http://www.faz.net/-gvf-74skr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vermögensverwaltung Im Vorteil durch Größe

 ·  Die kleine „Fonds-Boutique“ hat gegenüber der großen „Fondsgesellschaft“ mehr Attraktivität. Doch der Kostendruck arbeitet gegen die Davids.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (0)

Die Geschichte von David und Goliath ist auch deshalb so populär, weil es außergewöhnlich war, wie sich der kleine Schwache gegen den großen Starken durchsetzte. Während in vielen Branchen die Kleinen aufgegeben haben, suchen in der Vermögensverwaltung viele Neulinge ihr Glück. Sie nennen sich dann gerne „Boutique“ und heben ihren „Boutique-Stil“ hervor.

Das wird jedoch vielen nicht helfen, wenn sich ein Trend fortsetzt, der sich in der Branche zeigt: Die großen Fonds ziehen die großen Mittel an. Bei JP Morgan Asset Management beispielsweise macht ein einzelner Fonds, der Global Corporate Bond, 8 Prozent der gesamten Mittelzuflüsse aus. Drei Fonds - zusätzlich der Income Opportunity und der Emerging Markets Local Currency Debt - sorgen für 20 Prozent der Mittelzuflüsse.

Trend zur Größe

Die Fondsratingagentur Morningstar untersucht regelmäßig die Mittelzuflüsse in der europäischen Fondsbranche. Diese Untersuchungen zeigen, wie die großen Fonds groß abräumen und die kleinen immer öfter leer ausgehen. Die Gewinner sind im Rentengeschäft selbstverständlich Pimco mit großem Abstand, gefolgt von Alliance Bernstein und M&G.

In Europa ist die Fondsbranche im Vergleich zu den Vereinigten Staaten kleinteiliger. Hier gibt es laut europäischem Fondsbranchenverband Efama mehr als 35.000 Fonds mit einem Volumen von insgesamt 7,2 Billionen Dollar und einer durchschnittlichen Fondsgröße von rund 205 Millionen Dollar. In den Vereinigten Staaten liegt die durchschnittliche Größe eines Fonds bei mehr als 1,6 Milliarden Dollar. Das überrascht nicht, wird doch dort ein Fondsvolumen von 12,5 Billionen Dollar in nur knapp 7700 Fonds verwaltet. Somit verwalten amerikanische Fondsgesellschaften im Vergleich zu europäischen 78 Prozent mehr Mittel, brauchen dafür allerdings nur 22 Prozent der Fonds.

Europa hinkt bei Kosten hinterher

In diesen Zahlen finden sich für Europa selbstverständlich viele Doppelzählungen. Denn für jeden einzelnen Fonds, der europaweit vertrieben werden soll, brauchte eine Fondsgesellschaften zum Beispiel eine Zulassung in Deutschland, eine in Luxemburg, eine in Italien, Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Spanien. Das erhöhte künstlich die Zahl der Fonds.

Jetzt jedoch sind in der Europäischen Union durch Ucits IV europäische Fonds möglich. Viele Fondsgesellschaften nutzen dies, um ihre Produktpalette zu bereinigen und viele dieser Produkte zu beseitigen, die nie eine eigenständige Daseinsberechtigung hatten. Doch in Europa wird die Durchschnittsgröße der Fonds nie amerikanische Dimensionen erreichen, schon weil beispielsweise die Regeln für die Altersvorsorge in Europa so unterschiedlich sind.

Regulierungsdruck

Der hohe Regulierungsdruck setzt besonders den kleinen Fondsgesellschaften zu. Die Regulierung betrifft ja sämtliche Bereiche: wie den Wertpapierhandel, die Transparenz gegenüber dem Anleger, die Anlagevorschriften bei ihren institutionellen Kunden, die Dokumentationspflichten oder Nachweise über die Qualifikationen der Mitarbeiter. Außerdem verzeichnen derzeit fast nur Rentenprodukte Mittelzuflüsse.

Damit trocknen all jene kleineren Anbieter aus, die allein Aktien anbieten. Hinzu kommt, dass kleineren Fondsgesellschaften die privaten Anleger abhanden kommen und sie mehr denn je darauf angewiesen sind, sich bei institutionellen Kunden durchzusetzen. Dort jedoch dringen nur wenige bis zu den Entscheidungsträgern durch. Gute bis hervorragende Ergebnisse in der Geldanlage werden ohnehin vorausgesetzt. Das jedoch reicht nicht mehr. Viele institutionelle Investoren setzen auch ihre Anforderungen in puncto Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Wertentwicklung herauf.

Mehr als 3200 Fondsgesellschaften zählte die Efama zuletzt in Europa. Vielen kleineren Fondsgesellschaften wird finanziell die Luft ausgehen. Sie verkraften die hohen Kosten nicht, die ihnen im Vertrieb und durch die Regulierung entstehen. Manche große Fondsgesellschaft wiederum leidet darunter, dass sie zu viele beliebige Produkte im Angebot hat und zu wenige, mit denen sie einzigartig wäre. Könnten diese versucht sein, mit kleinen innovativen Anbietern eine strategische Partnerschaft einzugehen? Selbst wenn dies im Einzelfall gelingt, hat Goliath derzeit die Oberhand.

  Weitersagen Kommentieren (0) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Wertentwicklung Viele deutsche Fonds taugen nichts

Anleger haben Milliarden in Fonds von DWS, Deka und Union investiert. Dabei hätten sie mit ausländischen Fonds viel mehr verdient. Mehr

19.04.2014, 16:52 Uhr | Finanzen
Vermögensverwaltung ETFs gefährden Finanzmarktstabilität

Eine Analyse der Bank of England kommt zu dem Schluss, dass große Vermögensverwalter Instabilität in die Finanzmärkte bringen. Sie verstärken Trends, vor allem durch börsennotierte Indexfonds (ETF). Mehr

08.04.2014, 08:12 Uhr | Finanzen
Fondsbericht DWS meldet sich eindrucksvoll zurück

Rentenfonds waren vor einigen Jahren das Sorgenkind von Deutschlands führender Fondsgesellschaft. Dem DWS-Chef Asoka Wöhrmann ist es aber gelungen, zu alter Stärke zurückzufinden. Mehr

17.04.2014, 11:34 Uhr | Finanzen

03.12.2012, 17:30 Uhr

Weitersagen
 
Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche