Home
http://www.faz.net/-gv6-74yv8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Vermögensverwaltung Hübsches Stiefkind

Wer als Vermögensverwalter in Private Equity investieren darf und kann, ist meist mit den Ergebnissen zufrieden. der Einstieg ist allerdings nicht leicht.

© dapd Neu in den Händen von Private Equity: die Douglas Holding

In Deutschland verwalten rund 2400 institutionelle Investoren ein Vermögen von etwa 2100 Milliarden Euro. Etwas mehr als die Hälfte dieser Summe entfällt auf Versicherungsgesellschaften. Dieses Vermögen ist überwiegend in festverzinslichen Wertpapieren angelegt, deren aktuelle Renditen den Investoren Kummerfalten auf die Stirn treiben.

Gerald Braunberger Folgen:

Kein Thema interessiert die Investoren mehr als die Frage, wie mit einem vertretbaren Risiko Extrarenditen erzielt werden können. Die Rolle, die Beteiligungskapital (Private Equity) in deutschen Portfolios spielt, ist von der in München ansässigen Beratungsgesellschaft Mackewicz & Partner untersucht worden.

Wer Private Equity hat, ist meist zufrieden

Private Equity ist eine besonders in den Vereinigten Staaten verbreitete Anlageklasse, aber deutsche Investoren sind nach wie vor zurückhaltend. Nach den Untersuchungen von Mackewicz & Partner halten Versicherungen nur 0,6 Prozent des von ihnen verwalteten Vermögens in Private Equity. Beliebter ist diese Anlageklasse bei Family Offices, die in der Regel einen größeren Handlungsspielraum in ihrer Anlagepolitik besitzen. Auch in großen Stiftungen ist Beteiligungskapital nicht unbekannt.

In der Studie wurden die Auskünfte von 42 institutionellen Anlegern verarbeitet, die zusammen Vermögen über 459 Milliarden Euro verwalten. Davon sind 7,2 Milliarden Euro in Beteiligungskapital investiert. 79 Prozent der Befragten sind mit den erzielten Renditen auf Beteiligungskapital zufrieden; die Unzufriedenen beklagen unter anderem eine zu hohe Gewichtung von Risikokapital (Venture Capital) in den Fonds, zu hohe Kosten und eine oberflächliche Auswahl von Fonds. Das heißt, die Unzufriedenen suchen die Fehler nicht zuletzt bei sich selbst. Die durchschnittliche Renditeerwartung der Investoren liegt zwischen 8 und 12 Prozent im Jahr.

Was sind die mit Anlagen in Private Equity verbundenen Probleme? Hier nennen Investoren unter anderem das schlechte öffentliche Ansehen dieser Anlageklasse, die mit Anlagen in Beteiligungskapital verbundene Illiquidität, frühere Enttäuschungen sowie der mit Investitionen in diese Anlageklasse verbundene Verwaltungs- und Prüfaufwand. Ferner sind Anlagen in Beteiligungskapital in der Regel nicht billig, und sie sind üblicherweise auch nicht sehr transparent. Wer in Private Equity investieren will, muss viel Vertrauen mitbringen.

Mit bescheideneren Zielen erfolgreicher

Einen besonderen Blick verdienen Family Offices. Hier stößt man auf ein vermeintliches Paradox: Viele Family Offices haben bescheidenere Renditeziele als andere institutionelle Investoren, weil sich ein Family Office in erster Linie dem Kapitalerhalt verpflichtet fühlen dürfte. Gleichwohl investieren Family Offices lieber in Beteiligungskapital als andere Investoren, und sie erzielen im Durchschnitt auch höhere Renditen. Hierfür scheinen eine breitere geographische Streuung und eine stärkere Fokussierung auf Einzelfonds verantwortlich zu sein.

Viele institutionelle Investoren nähern sich Private Equity über sogenannte Dachfonds. Das sind Fonds, die ihrerseits in Private Equity investieren. Dachfonds sind vor allem für wenig erfahrene Investoren, die sich auch kein eigenes teures Research leisten wollen, eine naheliegende Anlagemöglichkeit, weil der Betreiber von Dachfonds dem Investor die Suche nach geeigneten Objekten in der Anlageklasse Private Equity abnimmt und über die Verteilung seiner Gelder auf mehrere Private-Equity-Fonds Risiken streut.

Über Dachfonds mit doppelten Gebühren

Nun gibt es allerdings in der Welt der Kapitalmärkte nur sehr wenig umsonst: Ein Investor, der in Dachfonds investiert, zahlt zwei Mal Gebühren - einmal für den Dachfonds und dann für die Einzelfonds, denen der Dachfonds Geld anvertraut. „Bei doppelten Gebühren können die Renditen oft nicht überzeugen“, heißt es in der Untersuchung von Mackewicz & Partner. Dachfonds mögen für Einsteiger in die Welt von Private Equity eine Berechtigung behalten, es ansonsten künftig aber nicht leicht haben.

Beim Blick auf langfristige Renditen muss Private Equity keinen Vergleich mit anderen Anlageklassen scheuen. Es gibt keine Gewähr, dass solche Renditen auch künftig erzielt werden, aber Beteiligungen am Produktivvermögen besitzen gerade in Zeiten sehr niedriger Zinsen eine schwer bestreitbare Logik.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fondsbericht Schwellenländer-Aktien im Abseits

Viele Anleger haben mit ihren Investments in den aufstrebenden Staaten in jüngster Zeit Geld verloren. Dies gilt auch für die Besitzer von Fonds. Doch es gibt Unterschiede. Mehr Von Kerstin Papon

27.08.2015, 14:09 Uhr | Finanzen
Die Frauen von Algier Teuerstes Bild der Welt versteigert

In New York ist das Bild Die Frauen von Algier von Pablo Picasso versteigert worden. Das Bild erreichte inklusive aller Gebühren einen Gesamtpreis von etwa 180 Millionen Dollar – Weltrekord. Mehr

12.05.2015, 10:59 Uhr | Feuilleton
Studie Jeder Haushalt verliert 20.000 Euro

So viele Menschen wie noch nie haben Arbeit, die Löhne steigen, die Immobilienpreise schnellen in die Höhe – doch die Vermögen der Deutschen sind einer neuen Studie zufolge im Schnitt deutlich gesunken. Wie kann das sein? Mehr Von Johannes Pennekamp

19.08.2015, 18:08 Uhr | Wirtschaft
Prinzessin Charlotte Achtung, Baby!

In London ist das zweite Kind von William und Kate - Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Charlotte von Cambridge - mit Kanonenschüssen und Glockengeläut gebührend willkommen geheißen worden. Das am Samstag geborene Mädchen trägt insgesamt drei Vornamen, es heißt Charlotte Elizabeth Diana. Mehr

05.05.2015, 11:08 Uhr | Gesellschaft
Reales Nettovermögen gesunken Haushalte verlieren 20.000 Euro in zehn Jahren

Die Deutschen haben weitaus weniger Vermögen als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine DIW-Studie und macht dafür vor allem zwei Gründe verantwortlich. Mehr

19.08.2015, 13:28 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 11.12.2012, 17:11 Uhr

Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche