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Vermögensverwaltung : Fondsspezialitäten aus Frankreich

  • -Aktualisiert am

Paris: Erfrischend auch in der Geldanlage Bild: AFP

Frankreich läuft Deutschland bei Investmentfonds den Rang ab. Vor allem auf Value Investing versteht man sich im Westen offenbar besser.

          In der Vermögensverwaltung geht der Etappensieg eindeutig an Frankreich. Dort ist in den vergangenen Jahren eine lebhafte Szene im Investmentgeschäft mit vielen kleineren, doch innovativen Marktakteuren entstanden. Das Geschäft wird zwar auch dort von wenigen großen Marktteilnehmern dominiert, doch einige Fondsmanager haben sich - ermuntert vom französischen Fondsverband - mit Erfolg selbständig gemacht.

          Frankreich schlägt Deutschland

          600 Fondsgesellschaften zählt die Association Française de la Gestion Financière (AFG), die zusammen rund 12.000 Fonds und ein Vermögen von 2,9 Billionen Euro in Frankreich verwalten. Damit ist die AFG bedeutender als der deutsche Fondsverband BVI. Dessen Mitgliedsgesellschaften verwalten nur 2 Billionen Euro in gut 11.000 Fonds. Auch was die Zahl der Mitglieder angeht, ist der deutsche Verband mit 82 Mitgliedsgesellschaften und 134 Informationsmitgliedern vergleichsweise klein, wie aus dem BVI-Jahresbericht 2012 hervorgeht.

          Vor allem machen sich französische Vermögensverwalter mit einer Spezialität einen Namen, die in Deutschland nur eine Handvoll Überzeugungstäter hochhalten. In Frankreich haben sich viele Fondsgesellschaften auf Value Investing spezialisiert. Comgest zählt zu den Pionieren, aber auch Edmond de Rothschild Asset Management, DNCA Finance, Mandarine Gestion oder Métropole Gestion haben sich auf diesen besonderen Stil spezialisiert. In Deutschland tun es ihnen Fondsmanager wie Hendrik Leber, Gründer von Acatis, oder Frank Fischer von der Shareholder Value Management mit dem Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen gleich.

          Value Investing à la française

          Die beiden Amerikaner Benjamin Graham und David Dodd hatten die Grundlagen für diesen Anlagestil im Jahr 1934 gelegt. Grahams Bestseller „The Intelligent Investor“, auf Deutsch unter dem Titel „Intelligent Investieren“ erschienen, inspirierte ungezählte Investoren, von denen Warren Buffett der berühmteste sein dürfte. Nach Frankreich brachten Charles de Vaulx und Jean-Marie Eveillard diese Ideen Ende der achtziger Jahre zuerst zur Société Générale, dann zu First Eagle Funds, einer amerikanischen Fondsgesellschaft, die aus der deutschen Bank Bleichröder hervorging.

          “Anfang 2000 war Value Investing stark in Mode“, sagt Isabel Lévy, Gründerin der kleinen Fondsgesellschaft Métropole Gestion und Fondsmanagerin des Fonds Métropole Sélection. Damals hätten viele Fondsgesellschaften den Value-Ansatz in ihrer Angebotspalette aufgenommen: „Doch heute wird deutlich, dass es gar nicht so viele echte Value-Investoren gibt.“

          Gesucht: Aktien, die es nicht gibt

          Value-Investoren interessieren sich wenig für Börsenkurse oder für den Verlauf von Aktienkursen. Sie suchen den Markt systematisch nach Unternehmen ab, die ihrer Meinung nach unterbewertet sind, also nach Aktien, die es nach gängiger Markttheorie gar nicht geben dürfte. Ausgangspunkt und im Zentrum der Überlegungen von Value-Investoren steht der Buchwert des Unternehmens. Das ist der Erlös, den ein Unternehmen erzielen könnte, wenn es sämtliche Vermögenswerte verkaufen würde: zum Beispiel Gebäude, Maschinen, Patente oder die Büroausstattung.

          Das führt zu einem ganz eigenen Investmentstil. So definiert Leber Value Investing als „Investmentstil, der sich an den wahren Werten von Firmen und Märkten orientiert“. Das genügt jedoch nicht, denn ein Aktienkurs steigt nur, wenn auch den anderen Marktakteuren irgendwann bewusst wird, dass die Aktie unterbewertet ist. Deshalb muss für Lévy ein Katalysator hinzukommen, ein Auslöser künftigen Wachstums.

          Lévy folgt deshalb nicht völlig Grahams Ideen. Zwar achtet auch sie auf Rendite- und Bewertungskennziffern. „Doch wir basieren unsere Anlageentscheidungen nicht auf dem künftigen Cashflow“, erklärt sie: „Wir schauen uns das Geschäftsmodell jedes einzelnen Unternehmens, in das wir investieren wollen, ganz genau an und stellen uns die Frage, was dieses Unternehmen tun muss, um eine für dieses Geschäft normale Marge zu erreichen.“ Das schaue sie sich durch einen kompletten Konjunkturzyklus hindurch an. So könne sie die Marge mit einem Multiplikator versehen, um die faire Bewertung, zu der das Unternehmen bewertet sein sollte, zu berechnen.

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