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Vermögensverwaltung Erfolgreiche Eigenbrötler

Yale ist immer noch eine Legende, auch hinsichtlich der Anlage des Stiftungsvermögens. Kurzfristig muss dies allerdings nicht immer zu den besten Ergebnissen führen.

© REUTERS Legende Yale

„Erfolgreiches aktive Vermögensverwaltung erfordert, sich auf ineffizienten Märkten und bei unbeliebten Kapitalanlagen gegen die Marktmeinung zu stellen. Daraus entsteht die beste Gelegenheit, falsche Marktpreise auszunutzen und überdurchschnittlich hohe Renditen zu erzielen.“

Gerald Braunberger Folgen:

Diese Feststellung findet sich im neuesten Jahresbericht der Verwalter des Stiftungsvermögens der amerikanischen Ostküstenuniversität Yale. Was in der Theorie gut klingt, erweist sich in der Praxis als schwierig: „In der Realität ist ein solch gegenläufiges Verhalten allerdings nur selten anzutreffen - die meisten Vermögensverwalter gruppieren sich als Herde um populäre Anlagestrategien oder orientieren sich eng an ihren Benchmarks, anstatt Strategien anzuwenden, die langfristig wahrscheinlich höhere Erträge liefern.“

Langfristig richtig, kurzfristig gefeuert

Die Vermögensverwalter in Yale wissen natürlich, warum die langfristig ausgerichteten Eigenbrötler so selten sind: Wer nicht mit der Herde läuft, kann schnell in Gefahr geraten, wenn die Anlageergebnisse einmal nicht stimmen. Bevor diese Eigenbrötler langfristig recht behalten, werden sie oft kurzfristig gefeuert, weil es den Anlegern an Geld und Geduld fehlt. Andererseits: Warum soll ein Anleger einem Herdentier teure Honorare zahlen, das ängstlich einen Index nachbildet? Das leistet auch ein billiger passiver Indexfonds.

David Swenson, der langjährige Verwalter des Stiftungsvermögens in Yale, ist selbst einmal ein Eigenbrötler gewesen. Vor rund zwanzig Jahren entwickelte er eine heute „Yale-Modell“ oder „Stiftungsmodell“ genannte Anlagestrategie, die sehr stark auf sogenannte alternative Anlagen in wenig liquiden Märkten setzt. Längst schauen viele andere Vermögensverwalter nach Yale, aber in der Radikalität der Umsetzung des Grundgedankens der breiten Streuung trauen sich nicht viele, Swenson zu folgen.

Kaum „sichere“ Anlagen

Für Ende Juni 2012, am Ende des Geschäftsjahres 2011/2012, weist das Stiftungsvermögen in Yale eine nicht nur für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Verteilung aus: 35,3 Prozent entfielen auf Beteiligungskapital (Private Equity), 21,7 Prozent auf Immobilien, 14,5 Prozent auf Hedgefonds, 8,3 Prozent auf Rohstoffe, 7,8 Prozent auf ausländische Aktien, 5,8 Prozent auf amerikanische Aktien, 3,9 Prozent auf Anleihen und 2,7 Prozent auf Barmittel. Damit machten die alternativen Anlagen sage und schreibe 79,8 Prozent des Stiftungsvermögens aus. Das muss man sich als Vermögensverwalter erst einmal trauen.

Infografik / Das Yale-Stiftungsvermögen © F.A.Z. Vergrößern Die Entwicklung des Stiftungsvermögens seit 1975

Die Anlagestrategie ist einfach: „Die Notwendigkeit, Ausschüttungen für den laufenden Universitätsbetrieb vorzunehmen, als auch die Kaufkraft der Vermögensanlagen zu sichern, erfordert die Suche nach hohen Renditen und begründet einen Schwerpunkt des Stiftungsvermögens auf Eigenkapital. Die Anfälligkeit der Universität im Falle von Inflation führt ebenfalls von Anleihen weg zu Anlagen in Eigenkapital.“ Nicht nur Aktien, auch Private Equity, Hedgefonds, Immobilien und Rohstoffe sollen eigenkapitalähnliche Erträge bringen.

Langfristig richtig, kurzfristig enttäuschend

Gerade in den weniger liquiden Anlageklassen sollen aktive Manager Extrarenditen generieren. Dagegen sieht man in Yale keinen Sinn darin, amerikanische Staatsanleihen aktiv verwalten zu lassen: „Yale fühlt sich von Anleihen nicht besonders angezogen, da sie von den sieben Anlageklassen die geringsten erwarteten Renditen versprechen. Außerdem ist der Markt für Staatsanleihen wohl die effizienteste Anlageklasse, die wenige Möglichkeiten verspricht, durch aktives Management zusätzliche signifikante Erträge zu erzielen.“

Niemand ist perfekt: Die Ausrichtung auf wenig liquide Anlageklassen hat das Stiftungsvermögen in der jüngsten Finanzkrise schwer getroffen. Und auch die im Jahr 2011/2012 erzielte Rendite von 4,7 Prozent ist nicht berauschend und entspricht mit einem Gewinn von knapp einer Milliarde Dollar in etwa jenem Betrag, den das Stiftungsvermögen für das vergangene Jahr an die Universität ausschütten muss.

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Aber kurzfristige Enttäuschungen ändern nichts am langfristigen Erfolg: Für die vergangenen 20 Jahre errechnet sich eine jährliche Durchschnittsrendite von 13,7 Prozent, für die vergangenen 10 Jahre von 10,6 Prozent. Reale Anlagen sind reizvoll; man muss nur ihre Früchte reifen lassen.

Quelle: F.A.Z.

 
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