Home
http://www.faz.net/-gvf-7648g
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Vermögensverwaltung Erfolgreiche Eigenbrötler

Yale ist immer noch eine Legende, auch hinsichtlich der Anlage des Stiftungsvermögens. Kurzfristig muss dies allerdings nicht immer zu den besten Ergebnissen führen.

© REUTERS Vergrößern Legende Yale

„Erfolgreiches aktive Vermögensverwaltung erfordert, sich auf ineffizienten Märkten und bei unbeliebten Kapitalanlagen gegen die Marktmeinung zu stellen. Daraus entsteht die beste Gelegenheit, falsche Marktpreise auszunutzen und überdurchschnittlich hohe Renditen zu erzielen.“

Gerald Braunberger Folgen:    

Diese Feststellung findet sich im neuesten Jahresbericht der Verwalter des Stiftungsvermögens der amerikanischen Ostküstenuniversität Yale. Was in der Theorie gut klingt, erweist sich in der Praxis als schwierig: „In der Realität ist ein solch gegenläufiges Verhalten allerdings nur selten anzutreffen - die meisten Vermögensverwalter gruppieren sich als Herde um populäre Anlagestrategien oder orientieren sich eng an ihren Benchmarks, anstatt Strategien anzuwenden, die langfristig wahrscheinlich höhere Erträge liefern.“

Langfristig richtig, kurzfristig gefeuert

Die Vermögensverwalter in Yale wissen natürlich, warum die langfristig ausgerichteten Eigenbrötler so selten sind: Wer nicht mit der Herde läuft, kann schnell in Gefahr geraten, wenn die Anlageergebnisse einmal nicht stimmen. Bevor diese Eigenbrötler langfristig recht behalten, werden sie oft kurzfristig gefeuert, weil es den Anlegern an Geld und Geduld fehlt. Andererseits: Warum soll ein Anleger einem Herdentier teure Honorare zahlen, das ängstlich einen Index nachbildet? Das leistet auch ein billiger passiver Indexfonds.

David Swenson, der langjährige Verwalter des Stiftungsvermögens in Yale, ist selbst einmal ein Eigenbrötler gewesen. Vor rund zwanzig Jahren entwickelte er eine heute „Yale-Modell“ oder „Stiftungsmodell“ genannte Anlagestrategie, die sehr stark auf sogenannte alternative Anlagen in wenig liquiden Märkten setzt. Längst schauen viele andere Vermögensverwalter nach Yale, aber in der Radikalität der Umsetzung des Grundgedankens der breiten Streuung trauen sich nicht viele, Swenson zu folgen.

Kaum „sichere“ Anlagen

Für Ende Juni 2012, am Ende des Geschäftsjahres 2011/2012, weist das Stiftungsvermögen in Yale eine nicht nur für deutsche Verhältnisse ungewöhnliche Verteilung aus: 35,3 Prozent entfielen auf Beteiligungskapital (Private Equity), 21,7 Prozent auf Immobilien, 14,5 Prozent auf Hedgefonds, 8,3 Prozent auf Rohstoffe, 7,8 Prozent auf ausländische Aktien, 5,8 Prozent auf amerikanische Aktien, 3,9 Prozent auf Anleihen und 2,7 Prozent auf Barmittel. Damit machten die alternativen Anlagen sage und schreibe 79,8 Prozent des Stiftungsvermögens aus. Das muss man sich als Vermögensverwalter erst einmal trauen.

Infografik / Das Yale-Stiftungsvermögen © F.A.Z. Vergrößern Die Entwicklung des Stiftungsvermögens seit 1975

Die Anlagestrategie ist einfach: „Die Notwendigkeit, Ausschüttungen für den laufenden Universitätsbetrieb vorzunehmen, als auch die Kaufkraft der Vermögensanlagen zu sichern, erfordert die Suche nach hohen Renditen und begründet einen Schwerpunkt des Stiftungsvermögens auf Eigenkapital. Die Anfälligkeit der Universität im Falle von Inflation führt ebenfalls von Anleihen weg zu Anlagen in Eigenkapital.“ Nicht nur Aktien, auch Private Equity, Hedgefonds, Immobilien und Rohstoffe sollen eigenkapitalähnliche Erträge bringen.

Langfristig richtig, kurzfristig enttäuschend

Gerade in den weniger liquiden Anlageklassen sollen aktive Manager Extrarenditen generieren. Dagegen sieht man in Yale keinen Sinn darin, amerikanische Staatsanleihen aktiv verwalten zu lassen: „Yale fühlt sich von Anleihen nicht besonders angezogen, da sie von den sieben Anlageklassen die geringsten erwarteten Renditen versprechen. Außerdem ist der Markt für Staatsanleihen wohl die effizienteste Anlageklasse, die wenige Möglichkeiten verspricht, durch aktives Management zusätzliche signifikante Erträge zu erzielen.“

Niemand ist perfekt: Die Ausrichtung auf wenig liquide Anlageklassen hat das Stiftungsvermögen in der jüngsten Finanzkrise schwer getroffen. Und auch die im Jahr 2011/2012 erzielte Rendite von 4,7 Prozent ist nicht berauschend und entspricht mit einem Gewinn von knapp einer Milliarde Dollar in etwa jenem Betrag, den das Stiftungsvermögen für das vergangene Jahr an die Universität ausschütten muss.

Mehr zum Thema

Aber kurzfristige Enttäuschungen ändern nichts am langfristigen Erfolg: Für die vergangenen 20 Jahre errechnet sich eine jährliche Durchschnittsrendite von 13,7 Prozent, für die vergangenen 10 Jahre von 10,6 Prozent. Reale Anlagen sind reizvoll; man muss nur ihre Früchte reifen lassen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kapitalanlagen im Ausland Kritik an Risikofreude deutscher Sparer

Die deutschen Ersparnisse sind so hoch, dass sie nicht vollständig in Deutschland verwendet werden können. Doch die Anlage im Ausland stößt auch auf Kritik: Der deutsche Sparer drücke das Zinsniveau und befördere international Blasen. Mehr Von Gerald Braunberger

12.12.2014, 19:19 Uhr | Finanzen
Deutschland lernt sparen 2013 Das individuelle Depot optimal gestalten

Wie soll das Depot aussehen? Soll mehr Geld in sichere Anlagen wie Tagesgeld oder in Aktienfonds gesteckt werden? Das hängt von den Lebensumständen des Anlegers ab. Mehr

21.11.2014, 12:44 Uhr | Finanzen
Die Vermögensfrage Weihnachten ist die Hochzeit von Mord und Totschlag

Die gefährlichste Zeit im Jahr - in vielen Haushalten liegen die Nerven blank, weil Besitz und Geld zu endlosen Debatten und Streitereien führen. Mehr Von Volker Looman, Stuttgart

20.12.2014, 15:38 Uhr | Finanzen
Auftragseinbruch bei sächsischen Maschinenbauern

Vor dem Mauerfall und der politischen Wende lieferten sie Autos, Maschinen und Anlagen in die ehemalige Sowjetunion. Später wurden die Geschäftsbeziehungen wieder aufgenommen - der neue russische Markt zum Teil unter schwierigen Bedingungen erkämpft. Doch nun bestellen die russischen Partner zunehmend bei der Konkurrenz in China oder Japan. Mehr

09.10.2014, 12:07 Uhr | Wirtschaft
Mayers Weltwirtschaft Mein Jahr 2014

Unser Kolumnist lässt das Jahr Revue passieren. Er erfreut sich an hohen Aktienkursen und träumt von einer neuen Geldordnung. Mehr Von Thomas Mayer

20.12.2014, 15:12 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.01.2013, 17:40 Uhr

Name Performance 1 Jahr
 
 
 
 
 
 
Wertpapiersuche