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Vermögensverwaltung Drei Herausforderungen

Die für professionelle Beratung zur Verfügung stehenden Kundenvermögen sind in Deutschland sehr hoch und im Rest der Welt noch viel höher.

© dapd Vergrößern Sal. Oppenheim: Den Herausforderungen nicht gewachsen

Die für professionelle Beratung zur Verfügung stehenden Kundenvermögen sind in Deutschland sehr hoch und im Rest der Welt noch viel höher. Gleichwohl haben viele Vermögensverwalter zumindest in Deutschland nach Ansicht von Marktteilnehmern kein leichtes Leben. Der Wettbewerb ist sehr intensiv, die Zahlungsbereitschaft der Kunden nicht übermäßig ausgeprägt und die Kosten ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Gerald Braunberger Folgen:    

In Märkten mit zu vielen Teilnehmern findet irgendwann eine Bereinigung statt mit weniger, aber dafür gewichtigeren Teilnehmern, neben denen sich kleinere Nischenexperten mit einem eigenständigen Angebot plazieren mögen.

Wo ist der Unterschied?

Die erste Herausforderung für einen Verwalter lautet: Wie kann es mir gelingen, mich in der Entwicklung von Anlagestrategien vom Wettbewerb positiv zu unterscheiden? In Zeiten niedriger Zinsen müssen Portfolios breit aufgestellt werden. Nachdem auf dem führenden Markt in Amerika die alte 60/40-Strategie - 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen - kritischer gesehen wird, empfehlen nicht nur dort, sondern auch in Deutschland viele Verwalter neben Aktien und Anleihen sogenannte alternative Anlagen wie Immobilien, Beteiligungskapital, Hedgefonds und Rohstoffe.

Je nach den Präferenzen der Kunden lassen sich Portfolios mit unterschiedlichen Gewichtungen entwickeln, aber im Grundsatz sind die Variationsmöglichkeiten beschränkt. Das ist ein Grund, warum manche Verwalter - und nicht nur Family Offices - betuchten Familien Dienstleistungen wie die Verwaltung ihrer Buchführung, die Organisation von Reisen und die Gartenpflege organisieren. Reich kann man damit allerdings nicht werden.

Preis-Leistungs-Verhältnis

Die zweite Herausforderung lautet: Wie setzt man eine Anlagestrategie so um, dass erwarteter Ertrag und Kosten in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Oder, anders gefragt: Managt man ein Portfolio eher aktiv oder passiv? Das Vordringen der passiv gemanagten, aber billigen Indexfonds gerade bei institutionellen Anlegern ist alles andere als ein Zufall, obgleich auch in Deutschland das alternative Angebot aktiv gemanagter Fonds, die sich nicht nur traditionellen, sondern auch komplizierten Hedgefonds-Strategien widmen, zunimmt.

Infografik Chart FAZ-Aktien-Index 280113 © FAZFinance Vergrößern

Von den Vereinigten Staaten ausgehend sind Versuche zu beobachten, aktiv gemanagte und teure Spezialitäten zu revitalisieren, mit denen attraktive Renditen in Aussicht gestellt werden. Ein Beispiel hierfür sind die 130/30-Fonds, die mit einem Teil ihres Vermögens auf der Verkäuferseite sind.

Doch gerade in Deutschland, wo die Zahlungsbereitschaft für Beratung gering ausgeprägt ist, werden Vermögensverwalter nach kostengünstigen Alternativen Ausschau halten müssen. Dieser Ansatz garantiert neben den Indexfonds auch den Anbietern von Dachfonds für Private Equity und Hedgefonds ihre Existenz. Diese Anbieter sind zwar, absolut gesehen, alles andere als billig. Aber es gibt Vermögensverwalter, die für Kunden in Beteiligungskapital und Hedgefonds anlegen müssen, selbst aber zu klein sind, um rund um den Erdball nach besonders geeigneten Fonds Ausschau zu halten.

Kostenbewusst anlegen

Die dritte Herausforderung besteht in Kostendisziplin. Große Banken mit angeschlossener Vermögensverwaltung werden auch künftig einen Anreiz besitzen, die Vermögensverwaltung nicht zuletzt als Absatzkanal für ihre Produkte zu betrachten. Das wird aber nicht allen Kunden gefallen, vor allem in einer Zeit, in der im Zuge der Vererbung von Vermögen das Interesse jüngerer Kunden an der Anlagestrategie ihrer Verwalter wächst.

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Die Banken müssen sich zudem fragen, wie sie mit den Kosten für den Börsenhandel, die Verbuchung von Kapitalmarktgeschäften und die Verwaltung von Wertpapieren umgehen wollen. Der erhebliche Personalabbau im zur Deutschen Bank gehörenden Kölner Bankhaus Oppenheim zeigt, dass kleine Banken mit den Kosten moderner Informationstechnologie überfordert sein können. Im Falle Oppenheims steht die Deutsche Bank als Großbetreiber von Informationstechnologie bereit. Die konzernunabhängigen Privatbanken werden auf längere Sicht nach anderen Lösungen Ausschau halten müssen. Denn der Kostendruck wird weiter zunehmen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 28.01.2013, 15:49 Uhr

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