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Vermögensverwaltung : Die Suche nach Handfestem

Autobahn: Immer eine clevere Idee Bild: ddp

Die Anlageidee Anleihe erreicht gerade ihren Tiefpunkt. Immer mehr drängen sich Infrastrukturinvestments in den Vordergrund, vor allem bei amerikanischen Anlegern.

          Knapp 3,6 Milliarden Dollar sind in einen vor wenigen Wochen geschlossenen Fonds der australischen Investmentbank Macquarie geflossen, der seine Mittel in europäische Infrastruktur investieren will. Infrastruktur als Anlageklasse gewinnt damit weiter an Bedeutung, wie Zahlen des amerikanischen Analysehauses Preqin belegen. Demnach sind in der ersten Jahreshälfte 2013 annähernd 15 Milliarden Dollar in nicht an der Börse gelistete Infrastrukturfonds geflossen; das sind immerhin 77 Prozent mehr als in der ersten Hälfte des Vorjahres.

          Nach dem Anleihenboom

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Das Kalkül großer institutioneller Anleger wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Versorgungswerke ist nachvollziehbar: Viele Investoren haben in den vergangenen Jahren gutes Geld mit Anleihen verdient, aber in den kommenden Jahren dürften Anleihen weitaus weniger attraktiv sein.

          Bild: F.A.Z.

          Eine Alternative könnten reale, also mit einem Inflationsschutz versehene Anlagen darstellen, die langfristig einigermaßen regelmäßige, gut kalkulierbare Erträge bringen und überdies gegen dramatische Wertschwankungen gut abgesichert erscheinen. Gute Immobilien können eine solche Alternative bieten, aber der Markt für solche Objekte ist nicht unbegrenzt.

          Regelmäßig und gleichmäßig

          Infrastruktur als eine eigenständige Anlagekategorie ist eine Entwicklung der vergangenen Jahre, und in nicht wenigen Fällen sind die Grenzen zur Anlageklasse Immobilien fließend. Auch ist die Anlageklasse Infrastruktur nicht allgemeinverbindlich definiert, aber nach verbreiteter Ansicht gehören zu ihr Objekte wie Häfen und Flughäfen, Straßen und Schienennetze, Kraftwerke, Pipelines und Strom- sowie Datennetze.

          Die aus diesen Objekten fließenden regelmäßigen Erträge, in vielen Fällen sind es Nutzungsentgelte, sind oft nicht sehr hoch, aber vermutlich auf lange Sicht nicht sehr stark schwankend. Großanleger mit langfristigen Auszahlungsverpflichtungen mögen regelmäßige Einkommensströme. Allerdings können es sich nur sehr große Investoren leisten, auf eigene Faust Infrastrukturprojekte auszusuchen und zu verwalten. Die meisten Großanleger investieren in spezialisierte Fonds.

          Amerikaner in Europa

          Nach einer Untersuchung von Preqin haben auf Infrastruktur spezialisierte Fonds in den vergangenen zehn Jahren 231 Milliarden Dollar eingesammelt. Fast die Hälfte dieser Summe entfällt auf zehn Anbieter. Marktführer ist Macquarie, wobei die australische Bank dieses Geschäft aus New York heraus betreibt. Die Fonds von Macquarie haben in den vergangenen zehn Jahren rund 26 Milliarden Dollar akquiriert, nahezu doppelt so viel wie die Nummer zwei in der Rangliste, die ebenfalls in New York ansässige Gesellschaft Global Infrastructure Partners.

          Viele Kapitalgeber sitzen in Nordamerika, aber investiert wird gerne in europäische Infrastruktur. Beides ist nicht erstaunlich. Infrastruktur ist eine sogenannte alternative Anlage wie Beteiligungskapital, Hedgefonds oder Rohstoffe. Das Interesse an alternativen Anlagen haben in den vergangenen zwanzig Jahren vor allem nordamerikanische Großanleger entwickelt, die mit der herkömmlichen Aufteilung ihrer Mittel auf alleine Aktien und Anleihen nicht mehr zufrieden waren. Von Nordamerika ausgehend verbreitet sich die Nachfrage nach alternativen Anlagen auch nach Europa und in die Schwellenländer.

          Anlagen in Europa sind aus mehreren Gründen beliebt. Im internationalen Vergleich erscheinen die Eigentumsrechte in Europa sicher - eine wesentliche Voraussetzung für sehr langfristige Kapitalanlagen. Zudem befindet sich ein erheblicher Teil der europäischen Infrastruktur in der Hand von Staaten, die angesichts hoher Schulden Interesse an Verkäufen besitzen dürften. Auf lange Sicht wird privates Kapital auch eine bedeutende Rolle bei der Finanzierung neuer Infrastruktur spielen müssen.

          Auf längere Sicht müssten auch Schwellenländer interessante Anlageziele sein, aber bisher entfällt auf sie nur ein kleiner Teil der Anlagen in Infrastrukturfonds. Nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank beläuft sich der Bedarf an Investitionen in Infrastruktur in den kommenden Jahren in Asien auf 750 Milliarden Dollar im Jahr. Private Mittel sollten auch in Asien willkommen sein - Rechtssicherheit vorausgesetzt.

          Quelle: F.A.Z.

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